Narkose durch Medizinischen Assistenten: Patient geistig behindert

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Viele Krankenhäuser begegnen dem Ärztemangel mit Fortbildungen für Pflegekräfte, die dann beispielsweise als OP-Assistenten unter Aufsicht eines Fachartzes an Eingriffen teilnehmen. Aus juristischer Sicht handelt es sich dabei um eine Delegation ärztlicher Aufgaben an nicht-ärztliches Personal.

Unter gewissen Voraussetzungen kann der Arzt bestimmte Aufgabe an geschultes Personal delegieren und als eigene Leistung abrechnen, wenn der Patient vorher zustimmt. Bei objektiv gefährlichen Tätigkeiten scheitert eine Übertragung ohne dass es auf die Qualifikation der Pflegekraft ankommt, ebenso bei der Delegation von Kernkompetenzen. Einer Delegation steht hier Grundsatz der persönlichen Leistungserbringung durch den Arzt diametral entgegen.

In Erfurt wie in anderen Krankenhäusern auch wurden in der Vergangenheit Pflegekräfte zu sogenannten Medizinischen Assistenten fortgebildet. Jedoch übernahmen diese Mafas in Erfurt eigenständig die Narkose, ohne Aufsicht seitens eines Facharztes für Anästhesiologie.

Bei einem Fall aus dem Jahre 2006 erlitt ein damals 18-jähriger Patient während solch einer OP einen Herzstillstand und hat einen Hirnschaden davongetragen. Auf die Qualifikation der Pflegekräfte kommt hier nicht an. Die Ausführung einer Operation oder wie hier die Durchführung und Überwachung der Narkose, ist Sache des Facharztes und konnte unter keinen Umständen delegiert werden.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Körperverletzung und Fälschung des OP-Berichts. Da das Krankenhaus die Leistung wohl als ärztliche Leistung zur Abrechnung brachte, dürfte wohl auch an den Verdacht des Abrechnungsbetruges zu denken sein.

Dem Patienten gegenüber ist der Träger des Krankenhauses zum Ersatz des entstandenen und künftig noch entstehenden Schadens sowie Schmerzensgeld in nicht unbeträchtlichlicher Höhe verpflichet.

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