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unzulässige Inkassoforderung nach Kontoauflösung? CCS

9.1.2017 Thema abonnieren Zum Thema: Inkassoforderung
 Von 
mpost
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)
unzulässige Inkassoforderung nach Kontoauflösung? CCS

Hallo!

Ich habe Brief von der Inkassofirma CCS Inkasso bekommen und möchte euch fragen, welche Forderungen davon berechtigt sind und wie ich am besten weiter vorgehe.

Es handelt sich um insgesamt zwei Briefe mit (fast) identischen Inhalt. Zu beginn: Ich habe mein Konto gekündigt und leider noch mit diesem bezahlt, solange es noch aktiviert war. Dabei habe ich nicht daran gedacht, dass eine Abbuchung bei einem Lebensmittelhändler nicht sofort ausgeführt wird.
Jedenfalls habe ich am 11.11. und 12.11. im Netto mit meiner EC-Karte bezahlt. Am 15. 11. wurde jedoch dieses Konto geschlossen, sodass die Abbuchungen anscheinend nicht mehr ausführbar waren. Dies wurde von mir bis heute nicht bemerkt. Nun habe ich zwei Briefe mit Aufforderungen im Haus die ich nicht nachvollziehen kann und bei denen sich die Forderung vom Kaufpreis (insgesamt 37,41: 20,85€ und 16,56€) auf 53,15€ und 33,86€ (87,01) erhöht. Die Forderungen lauten:

Hauptforderung(ursprünglicher Kaufbeleg): 20,85 16,56
Bankrücklastschriftskosten 2,40 2,40
Adressermittlungskosten 15,00 0,00
Verzugsschaden der Ingenico Payment Services GmbH 9,90 9,90
Mahnkosten 5,00 5,00

Dies sind jedoch die ersten Briefe, die ich zu der gesamten Sache bekommen habe. Auch keine Mahnungen. Desweiteren kann ich die Verzugsschäden nicht nachvollziehen und dies ebenfalls in doppelter Höhe. Ich erkenne durch mein Verschulden die Adressermittlungskosten und Bankrücklastschriftkosten ja durchaus an.

Vielen Dank schon einmal für eure Antworten. Vielleicht kann mir ein schon Betroffener seine Reaktion mitteilen.



Folgender ist der genaue Wortlaut eines der Briefe:

Sehr geehrter Herr XXXX,
am 11.11. um XX zahlten Sie bei Netto Marken-Discount in XXXX 20,85€ mit Ihrer girocard und unterschieben hierfür den Lastschriftbeleg, mit dem Sie die Ingenico Payment Services GmbH ermächtigen, den Betrag von Ihrem Konto einzuziehen.

Jedoch wurde die Abbuchung des fälligen Betrags von Ihrer Bank zurückgegeben. Ihre girocard-Zahlung ist somit bis heute offen. Die daraus resultierende Rücklastschrift wurde an die Ingenico Payment Services GmbH abgetreten. Inzwischen hat die Ingenico Payment Services GmbH uns beauftragt, den offenen Betrag einzufordern.

Mir dem Scheitern dieses Lastschrifteinzugs befanden Sie sich bereits im Verzug(vgl. Palandt, 73. Auflage, § 286 Rn 25, Prinzip der Selbstmahnung). Hinzu kommt, dass eine schuldhafte Verletzung der Lastschriftabrede (vgl. BGH NJW 2009, 3570 , 3571) vorliegt, sodass die Nebenforderung auch unter diesem Gesichtspunkt ersatzfähig sind.

Somit setzt sich der Forderungsbeleg wie folgt zusammen:
(s.o.)

Bitte überweisen Sie den fälligen Betrag von 53,15 bis spätestens 18.01.2017. Geben Sie dabei unser Aktenzeichen XXXXX an.
Wenn innerhalb dieser Frist keine Zahlung erfolgt und wie auch keine Nachricht von Ihnen erhalten, müssten wir ein Inkassoverfahren gegen Sie einleiten - und das möchten wir gerne vermeiden.

Mit freundlichen Grüßen
Credit & Collections Service GmbH

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Inkassoforderung


5 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Sir Berry
Status:
Bachelor
(3869 Beiträge, 1013x hilfreich)

Zitat (von mpost):
Auch keine Mahnungen.

Warum sollte man nochmals mahnen? Die Rücklastschrift hat den Verzug ausgelöst.

Mahnkosten bei nicht versandter Mahnung wären vom Forderer zu erklären.

Die Verzugskosten scheinen ok, denn die hatten ja durch die Rücklastschrift auch Arbeit.

Berry

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#2
 Von 
mepeisen
Status:
Weiser
(17810 Beiträge, 11883x hilfreich)

Zitat:
denn die hatten ja durch die Rücklastschrift auch Arbeit.

Was egal ist. Denn laut BGH müssen Personalaufwände bei Rücklastschriften auf die Preise umgelegt werden und dürfen nicht gesondert als Schadensersatz gefordert werden.

Insofern sind die Bearbeitungsgebühren von 9,90€ zu streichen.

Mahngebühren maximal 2,50€, eher weniger je nach Gericht.

Signatur:Meine Beiträge stellen keine Rechtsberatung dar. Sicherheit gibts nur beim Anwalt.
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#3
 Von 
fm89
Status:
Lehrling
(1182 Beiträge, 345x hilfreich)

Zitat:
Die Verzugskosten scheinen ok, denn die hatten ja durch die Rücklastschrift auch Arbeit.

Sind sie aber nicht. Mehr als 2,50 Euro pro einfacher Mahnung als pauschaler Verzugsschaden wurden noch nirgendwo anerkannt.

Gemäß ständiger Rechtsprechung, u.a. BGH, dürfen auch keine Arbeitsaufwände in Rechnung gestellt werden, sondern nur die direkten, bezifferbaren Kosten (Porto, Briefpapier usw.).

Den Punkt kann man also ohne Probleme streichen.

Angemessen und durchsetzbar wären zzlg. zu den Hauptforderungen: 2x Rücklastschrift, 1x Adressermittlung und 1x Mahnkosten.

Das sollte man direkt und zweckgebunden an ingenico zahlen.

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#4
 Von 
mpost
Status:
Frischling
(2 Beiträge, 0x hilfreich)

Danke schon einmal für die Antworten.

Wie würdet ihr also darauf reagieren? Überweisung der Hauptforderung, Rücklastschriften, und einmalig Adressermittlung und Mahnung? Von Ingenico habe ich ja auch keine Kontodaten. Im Schreiben angegeben sind nur die von CCS Inkasso. Kommt man damit durch, dass man die Verzugskosten nicht bezahlt? Ich nehme an, ich sollte den Schreiben erst widersprechen und danach den Betrag 59,71€ überweisen..

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#5
 Von 
arnonym117
Status:
Praktikant
(648 Beiträge, 136x hilfreich)

Ich würde zwei Überweisungen ans Inkasso ausführen (sofern dich das nichts extra kostet). Darin im Verwendungszweck jeweils das Aktenzeichen sowie den Zusatz "Nur HF, Rücklastschrift" und bei der ersten Überweisung noch "Adressermittlung, Mahnpauschale". Oder halt alles in eine Überweisung packen und den Verwendungszweck entsprechend anpassen.

Danach würde ich dem Inkasso schreiben, was, wie und warum ich bezahlt habe, den restlichen Positionen (Verzugsschaden und Mahnkosten), da nach ständiger Rechtsprechung nicht erstattungsfähig, sowie der Weitergabe meiner Daten an Auskunfteien widersprechen.

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