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Wer kann bitte mit Rat helfen?

6.1.2010 Thema abonnieren
Geschlossen Neuer Beitrag
 Von 
Melisande
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 3x hilfreich)
Wer kann bitte mit Rat helfen?

Guten Abend,

mich bedrückt eine Verunsicherung bezüglich des Schicksals meiner Tochter und ich erhoffe mir hier zunächst einmal Tips.

Meine Tochter ist Mitte 20. Seit dem 4. Lebensjahr braucht sie kontinuierlich psychotherapeutische Unterstützung um Einbrüche oder Bedrohungssituationen zu bewältigen. Sie ist seit frühkindlicher Traumatisierung psychisch krank und hat es sehr schwer, sie hat sehr viel Angst und zudem körperliche Beschwerden wie chronische Sehnenentzündungen, Rückenerkrankung, Magen-Darm Probleme, eine Schmerzerkrankung usw, was sie zusätzlich sehr belastet.

Um das Leiden meiner Tochter zu lindern habe ich viel Zeit und auch finanziell viel investiert. Sei es in Physiotherapeuten oder in Sozialpädagoginnen usw, die meine Tochter unterstützten. Meine Tochter konnte so und mit ausbildungsbegleitenden Hilfen einen guten Schulabschluss schaffen und mit viel Unterstützung auch eine Ausbildung erfolgreich abschließen. Dies macht sie sehr stolz und bedeutet für sie Menschenwürde, denn sie möchte so gern in "normalem Umfeld" sein.

Meine Tochter war nicht in der Lage ganztags zu arbeiten und arbeitete so "nur" halbtags in ihrem Ausbildungsberuf, hatte aber in letzter Zeit immer häufiger Einbrüche und fühlte sich z.B. in unklaren Situationen mit Menschen, am Arbeitsplatz oder in stressigen Arbeitssituationen bedroht.

Nach nun mehrwöchiger Arbeitsunfähigkeit stellten wir auf Rat des behandelnden Psychotherapeuten und Arztes einen Antrag auf Teilhabe am Arbeitsleben.
Das Arbeitsamt bat zu einer medizinischen Untersuchung bei einer Fachärztin/medizinischer Dienst (?) Diese Neurologin/Psychiaterin wunderte sich, dass meine Tochter überhaupt eine Ausbildung abschließen konnte, wegen der Schwere der Erkrankung und der Einschränkungen. Sie schrieb im Gutachten auch, dass meine Tochter aus ihrer Sicht nicht ausreichend medizinisch betreut wurde und wird.

Sie riet im Gutachten 1.eine Teilerwerbsunfähigkeitsrente zu beantragen, 2. einen Verschlimmerungsantrag bei einem zuletzt GDB von 30 % zu stellen
und 3. zu einer Teilnahme am Arbeitsleben bei 3-6 Stunden leichter Tätigkeit mit besonderer Anleitung/Unterstützung. Das Arbeitsamt stimmt einer Maßnahme zur Teilhabe am Arbeitsleben zu.

Antrag 1 und 2 haben wir nun gerade gestellt. Auf dem Rentenverlaufsformular steht, dass meine Tochter bei voller Erwerbsunfähigkeit zur Zeit eine Rente von 500 Euro bekäme. Ich weiß nicht, was meine Tochter bekommt, falls sie (was sehr wahrscheinlich ist) teilweise Erwerbsunfähigkeitsrente zugesprochen bekäme. Aber die teilweise Erwerbsminderung wäre sicher eine Absicherung für die Zukunft, was Krankenkassenbeträge beträfe?

Meine Tochter würde trotz ihrer gesundheitlichen Schwierigkeiten am liebsten halbtags in ihrem Betrieb weiterarbeiten, statt eine Teilhabe am Arbeitsleben in Werkstätten mit durchweg psychisch kranken Menschen durchzuführen.

Gibt es einen Anspruch auf Hilfen zum Erhalt den jetzigen Arbeitsplatzes, (wo meine Tochter sich geschätzt fühlt, wenngleich sie nur bestimmte Aufgaben erfüllen kann, die aber gut macht? )

Können wir (mit welchen Möglichkeiten) forcieren, dass z.B. der Arbeitgeber, sofern er einverstanden ist, ihr in Halbtagstätigkeit besondere Anleitung gewährt, von Überstundenforderungen absieht und dafür einen Minderleistungsausgleich bekommt, damit er sich einverstanden erklärt? Ich habe von diesem Minderleistungsausgleich für Arbeitgeber gehört, weiß aber nicht, wer den gewähren muß und wie das beantragtwerden kann.

Diese Lösung wäre aus meiner Sicht und der Sicht meiner Tochter das Ideal.

Haben wir Möglichkeit, Einfluß zu nehmen auf den weiteren Verlauf? Und wie ist es, wenn z.B. ein Bescheid (bzgl GdB oa ) unzufriedenstellend ausfällt und Widerspruch erfordert? Ist das dann kostenpflichtig? Meine Tochter verdient ca 600 Euro netto und kann sich demzufolge keine hohen Anwaltskosten leisten.

Über Tips würde ich mich sehr freuen. Vielen herzlichen Dank.

-

-- Editiert am 07.01.2010 00:14

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2 Antworten
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#1
 Von 
Sunbee 1
Status:
Gelehrter
(10637 Beiträge, 2028x hilfreich)

@Melisande

Du schreibst, deine Tochter arbeitet halbtags, warum sollte das nun zum Problem werden seitens des AG?
Redet mit ihm. Sie wird dort wertgeschätzt, nicht ohne Grund. Auch Arbeitgeber schätzen es, wenn der Arbeitnehmer offen ist und um den Erhalt kämpft.

Ansprechpartner zur Unterstützung ist der Träger der Teilhabe.

Sollte ein höherer GDB abgelehnt werden, geht sie in Widerspruch. Wird der auch negativ beschieden, Klage beim Sozialgericht.

Man kann selbst beim Rechtspfleger des SG Klage einreichen, das ist kostenlos.

Ich rate zur Unterstützung durch einen guten Anwalt, aufgrund der möglichen Nervenaufreiberei mit Klagebegründung, Stellungnahmen der Gegenseite etc.
Ich sehe hier auch möglicherweise (möglicherweise, nicht wie oft und gern behauptet wird als Regelfall) einen Eiertanz mit dem Träger d. Teilhabe, diese haben so ihre Muster und sobald davon abgewichen wird, geraten Sachbearbeiter ins schleudern und versteifen sich auf das bekannte...
. Hier sollte ein guter Anwalt darauf abstellen (Einverständnis des jetzigen AG vorausgesetzt), dass der Mensch individuell gefördert werden muss.

Bei niedrigem Einkommen gibt es Beratungshilfe. Hierfür geht man zum Amtsgericht, sämtliche Unterlagen zu Einnahmen u. Ausgaben, Personalausweis, Kontoauszüge der letzten 3 Monate (vollständig!) und mit dem Beratungshilfeschein geht man zum Anwalt. Dieser darf dann noch 10€ nehmen, viele verzichten auch hierauf.

Solltest du/ ihr keinen guten Anwalt wissen, gebt die Region an, aus der ihr seid, vielleicht hat jemand hier einen Tipp
Sunbee

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"Meine Beiträge stellen lediglich eine persönliche Meinung dar und sind keine Rechtsberatung.
"

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#2
 Von 
Melisande
Status:
Frischling
(6 Beiträge, 3x hilfreich)

Hallo Sunbee,

herzlichen Dank für Deine Zeilen.

Meine Tochter arbeitet halbtags, und Du fragst, warum das nun zum Problem seitens des AG werden sollte:

Die Ärztin, die vom Arbeitsamt eingeschaltet wurde schreibt im Gutachten, dass meine Tochter auf keinen Fall mehr Überstunden machen darf etc, weil das zu neuen Zusammenbrüchen und weiteren Gesundheitsschäden führen würde.

Zudem schreibt sie, dass meine Tochter Unterstützung und besondere Anleitung bei der Arbeit brauche.

Dies bedeutet für den AG Minderleistung seitens meiner Tochter und besonderen Aufwand für ihn- zudem müßten evtl die Kollegen die Minderleistung ausbaden.

Meine Tochter fühlt sich außerstande, das mit dem AG zu besprechen, ohne zu wissen, ob er einen Minderleistungszuschuß für sie erhielte- damit sie ohne Druck im Betrieb arbeiten kann.

Das Arbeitsamt stimmt einer Maßnahme zur Teilhabe am Arbeitsleben zu. Schlägt aber eine Einrichtung vor, für psychisch kranke Menschen. Der behandelnde Psychologe findet das für meine Tochter schlecht. Er stimmt für den Erhalt des Arbeitsplatzes durch Minderleistungszuschuß für den AG.
Leider kann er das nicht entscheiden.

Wir denken , dass ein Minderleistungszuschuß für den AG bei einem Nettoeinkommen von ca 600 Euro sicher auch wirtschaftlich günstiger für den Träger ausfällt, als die Kosten für eine Maßnahme in den Werkstätten.

Meine Tochter und ich möchten unbedingt für die Lösung Erhalt des Arbeitsplatzes durch geeigneten Rahmenvertrag und den Minderleistungszuschuß für den AG kämpfen.

Wir wissen aber nicht, wie wir vorgehen können.

Sollte in einigen Wochen ein Bescheid eingehen, dass der GdB für meine Tochter auf mindestens 50% erhöht wird, dann können wir vielleicht auf Unterstützung und Begleitung durch den Integrationsdienst hoffen.Vielleicht kann er beeinflussen, dass der Erhalt des Arbeitsplatzes Vorrang hat.

Ich fühle mich durch die jahrelange Begleitung meiner Tochter ziemlich gefordert, da mir einfach die Fachkenntnisse und inzwischen auch die finanziellen Mittel fehlen, für meine Tochter die Rahmenbedingungen und die medizinischen Hilfen zu erkämpfen, damit meine Tochter ohne Einbrüche arbeiten und leben kann.

Meine Tochter wünscht sich so so sehr, in der Firma weiterarbeiten zu können, ist aber zu krank, um konkurrenzfähig dort zu arbeiten. Das verzweifelt sie.

Die dringenste Frage lautet: Können wir irgendwie (wie?) forcieren, dass das Arbeitsamt dem Minderleistungszuschuß für den AG den Vorzug gibt, vor der Maßnahme zur Teilhabe am Arbeitsleben in den Werkstätten für psychisch erkrankte Menschen?

Hat meine Tochter überhaupt ein Recht, mitzuentscheiden, welche Lösung für sie und ihre Gesundheit am zuträglichsten ist?

Danke und liebe Grüsse

-- Editiert am 07.01.2010 18:35

-- Editiert am 07.01.2010 18:48

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