EHEC als Transportschaden

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Die Suche nach dem Infektionsherd der lebensbedrohenden Darmerkrankung EHEC (Enterohämorrhagische Escherichia coli) läuft bis jetzt ins Leere. Und solange steht die gesamte Lieferkette von der Produktion bis zur Verarbeitung unter Generalverdacht.

Der Verband der Unternehmen, die sich auf die Reinigung von Transportbehältern spezialisiert haben, bemängelt mangelnde Hygienerichtlinien für die Reinigung von Transportfahrzeugen (Bericht DVZ). Ganz auszuschließen ist die Infektion der Fracht mit dem Erreger auf dem Schiff, Flugzeug, LKW, Schiff oder während der Zwischenlagerung nicht.

Wird das Gut tatsächlich während des Transportes infiziert, so stünde der Frachtführer erst einmal in der Haftung. Der Seuchencharakter könnte ihn argumentieren lassen, dass es sich für ihn um ein unvorhersehbares und unabwendbares Ereignis gehandelt habe. Dies würde aber zum einen wegen der breiten Medienerstattung nicht fruchten. Zum anderen, wäre die Infektion für durch richtige Hygiene zu vermeiden gewesen, wenn die Argumente des Reinigungsgewerbes stimmen. 

Die juristische Lösung dürfte aber nicht im Rechtlichen, sondern im Tatsächlichen ihre Probleme haben. Der von der Fa. Merck entwickelte Schnelltest liefert zwar binnen 20 Minuten Ergebnisse, benötigt jedoch eine zuvor über Nacht angereicherte Probe. Der Beweis, dass die Ware ohne Infektion aufgegeben und mit Infektion ankam, dürfte nur in seltensten Fällen zu führen sein.

Hintergründe:
In diesem Frühjahr traten insbesondere in Norddeutschland schwere Fälle von Erkrankungen durch EHEC auf. Es handelt sich nicht um ein neues Phänomen, so besteht in Atlanta USA, bereits seit 1993 eine Meldepflicht für EHEC Erkrankungen. Die Mediziner beobachten in Deutschland jedoch besonders schwere Symptome, welche zu bleibenden Schäden von Nerven und Nieren oder bis zum Tod des Patienten führen.

Die Verbraucher halten sich an die Empfehlungen des Gesundheitsministeriums und verzichten weitestgehend auf Rohkost. Dies bekommen inzwischen nicht nur die Händler und Bauern zu spüren, sondern auch die Logistik (Bericht DVZ). Der niederländische Verband TNL (Transport en Logistiek Nederland) berichtet bereits von existenzbedrohenden Stillständen in Speditionen, die sich auf thermogeführte Transporte spezialisiert haben.

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