Die Kosten des Scheidungsverfahrens

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1. Kostenschutz durch eine Rechtsschutzversicherung:

Dieser Ratgeber erklärt die wichtigsten finanziellen Fragen im Rahmen eines Scheidungsverfahrens oder im Falle der gerichtlichen Aufhebung einer eingetragenen Lebenspartnerschaft. Werden die Kosten von einer Rechtsschutzversicherung übernommen? Wie hoch sind die Kosten für das Scheidungsverfahren? Gibt es Prozesskostenhilfe? Welche Aspekte sind noch zu beachten?

In der Regel übernehmen Rechtsschutzversicherungen im Rahmen eines Scheidungsverfahrens keine Kosten. Nur in besonderen Ausnahmefällen, wie zum Beispiel bei der frühzeitigen Vereinbarung einer speziellen Scheidungskostenversicherung, werden die Anwalts- und Verfahrenskosten durch einen Rechtsschutzversicherer gedeckt.

Thilo Wagner
seit 2005 bei
123recht.net
Rechtsanwalt
Hohenstaufenring 44-46
50674 Köln
Tel: (0221) 3500 67 80
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Web: http://wagnerhalbe.de
E-Mail:
Familienrecht, Erbrecht, Urheberrecht, Zivilrecht

Aus Kulanz übernehmen bestehende Rechtsschutzversicherungen jedoch häufig die Kosten für eine anwaltliche Erstberatung. Insoweit sollte auf jeden Fall bei der Rechtsschutzversicherung Kostendeckung beantragt werden. Zumindest die Erstberatung ist für Sie dann meist völlig kostenfrei.

2. Die Höhe der Rechtsanwalts- und Verfahrenskosten:

In außergerichtlichen Auseinandersetzungen oder im Falle einer außergerichtlichen Beratung können die entstehenden Rechtsanwaltsgebühren zwischen Mandant und Rechtsanwalt individuell ausgehandelt und vereinbart werden.

In dem gerichtlichen Scheidungsverfahren bestimmen sich die entstehenden Rechtsanwaltsgebühren jedoch nach den starren Vorschriften des Rechtsanwaltsvergütungsgesetzes (RVG). Diese Gebühren sind gesetzlich festgelegt und dürfen nicht unterschritten werden.

Die konkrete Gebührenhöhe bestimmt sich nach der Festsetzung des Gegenstandswerts des jeweiligen Scheidungsverfahrens durch das Gericht. Entscheidend für den festgesetzten Gegenstandswert ist wiederum der Umfang der konkreten gerichtlichen Auseinandersetzung. Werden in dem Scheidungsverfahren zum Beispiel zusätzliche Regelungen, wie etwa die Verteilung des Hausrats mitverhandelt, steigt der Gegenstandswert und damit auch die Kosten. Die Erfahrung zeigt das für ein durchschnittliches Scheidungsverfahren Kosten in Höhe von circa 2.000,00 € anfallen. Im Einzelfall können diese Kosten jedoch deutlich unterschritten oder überschritten werden. Ein vertrauenswürdiger Rechtsanwalt wird Sie vor Mandatsverteilung im Rahmen der Erstberatung über die im konkreten Scheidungsfall zu erwartenden Kosten genau informieren.

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3. Unterstützung durch den Staat - Die Prozesskostenhilfe

Sofern Sie persönlich nicht in der Lage sind, die zu erwartenden Verfahrenskosten selbst zu tragen, besteht die Möglichkeit dass Ihr Anwalt für Sie Prozesskostenhilfe beantragt. Sofern das Gericht die beantragte Prozesskostenhilfe bewilligt, übernimmt die Staatskasse die Staatskasse die Kosten des Verfahrens vollständig oder unter der Anordnung einer Rückzahlung in Raten.

4. Kostenteilung zwischen des Scheidungsparteien:

Im Regelfall beschließt das Gericht, dass die Kosten des Verfahrens gegeneinander aufgehoben werden. Das bedeutet, dass meist jede Partei die eigenen Anwaltskosten selbst trägt und dass die Gerichtskosten zwischen beiden geteilt werden.

5. Kann ich mir einen eigenen Anwalt sparen?

Wenn der Ehegatte bereits einen Anwalt mit der Durchsetzung der Scheidung beauftragt hat, sollten Sie in jedem Fall selbst anwaltliche Hilfe in Anspruch nehmen. Denn der Anwalt Ihres Ehegatten wird Ihre persönlichen Wünsche und Vorstellungen nur dann berücksichtigen können, wenn Ihre Vorstellung die Interessen seines Mandanten überhaupt nicht berühren. Dies ist jedoch fast nie der Fall.

Der Anwalt des Ehegatten wird daher ausschließlich die Interessen seines Mandanten vertreten und diese mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln durchsetzen. Hierbei darf er jedoch nur ein Ziel verfolgen: Er muss seinen Mandanten vor allen möglichen Ansprüchen bewahren. Nur wenn Sie gänzlich „leer ausgehen“ hat der gegnerische Anwalt sein Auftrag vertragsgemäß erfüllt.

Ein seriöser Anwalt wird Ihnen daher niemals erklären, dass er die Interessen beider Ehegatten umsetzen kann. Wird Ihnen anderes zugesichert, sollten sämtliche Alarmglocken schrillen.

Die Scheidung betrifft persönliche und vor allem auch wirtschaftlich existenzielle Fragen. Bei der Beantwortung dieser Fragen und Lösung aller damit einhergehenden Probleme, sollten Sie sich nicht auf Ihren scheidenden Partner und dessen Anwalt verlassen, sondern einen Anwalt beauftragen. Nur Ihr Anwalt wir sie unabhängig beraten und ausschließlich in Ihrem im Sinne handeln.

6. Steuervorteil

Sofern Sie selbst steuerpflichtig sind, können Sie die Kosten des Scheidungsverfahrens als so genannte „außergewöhnliche Belastung“ steuerlich geltendmachen und so Ihre Steuerlast mindern. Nur die Verfahrenskosten, welche die Finanzämter im Einzelfall als „zumutbar“ beurteilen, wirken sich nicht steuerbegünstigend aus. Vorsorglich sollten Sie daher immer sämtliche Verfahrenskosten dem Finanzamt melden und bei Ihrer Steuererklärung berücksichtigen.


Der Autor ist Sozius der Rechtsanwaltskanzlei Wagner Halbe Rechtsanwälte in Köln und berät und vertritt Privatmandanten und Unternehmer in allen Fragen des Familien- und Erbrechts. Bei Anregungen oder Fragen zu diesem Themenkomplex können Sie eine unverbindliche E-Mail direkt an die Adresse info@wagnerhalbe.de senden. Weitere Informationen erhalten Sie auf diesem Portal oder auf der Internetseite http://www.wagnerhalbe.de/Familienrecht.

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