WGF AG - Wie geht es für Anleihegläubiger nach dem Insolvenzantrag weiter?

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Bankrecht Rubrik, Insolvenzantrag, WGF, Anleihen, Anleihegläubiger, Immobilien, Überschuldung

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Nach einer Homepage-Veröffentlichung der WGF AG vom 19.12.2012 sind die Medien für die Insolvenz der WGF AG verantwortlich. Dort heißt es:

„Der Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über das Vermögen der WGF AG war erfolgt, nachdem durch einen Reputationsschaden wegen ungerechtfertigter Darstellung der WGF AG in einigen Medien die Kurse von Anleihen der WGF AG abgestürzt waren, somit neue Hypothekenanleihen zur Refinanzierung der strategischen Neuausrichtung an den Märkten nicht mehr zu platzieren waren. Bereits in einer Veröffentlichung vom 11.12.2012 war von WGF auf eine Verantwortung der Medien hingewiesen worden. Es heißt dort:

„Hinzugekommen sei Mitte 2011 durch ungerechtfertigte Mediendarstellungen ein Reputationsschaden, der die durch zwei Banken bereits zugesagte Platzierung  von Genussscheinen zur Stärkung der Eigenkapitalbasis stoppte.“

Wirtschaftsprüfer von WGF spielten nicht mehr mit

So falsch kann die Medienberichterstattung und die Einschätzung der Banken aber nicht gewesen sein. Denn nun liegt die Wahrheit auf dem Tisch in Form des Jahresabschlusses der WGF AG per 31.12.2011. Die Wirtschaftsprüfer der WGF, die Karl Berg GmbH, Düsseldorf, hatten nicht mehr mitgespielt und auf einer Bewertung des Immobilienvermögens auf Grundlage von aktuellen Verkehrswerten bestanden. Dies führt zu Abschreibungen auf Forderungen an verbundenen Unternehmen und auf das Immobilienvermögen. Der Bilanzverlust beträgt € 71 Mio, der nun auf € 68 Mio korrigiert wurde. Der Insolvenzantrag wurde dann noch vor Veröffentlichung der negativen Zahlen am 11.12.2012 beim Amtsgericht Düsseldorf gestellt aufgrund „drohender Zahlungsunfähigkeit“. Das Unternehmen hätte seine laufenden Verbindlichkeiten nicht mehr bedienen können und stand kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Konkret konnte die per 15.12.2012 fällige Unternehmensanleihe WKN WGFH06 nicht zurückgezahlt werden.

Der Insolvenzantrag wurde mit einem Antrag auf Eigenverwaltung verbundenen nach § 270a InsO. Einem solchen Antrag muss das Gericht bereits stattgeben, wenn dem Gericht keine Umstände bekannt sind, die erwarten lassen, dass die Anordnung zu Nachteilen für die Gläubiger führen wird. Bei der Eigenverwaltung wird entgegen dem Regelfall kein Insolvenzverwalter eingesetzt, der zeitnahe das vorhanden Immobilienvermögen veräußert, sondern es wird über einen Sanierungsplan eine Fortführung des Unternehmens versucht. In Bezug auf die Erfolgsaussichten der Sanierung sind die Wirtschaftsprüfer von WGF AG allerdings vorsichtig. Hierzu sagen sie in ihrem eingeschränkten Testat zum Jahresabschluss 2011:

„Der Vorstand geht im Lagebericht 2011 davon aus, dass der Fortbestand des Unternehmens gesichert ist. Im Hinblick auf das beim Amtsgericht Düsseldorf beantragte Insolvenzverfahren (Eigenverwaltung, …) können wir diese Einschätzung nicht abschließend beurteilen.“

Bilanzielle Überschuldung

Aufgrund der Negativentwicklung weist WGF AG per 31.12.2011 ein negatives Eigenkapital von € 65 Mio und damit eine Überschuldung auf, was einer Quote von ca../. 28 % auf die Bilanzsumme entspricht – ein dramatisch schlechter Wert.

Risikoreiches Geschäftsmodell von WGF AG

Um die Entwicklung bei WGF zu verstehen, ist das Geschäftsmodell näher zu beleuchten. WGF ist keine klassische Immobiliengesellschaft, welche ihre Erträge nachhaltig aus Mieterträgen generieren. WGF AG versteht sich als Immobilienhändler, der Immobilien kurzfristig ankaufte um diese nach relativ kurzer Haltedauer wieder abzustoßen.  Noch im Dezember 2011 beschrieb der Vorstand Pino Sergio die WGF Aktivitäten wie folgt:

„Unser Geschäftsmodell ist seit 2003 klar auf den Handel mit Immobilien fokussiert gewesen. Das bedeutet: Einkauf und Verkauf in vergleichsweise kurzer Zeit. Wir sind kein Bestandshalter. Seit Ende 2009 bauen wir zusätzlich den Bereich Projektentwicklung auf, der jetzt zunehmend zum Erfolg der Firma beiträgt. Auch dieser Geschäftsbereich hat vergleichsweise kurze Produktzyklen.“

Die Finanzierung der WGF AG erfolgte nicht über Banken, sondern fast ausschließlich über Hypothekenanleihen, welche überwiegend von Privatanlegern erworben wurden. Die Finanzierung über die Emission von Anleihen hat zuletzt nicht mehr funktioniert – und das zu Recht, wie die nüchternen Zahlen, die die Wirtschaftprüfer per 31.12.2011 ermittelt haben, ausweisen. Die Qualität der Immobilien entspricht nicht den vorangegangenen Bilanzansätzen. Da der Immobilienmarkt grundsätzlich in guter Verfassung ist, besteht der Verdacht, dass Fehlinvestitionen vorliegen. Angesichts einer auf Managementfehler hindeutenden  Situation ist gegenüber dem Wunsch der WGF, in Eigenverwaltung eine Sanierung herbeizuführen, Skepsis angesagt. Die diesbezüglichen Ankündigungen des Vorstands zu einem zu erstellenden Sanierungsplan sind eher verschwommen:

„Die WGF wird sich zunehmend aus dem bisherigen Geschäft, dem Handel mit Immobilien, zurückziehen. Dies soll zum einen durch den schonenden und auf der Zeitachse gestreckten Abverkauf der Bestandsimmobilien erfolgen, den der Insolvenzplan ermöglicht.  Ziel ist es, daraus möglichst hohe Kaufpreise zu erzielen. Zum anderen soll  gleichzeitig die  Projektentwicklung als künftiges Kerngeschäft  weiter ausgebaut werden.“

Unsere Einschätzung:

Insbesondere ist unklar, wie die WGF AG die Projektentwicklung „als künftiges Kerngeschäfts“ weiter ausbauen will. Bei Banken wird eine Bereitschaft, Projektentwicklungen zu finanzieren schon angesichts der Überschuldung nicht bestehen; die Anleihegläubiger werden froh sein, eine realistische Quote auf ihre bestehenden Anleiheinvestitionen zu erhalten und keine neuen Risiken in Form von „fresh money“ eingehen wollen. Mit der Finanzierbarkeit steht und fällt aber die Fortführung bzw. der Ausbau von Projektentwicklungen. Möglicherwiese will man Finanzierungsüberschüsse dadurch erwirtschaften, dass auf die bestehenden Anleihen einfach keine Zinsen mehr gezahlt werden.

Anleihegläubiger müssen in der Insolvenz das sagen haben

WGF AG ist derzeit zu annähernd 80 % durch die überwiegend an Privatanleger ausgegebenen Anleihen finanziert. Das heißt: In der Insolvenz der WGF AG geht es ganz wesentlich um die Interessen der Anleihegläubiger. Diese stehen im Mittelpunkt und deren Interesse muss das weitere Verfahren wesentlich mitbestimmen. Dies ist aber nur möglich, wenn die Inhaber der Anleihen ihre Rechte wahrnehmen und sich in der Insolvenz der WGF AG vertreten lassen.

Unsere Kanzlei vertritt bereits in den Fällen der Praktiker AG und Deikon GmbH jeweils mehrere hundert Anleger von (Hypotheken)-Anleihen und ist auf diese Problematiken spezialisiert.

Offene Fragen aus Sicht der Anleihegläubiger

Es geht für die Anleger, welche in die WGF-Anleihen häufig zum Zwecke der Altersvorsorge investiert haben, um die Beantwortung drängender Fragen:

Habe ich Ansprüche gegen die vermittelnde Bank oder den vermittelnden Finanzberater wegen mangelhafter Aufklärung über die mit der Kapitalanlage verbundenen Risiken?

Ergeben sich Ansprüche aus fehlerhaften Ratings von Anleihen der WGF AG?

Kann die Gesellschaft Ansprüche gegen die verantwortlichen Personen bei WGF AG (Vorstand, Aufsichtsrat) geltend machen,?

Wann und wie sind meine Forderungen im Insolvenzverfahren anzumelden?

Wie wird sichergestellt, dass in der Insolvenzabwicklung die Interessen der Anleihegläubiger angemessen berücksichtigt werden?

Wie hoch werden die Kosten von Beratern in einem Sanierung sein. Ist es nicht besser, einem weiteren Wertverfall der Immobilien durch einen zeitnahen Verkauf zuvor zu kommen?

So kurz nach Beantragung der Insolvenz gibt es noch nicht auf sämtliche Fragen umfassende und endgültige Antworten. Unsere Kanzlei wird die erforderlichen Informationen Stück für Stück zusammentragen und auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse konsequent im Sinne der Anleihegläubiger einsetzen.  Hierbei nutzen wir unsere Kontakte zu weiteren Anwaltskanzleien und Gläubigerschutzgemeinschaften. Wir haben für interessierte Anleger die Interessengemeinschaft

„WGF-Anleihen in Not“

gegründet.

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Quelle: WGF AG – Analyse der Situation nach dem Insolvenzantrag

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