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Betrifft eine Beerdigung

 Von 
go499665-7
Status:
Frischling
(1 Beiträge, 0x hilfreich)
Betrifft eine Beerdigung

Hallo,habe da eine Frage. Der Verstorbene hatte immer mündlich gesagt wo er beerdigt werden möchte. Nun sagt aber sein Sohn,mit dem er schon Jahre lang keinen Kontakt hatten,er soll da beerdigt werden wo der Sohn wohnt.
Ein Anwalt hat gesagt wenn wir belegen können das er es so wollte ,dann kann der Sohn machen was er will.
Nun zu der Frage?reicht es aus,wenn die Nachbarn und Personen ,denen er das immer gesagt hat wo er beerdigt werden möchte,eine Unterschrift leisten???

-- Editiert von Moderator am 17.09.2018 12:01

-- Thema wurde verschoben am 17.09.2018 12:01

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Nicht genau ihre Frage? Wir haben weitere Antworten zum Thema
Erbe Unterschrift Gericht


8 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
BigiBigiBigi
Status:
Student
(2859 Beiträge, 1180x hilfreich)

Dazu ist zweierlei zu beachten:

1. Als nicht Verwandter (vermutlich sogar genauer: als Nicht-Erbe) hast du schon mal überhaupt keinen Rechtsanspruch darauf, daß irgendjemand an einer bestimmten Stelle beerdigt wird. D.h. du hast keine Möglichkeit, den Willen des Verstorbenen durchzusetzen.

2. Selbst wenn das nachweisbar wäre, bedeutet das nicht, daß der Verstorbene nicht zu einem späteren Zeitpunkt einen anderen Wunsch geäußert haben kann. Genau aus dem Grund werden Testamente ja auch datiert, damit im Zweifelsfall nachweisbar ist, was der wirklich "letzte" Wille des Verstorbenen war.

Ergo: Da ist nichts zu machen.

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#2
 Von 
Zuckerberg
Status:
Schüler
(198 Beiträge, 342x hilfreich)

Zuständig für die Bestattungs (weder im Sinne einer Pflicht noch im Sinne einer Berechtigung) ist nicht unbedingt der Erbe. Das wäre insbesondere in Fällen, in denen aufrgund unklarer Testamentlage noch Streit um die Erbenposition besteht oder der (ggf. gesetzliche) Erbe irgendwo im Ausland und nicht zu erreichen ist.

Bei der Bestattung sollen die Wünsche des Verstorbenen berücksichtigt werden. Die Wahl des Bestattungsortes ist ein klassisches Beispiel dafür. Solche Fragen können notfalls vor Gericht geklärt werden.

Das Problem ist natürlich die Beweisbarkeit. Üblicherweise sollte man meinen, dass solche Fragen (insbesondere bei "komplizierten" Familienverhältnissen) doch in einem Testament geregelt werden.Wenn das nicht passiert ist, dann ist das schon fahrlässig. Das ist sogar so fahrlässig, dass ich persönlich Zweifel hätte, ob der Verstorbene denn diesen Wunsch gehabt hat, wenn er ihn nunmal nicht testamentarisch festgehalten hat.

Was am Ende als Beweis ausreicht, muss das Gericht entscheiden. Schon um die Aussagen auf Belastbarkeit prüfen zu können, würde ich vermuten, dass das Gericht diese Zeugen gerne selber anhören möchte. Ich zum Beispiel halte es für unüblich, dass mit Nachbarn dieser Wunsch besprochen wird. Das ist für mich kein übliches "Small Talk"-Thema. Und es stellt sich die Frage nach der Ernstlichkeit und Aktualität dieses Wunsches.
Und wenn dieser Wunsch in Ansehung des Todes auf dem Sterbebett geäußert worden sein sollte, dann fragt man sich wiederum, warum niemand die Idee gehabt hat, schnellein Blatt Papier und einen Stift zu holen.

Wenn das Gericht eine schriftliche Angabe ausreichen lassen möchte (was ich mir insbesondere aufgrund der Zeitnot vorstellen könnte), dann würde ich trotzdem noch vermuten, dass ihm nicht jede einfache "Unterschrift" reicht.

So oder so kommt es natürlich noch darauf an, ob das Gericht diesen Zeugen dann auch glaubt. Oder ob andere Gründe entgegenstehen könnten, sodass doch im Sinne des Sohnes entschieden wird.

Da hier offenbar ein Anwalt eingeschaltet ist, dann sollte der dazu befragt werden, was (seiner Erfahrung nach) vor Gericht ausreichen kann und was nicht.



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#3
 Von 
eh1960
Status:
Lehrling
(1513 Beiträge, 436x hilfreich)

Zitat (von Zuckerberg):
Zuständig für die Bestattungs (weder im Sinne einer Pflicht noch im Sinne einer Berechtigung) ist nicht unbedingt der Erbe. Das wäre insbesondere in Fällen, in denen aufrgund unklarer Testamentlage noch Streit um die Erbenposition besteht oder der (ggf. gesetzliche) Erbe irgendwo im Ausland und nicht zu erreichen ist.

Zuständig für die Bestattung sind grundsätzlich immer die "Bestattungspflichtigen".

"Bestattungspflichtige" sind

1. Ehepartnerin/Ehepartner oder Lebenspartnerin/Lebenspartner einer eingetragenen Lebenspartnerschaft
2. die Kinder (in einigen Bundesländern nur, wenn volljährig)
3. die Eltern
4. die Geschwister (in einigen Bundesländern nur, wenn volljährig)
5. Partnerin/Partner einer auf Dauer angelegten nichtehelichen Lebensgemeinschaft (nur in einigen Bundesländern)
6. sonstige Sorgeberechtigte (z. B. Vormund eines verstorbenen Minderjährigen; nur in Rheinland-Pfalz und Sachsen)
7. die Großeltern (nicht in Brandenburg)
8. die Enkelkinder (in einigen Bundesländern nur, wenn volljährig)
9.sonstige Verwandte bis zum 3. Grad, z. B. Neffen und Nichten in Bayern, Hamburg, Sachsen; Onkel und Tanten in Hamburg und Sachsen, Verschwägerte in Bayern und Hamburg, Verlobte in Hamburg.

In Rheinland-Pfalz - und nur dort - stehen an erster Stelle die Erben. Ansonsten sind die Erben überhaupt nicht bestattungspflichtig.
Aber: Die Bestattungspflichtigen haben Anspruch gegen die Erben hinsichtlich der Kosten der Bestattung. Die Bestattung muss zunächst mal aus dem Erbe bezahlt werden. (Dabei ist der Anspruch auf eine "angemessene Bestattung" beschränkt - die Bestattungspflichtigen können nicht einen goldenen Sarg bestellen und den von den Erben bezahlen lassen.)
Reicht das Erbe nicht aus, um die Bestattungskosten zu bezahlen, müssen die Bestattungspflichtigen die Kosten gesamtschuldnerisch selbst tragen. ("Gesamtschuldnerisch" bedeutet: es kann jeder der einzelnen Bestattungspflichtigen ggf. allein für die Kosten herangezogen werden. Gibt's z.B. 10 Bestattungspflichtige, aber nur einer hat genug Geld, muss der das dann bezahlen. Ist kein einziger der Bestattungspflichtigen in der Lage, die Bestattungskosten zu bezahlen, zahlt die Gemeinde, in der der Verstorbene zuletzt seinen Wohnsitz hatte.)

Wünsche des Verstorbenen hinsichtlich seiner Bestattung sind immer dann, wenn sie nicht aus dem Erbe bezahlt werden können, letztlich unerheblich. Verbindlich sind sie nur, wenn a) das Erbe reicht, um sie zu bezahlen und b) der Verstorbene zu Lebzeiten eine entsprechende Verfügung getroffen hat, sinnvollerweise in einem Testament.
Gibt es keine ausdrückliche Verfügung des Verstorbenen, so bestimmen die Bestattungspflichtigen, wie die Bestattung aussieht. Gibt es eine solche Verfügung, reicht aber das Erbe nicht aus, um sie zu erfüllen, ist sie hinfällig.

Signatur:Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".
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#4
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(26234 Beiträge, 10751x hilfreich)

Tolle Zusammenfassung der Angelegenheit, eh. Vielleicht noch ergänzend ein paar Hinweise:

Nicht in allen Kommunen sind genug freie Grabstellen da. Da haben die dort gemeldeten Verstorbenen vorrang. Auch das kann wichtig sein. Dazu sind die Kosten für eine Grabstelle erstaunlich unterschiedlich hoch. Auch so Überlegungen können in die Entscheidung mit einfließen, auch die Dauer, für die diese Grabstelle nutzbar ist. Ich hatte vor einiger Zeit die Möglichkeit zum Vergleich. Da hat die Grabstelle bei uns etwa 1/10 von der auf einem Friedhof in Berlin gekostet, und das bei längerer Belegdauer.

Es sind immer noch Vorschriften in wohl jedem Bundesland da, aus denen sich ergibt, wann ein Verstorbener zwingend zu bestatten ist. Also monatelanges Zwischenlagern bis zu einem Gerichtsentscheid geht nur bei einer Kremierung. Und auch die Regeln der religiösen Orientierung sind eventuell soweit wie möglich zu beachten.

wirdwerden

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#5
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(32333 Beiträge, 11002x hilfreich)

Regelungen über Art und Ort der Bestattung sollten nicht in einem Testament verfügt werden, da ein Testament regelmäßig erst deutlich nach der Bestattung eröffnet wird. Im Testament sollte daher nur der Nachlass geregelt werden.

Bestattungswünsche sollten dagegen in einem gesonderte Dokument geregelt werden und das sollte auch so erfolgen, dass es rechtzeitig vor der Bestattung aufgefunden wird. Am Besten übergibt man es demjenigen, den man mit der Bestattung betrauen möchte.

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#6
 Von 
eh1960
Status:
Lehrling
(1513 Beiträge, 436x hilfreich)

Zitat (von wirdwerden):
Dazu sind die Kosten für eine Grabstelle erstaunlich unterschiedlich hoch.

Das ist noch stark untertrieben...
Zitat:
Es sind immer noch Vorschriften in wohl jedem Bundesland da, aus denen sich ergibt, wann ein Verstorbener zwingend zu bestatten ist. Also monatelanges Zwischenlagern bis zu einem Gerichtsentscheid geht nur bei einer Kremierung. Und auch die Regeln der religiösen Orientierung sind eventuell soweit wie möglich zu beachten.

Es gibt in jedem Bundesland Gesetze zur Regelung des "Leichen-, Bestattungs- und Friedhofswesen".

Mein Allzeit-Favorit ist dabei §2 Abs.1 des Gesetz über das Leichen-, Bestattungs- und Friedhofswesen des Landes Schleswig-Holstein (Bestattungsgesetz - BestattG) vom 4. Februar 2005

Kopf oder Rumpf als abgetrennte Teile des Körpers gelten als Leiche.

Signatur:Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".
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#7
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(26234 Beiträge, 10751x hilfreich)

Das ist wirklich stark. Aber, Dir ist klar, warum es diese Regelung gibt? Körperteile wie etwa ein amputiertes Bein dürfen nicht beerdigt werden.

Ich hatte kürzlich ein ganz anderes Prob. Person starb in Land A, sollte in Land B beerdigt werden. Es war eine Urne. Der Transport mit Beerdigungsunternehmen hätte ein Vermögen gekostet. Ich bot mich an, da ich ohnehin dort auf der Kante zu tun hatte, die Urne mit zu nehmen. Nee, durfte ich nicht. Gegen die Bestimmungen. Darf in Land A nur ein Bestatter. Aber, DHL darf. Deshalb sind auch ständig Urnen als Paketsendungen unterwegs. Beerdigungsunternehmer und ich haben dann einen förmlichen Dienstleistungsvertrag geschlossen, ich war für diesen Transport also quasi Mitarbeiter des Unternehmens. Dann gings.

wirdwerden

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#8
 Von 
ratlose mama
Status:
Praktikant
(518 Beiträge, 239x hilfreich)

Zitat (von wirdwerden):
Aber, DHL darf. Deshalb sind auch ständig Urnen als Paketsendungen unterwegs.

Ich weiss ja nicht wirklich, ob ich denen oder einem anderen Paketdienst due Asche eines geliebten Menschen wirklich anvertrauen würde.

War da nicht gerade ein Artikel, dass man dem normalen Menschen keinen vernünftigen und würdevollen Transport zutraut und deshalb der Transport per Paketdienst angemessen ist?

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