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Bonus im Arbeitsvertrag vs. gesonderte "Vereinbarung"

27.12.2016 Thema abonnieren Zum Thema: Arbeitsvertrag
 Von 
Michael32
Status:
Senior-Partner
(6339 Beiträge, 1244x hilfreich)
Bonus im Arbeitsvertrag vs. gesonderte "Vereinbarung"

Hallo,

ich versuche den fiktiven Fall mal so genau wie möglich zu schildern.

In einem Arbeitsvertrag wird als Bonusvereinbarung eine Bonuszahlung für das Erreichen spezieller Ziele ausgelobt.
Bei 100% Zielerreichung 20%, darüber hinaus wird der Bonus bei 40% gedeckelt bei Zielüberschreitung.

Nun kam ein neuer Geschäftsführer und die Ziele wurden mit dem Mitarbeiter definiert. In einer Tabelle wurden 6 verschiedene Ziele vorgegeben, 1x Firmenergebnis (zählt zu 50%) und 5 andere, persönliche Ziele (zählen 20%,15%,5%,5%,5%).

Es wurde in 3 Abschnitte gegliedert V0/V1/V2. Diese wurden jeweils mit einem Zielwert definiert, z.B. Firmenergebnis:
V0 = 500.000 EUR
V1 = 1.000.000 EUR
V2 = 1.500.000 EUR

Somit wären bei erreichen V1 20% Bonus fällig, bei V2 40%. Die Stufen wurden mit V0=25%, V1=100% und V2=150% angegeben auf der Zielvereinbarung. Nun bei der Auswertung wurde V2 "nur" mit 30% gerechnet, Es heißt, das mit Zielvereinbarung so festgelegt wurde:

100% Zielerreichung = 20% und 150% Zielerreichung wären 30% (20% Bonus *150% V2=30%) ..... -> Bonuszahlung ist nach dieser Berechnung 3.000 EUR niedriger als nach Arbeitsvertrag !

Das ging so aus der Zielvereinbarung nicht hervor, wurde auch so nicht besprochen.

Zählt hier nicht die vertragliche Regelung des Arbeitsvertrages bis irgendwo schriftlich ganz konkret das geändert wird ?

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Arbeitsvertrag


6 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
blaubär+
Status:
Senior-Partner
(6173 Beiträge, 2320x hilfreich)

/// ... und die Ziele wurden mit dem Mitarbeiter definiert.

Das dürfte dann faktisch auf eine einvernehmliche Vertragsänderung hinauslaufen. Dass das Ergebnis am Ende des Jahres nicht der Bonushöhe entspricht, die der MA zuvor erzielt hat, steht dem nicht entgegen, ebensowenig, dass das aus der Zielvereinbarung nicht hervorging - da hat MA offenbar nicht aufgepasst. Ich sehe nicht, dass der GF verpflichtet gewesen wäre, auf diese Konsequenz ausdrücklich hinzuweisen.

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#2
 Von 
Michael32
Status:
Senior-Partner
(6339 Beiträge, 1244x hilfreich)

In diesem Fall war es die erste Zielvereinbarung, die der Mitarbeiter bekommen hat (hat erst 2016 angefangen). Somit hatte er keinen Vergleich zu vorherigen. Er geht davon aus, dass V2 eben den maximalen 40% Bonus entspricht.

Wenn er schon vorher solche Bonusvereinbarungen gehabt hätte, würde ich Dir recht geben, wenn dort dann plötzlich 150% anstatt 200% stehen würde. Kann man in dem Fall aber nicht davon ausgehen, dass der Mitarbeiter darauf vertrauen kann, dass die arbeitsvertragliche Regelung zählt und nicht die in diesem Fall ohne Erläuterung "untergeschobene" ?

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#3
 Von 
blaubär+
Status:
Senior-Partner
(6173 Beiträge, 2320x hilfreich)

/// Er geht davon aus, ...

.... hat aber nicht nachgefragt oder nachgerechnet oder um Zeit zum Nachrechnen gebeten.
MA kann natürlich zum GF gehen und seiner Überraschung über diesen Nachteil Ausdruck geben, er kann bitten, den Bonus neu zu verhandeln - aber der GF ist nicht dafür verantwortlich, was MA sich denkt oder, wovon er ausgeht.

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#4
 Von 
Michael32
Status:
Senior-Partner
(6339 Beiträge, 1244x hilfreich)

Ich möchte da gerne nochmal auf die V1=100% und V2=150% eingehen.
Wenn ich die Zahlen so lese, kann ich auch davon ausgehen, dass der GF anstatt bei 40% ab sofort den Bonus bei 50% deckelt ?

Es wurde bei der Besprechung nicht auf die Prozente eingegangen, es wurde auch nicht explizit darauf hingewiesen, dass hier eine Kürzung stattfindet. Man kann das ja auch so sehen, dass 100% = 20% und die 150% = 50% ?

Zusatzfrage:
Wenn das Geschäftsjahr für die Bonusberechnung in 2 Halbjahre geteilt wurde (Geschäftsjahr geht von März-Februar) und der MA ab dem 01.01.2017 nicht mehr dort arbeitet, hat er dann das Anrecht auf anteiligen Bonus für 9/2016-12/2016 ? Im Arbeitsvertrag sthet dazu nichts, nur die %uale Höhe des Bonus.

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#6
 Von 
Michael32
Status:
Senior-Partner
(6339 Beiträge, 1244x hilfreich)

Habe mal die Vereinbarung hochgeladen, die geschwärzten Teile sind lediglich persönliche Daten und die konkreten Zielvorgaben. Diskussionsgrundlage sind V0/v1/V2 und ob man daraus ableiten muss/kann, dass V2 quasi 30% Bonus bedeuetet im Gegensatz zum Arbeitsvertrag die 40% als Maximalbonus.

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