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Gegen den Willen, in einer Psychiatrie untergebracht werden

14.1.2018 Thema abonnieren
 Von 
PaulBerlin123
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 3x hilfreich)
Gegen den Willen, in einer Psychiatrie untergebracht werden

Hallo allerseits,

mein Kumpel hat sich seit ca. 2 Jahren sehr verändert. Er ist sehr zurückhaltend geworden. Er hat gar keine Freunde mehr ( wirklich 0 Freunde) und besucht die Uni gar nicht mehr.
Ich hab mich mit ihm letztens unterhalten, dann fang er an mir zu erzählen, dass er einen Prophet vom Gott sei und vieles mehr über seine Ex-Freundin, dass sie ihn immer noch liebt und immer von ihm denkt, obwohl das gar nicht stimmt. Er denkt auch, dass er manchmal verfolgt wird... etc
Ich dachte zuerst, dass er alles nicht ernst meinte aber ich merke mittlerweile, dass alles ernst gemeint war!
Er ist mit Sicherheit psychisch krank geworden.
Er kifft ständig und wie gesagt trefft sich mit gar keinem mehr.
Ich hab versucht ihn zu überzeugen, dass er zum Arzt gehen soll aber das hat leider nichts gebracht. Er meinte, er sei nicht krank!
1) Ich frage mich jetzt, kann man in so einem Fall dem Krankenhaus bzw. der Psychiatrie davon erzählen? (Wenn nein, dann wem sonst?)
Ich bin der Meinung, eine Therapie zu machen, wird ihm sicherlich helfen. Wenn er bspw. in einer geschlossenen Psychiatrie untergebracht wird. Zumindest hört er auf zu kiffen und vlt auch mal später was gegen die Halluzination machen.
2) Darf das Gericht -ohne seinen Willen- ihm in die Psychiatrie unterbringen? Weil er ja von alleine da nicht will. Er ist gar nicht gefährlich wieder für sich selbst noch für die anderen!! Er hat nie vom Selbstmord erzählt auch nicht, dass er den anderen was antun möchte.

Ich bitte um Entschuldigung, wenn den Beitrag nicht in der richtigen Kategorie ist.

lg

-- Editiert von PaulBerlin123 am 14.01.2018 00:35

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9 Antworten
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#1
 Von 
eh1960
Status:
Lehrling
(1408 Beiträge, 419x hilfreich)

Zitat (von PaulBerlin123):

mein Kumpel hat sich seit ca. 2 Jahren sehr verändert. Er ist sehr zurückhaltend geworden. Er hat gar keine Freunde mehr ( wirklich 0 Freunde) und besucht die Uni gar nicht mehr.
Ich hab mich mit ihm letztens unterhalten, dann fang er an mir zu erzählen, dass er einen Prophet vom Gott sei

Es gibt Leute, die haben mit der Behauptung Weltreligionen ins Leben gerufen...
Zitat:
Er ist mit Sicherheit psychisch krank geworden.

Man kann das meinen. Eine rechtlich relevante Beurteilung kann nur ein Facharzt abgeben.
Zitat:
Er kifft ständig und wie gesagt trefft sich mit gar keinem mehr.

Es ist sein gutes Recht, niemanden mehr zu treffen. Und solange er beim Besitz von Cannabis im Eigenbedarfs-Bereich bleibt, ist das nicht mal strafrechtlich noch relevant.
Zitat:
Ich hab versucht ihn zu überzeugen, dass er zum Arzt gehen soll aber das hat leider nichts gebracht. Er meinte, er sei nicht krank!

Dann ist da sso.
Zitat:
1) Ich frage mich jetzt, kann man in so einem Fall dem Krankenhaus bzw. der Psychiatrie davon erzählen? (Wenn nein, dann wem sonst?)

Kann man. Aber was soll das bringen?
Zitat:
Ich bin der Meinung, eine Therapie zu machen, wird ihm sicherlich helfen. Wenn er bspw. in einer geschlossenen Psychiatrie untergebracht wird. Zumindest hört er auf zu kiffen und vlt auch mal später was gegen die Halluzination machen.

Der Meinung kann man sein. Aber das ist unerheblich.
Zitat:
2) Darf das Gericht -ohne seinen Willen- ihm in die Psychiatrie unterbringen?

Nur wenn er eine Gefahr für andere darstellt, oder für sich selbst, ohne dies zu erkennen.
Zitat:
Weil er ja von alleine da nicht will.

Muss er auch nicht. Sogar wenn er in der geschlossenen Psychiatrie säße, könnte er übrigens die Behandlung verweigern.
Zitat:

Er ist gar nicht gefährlich wieder für sich selbst noch für die anderen!!

Dann ist das Thema damit durch.
Zitat:
Er hat nie vom Selbstmord erzählt auch nicht, dass er den anderen was antun möchte.

Suizid ist in Deutschland nicht strafbar, und grundsätzlich kann man jemanden auch nicht gegen dessen Willen am Suizid hindern, solange der Betreffende in der Lage ist, die Folgen seines Handelns zu erkennen.

Signatur:Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".
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#2
 Von 
altona01
Status:
Weiser
(16673 Beiträge, 7082x hilfreich)

Bei vielen psychischen Erkrankungen fehlt es den Betroffenen an Einsicht. Für sie ist das, was sie erleben, nunmal die Wirklichkeit. Ohne Selbst- oder Fremdgefährung gibt es keine Möglichkeit, jemanden einzuweisen.
Mein Tipp wäre, dass Sie Kontakt zum sozialpsychiatrischen Dienst aufnehmen und sich dort Tipps holen, wie Sie mit der Situation umgehen können. Ist auch gut, wenn die schon involviert werden, denn bei Erkrankungen wie beschrieben, wird der Erkrankte sich irgendwann auffällig verhalten. So meine Erfahrung.

P.S: Finde es toll, dass Sie sich um den Kumpel sorgen und HIlfe für ihn suchen! :rock:

Signatur:Nur wer sich bewegt, hört seine Ketten rasseln.
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#3
 Von 
altona01
Status:
Weiser
(16673 Beiträge, 7082x hilfreich)

Bei vielen psychischen Erkrankungen fehlt es den Betroffenen an Einsicht. Für sie ist das, was sie erleben, nunmal die Wirklichkeit. Ohne Selbst- oder Fremdgefährung gibt es keine Möglichkeit, jemanden einzuweisen.
Mein Tipp wäre, dass Sie Kontakt zum sozialpsychiatrischen Dienst aufnehmen und sich dort Tipps holen, wie Sie mit der Situation umgehen können. Ist auch gut, wenn die schon involviert werden, denn bei Erkrankungen wie beschrieben, wird der Erkrankte sich irgendwann auffällig verhalten. So meine Erfahrung.

P.S: Finde es toll, dass Sie sich um den Kumpel sorgen und HIlfe für ihn suchen! :rock:

Signatur:Nur wer sich bewegt, hört seine Ketten rasseln.
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#4
 Von 
altona01
Status:
Weiser
(16673 Beiträge, 7082x hilfreich)

doppel

-- Editiert von altona01 am 14.01.2018 10:48

Signatur:Nur wer sich bewegt, hört seine Ketten rasseln.
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#5
 Von 
eh1960
Status:
Lehrling
(1408 Beiträge, 419x hilfreich)

Zitat (von altona01):
Bei vielen psychischen Erkrankungen fehlt es den Betroffenen an Einsicht.

Eine psychische Erkrankung macht den Menschen noch lange nicht geschäftsunfähig. Und die "Einsichtsfähigkeit" bezieht sich nur darauf, daß jemand die Folgen seines Handelns versteht. Nicht auf die Einsicht in bestimmte Wertvorstellungen. Und für einen Propheten Gottes halten sich viele Menschen auf dieser Welt, angefangen mit dem Papst in Rom.
Wenn also z.B. jemand eine lebensnotwendige ärztliche Behandlung ablehnt, dann muss er "nur" verstehen, daß das dazu führen wird, daß er dann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sterben wird. Damit ist die nötige Einsichtsfähigkeit erfüllt.
Zitat:
P.S: Finde es toll, dass Sie sich um den Kumpel sorgen und HIlfe für ihn suchen! :rock:

Ich finde es extrem übergriffig. Und irgendwie verstehe ich gut, daß sich jemand von solchen "Freunden" zurückzieht.

-- Editiert von eh1960 am 15.01.2018 00:56

Signatur:Eine "UG" gibt es nicht. Es gibt nur die "UG haftungsbeschränkt".
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#6
 Von 
PaulBerlin123
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 3x hilfreich)

Vielen Dank an alle für die Erklärung. Es war echt lieb von euch wie ihr mir alles erklärt habt <3

Zitat (von eh1960):

Ich finde es extrem übergriffig. Und irgendwie verstehe ich gut, daß sich jemand von solchen "Freunden" zurückzieht.

Das ist deine Meinung und ich akzeptiere sie total.
Ich studiere selber Medizin (Mein Kumpel übrigens auch) und habe mein Praktikum auf Psychiatrien gemacht und weiß genau wie die Therapien helfen. Ich hab hier danach nur gefragt, weil ich das Thema so in rechtlicher Aspekte sehen möchte.
Meiner Meinung nach ist es nicht übergriffig, dass ich mich um ihn kümmere. Mein Kumpel ist nicht deutsch, ich auch nicht. Wir sind nach Deutschland gezogen zum studieren. Und wenn er sein Ziel nicht weiter macht und niemanden hier hat, weder verwendete noch Bekannte. Dann fühle ich mich für ihn (als guter Freund) verantwortlich. Und übrigens die Leute haben sich zuerst von ihm distanziert. Danach ist er alleine geblieben und hat für sich keine neue gesucht. Er hat momntan nur Kontakt mit mir, weil ich ihn akzeptiere, egal in welche Situation er sich befindet.
Ich habe Bücher gelesen, Videos angeschaut.. etc wie man mit sochlen Fällen umgeht. Ich hab alles mit ihm probiert aber iwie hilft das nicht. Der einzige Weg war für mich, dass ich für ihn eine Therapie suche. Er hat auf mich sehr negativ gewirkt, ich will auch nicht alles pessimistisch sehen wie er tut. Deswegen habe ich an einer Therapie gedacht.
So ein ungerechtes Leben nimmt dir deine beste Freunde weg :(

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#7
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(25966 Beiträge, 10695x hilfreich)

Auf einen Satz gebracht:

Es gibt keine Zwangsbehandlungen in Deutschland (mehr), jeder darf sich ruinieren wie er will.

wirdwerden

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#8
 Von 
guest-12311.06.2018 09:37:31
Status:
Bachelor
(3698 Beiträge, 1285x hilfreich)

Sie sind ein guter Kumpel. Leider kann man rechtlich in diesem Stadium nicht viel machen, aber es ist gut daß Sie alles versuchen, auch wenn es nicht von Erfolg gekrönt sein sollte.

Am besten lassen Sie den Kontakt nicht abreißen und sorgen für Hilfe, wenn er sie dann braucht (was früher oder später wohl der Fall sein wird).

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#9
 Von 
luenni84
Status:
Frischling
(31 Beiträge, 1x hilfreich)

Das ist ja wirklich nicht schön was deinem Freund da passiert. Tut mir sehr leid. Aber ich finde es sehr lobenswert, dass du dir solche Sorgen um ihn machst.
Ich denke allerdings rechtlich kannst du nicht viel für ihn tun. Wenn er sich nicht selbst einweisen lässt bzw. selbst zum Psychologen geht um ein Gutachten seiner Verfassung zu erstellen, kann man ihn nicht dazu zwingen.
Scheinbar hat er ja doch noch einen Freund. Frage ihn doch mal danach wie es ihm geht und vielleicht kann dir ein Psychologe einen Rat geben, was du tun kannst. :)

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