Verhalten auf Skipisten

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Der schwere Skiunfall von Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus ist in aller Munde. Damit in Zusammenhang stehen vor allem das Verhalten auf Skipisten und mögliche Folgen.
Dazu ein Interview des Allgemeinen Anzeigers mit Rechtsanwalt Dr. Junge-Ilges vom 21.01.2009:

Frage:
Welche Verhaltensregeln gelten beim Skifahren?

Patrick J.M. Junge-Ilges
seit 2010 bei
123recht.net
Rechtsanwalt
Mainzerhofstraße 1
99084 Erfurt
Tel: +49 (0)361 / 3 40 28-0
Web: http://www.ra-junge-ilges.de
E-Mail:
Schadensersatzrecht, Wirtschaftsrecht, Medizinrecht, Haftpflichtrecht, Verkehrszivilrecht
Preis: 25 €
Antwortet: ∅ 67 Std. Stunden

Antwort:
Auf allen Skipisten weltweit gelten die sogenannten FIS-Regeln. Sie sind die „Straßenverkehrsordnung“ der Skipisten. Aufgestellt hat sie die Fédération Internationale de Ski, daher die Kurzform FIS, also der Internationale Skiverband. Die FIS-Regeln gelten im Übrigen auch für Snowboardfahrer.

Frage:
Was besagen denn diese FIS-Regeln?

Antwort:
Die FIS-Regeln besagen, dass der Skifahrer oder Snowboardfahrer kontrolliert fahren muss, d. h. angepasst an sein Können, dem Gelände, der Schneebeschaffenheit, den Witterungsverhältnissen und dem Vorhandensein anderer Personen. Die FIS-Regeln konkretisieren dann teilweise diese allgemeinen Vorgaben.

Frage:
Zum Beispiel?

Antwort:
Nehmen wir Ziffer 4 der FIS-Regeln, Überholen: Danach darf immer nur mit einem Abstand, der dem überholten Skifahrer oder Snowboarder für alle seine Bewegungen genügend Raum lässt, überholt werden. Wird hiergegen verstoßen, haftet der Überholende. Oder Ziffer 6 Anhalten: Danach muss es jeder Skifahrer oder Snowboarder vermeiden, sich ohne Not an engen oder unübersichtlichen Stellen einer Abfahrt aufzuhalten. Ein gestürzter Skifahrer oder Snowboarder muss eine solche Stelle so schnell wie möglich frei machen.

Frage:
Welche Ansprüche kann ein Geschädigter geltend machen?

Antwort:
Das kommt auf die Umstände des Einzelfalles an. Zunächst ist an die materiellen Schäden, z. B. beschädigte Ski oder Skikleidung zu denken. Bei Körperschäden kommen Schmerzensgeld, vermehrte Bedürfnisse, z. B. dann, wenn man auf fremde Hilfe angewiesen ist (Kosten einer Pflegekraft) oder Verdienstausfall in Betracht. Daneben kann strafrechtlich ermittelt werden wegen fahrlässiger Körperverletzung oder, wie bei Herrn Althaus, wegen fahrlässiger Tötung.

Frage:
Und wie ist die Rechtslage bei Dieter Althaus zu beurteilen?

Antwort:
Das lässt sich derzeit nicht seriös beurteilen. Ich denke, zunächst sind die Ermittlungen der österreichischen Ermittlungsbehörden abzuwarten. Von erheblicher Bedeutung dürfte die Frage sein, wie es sein konnte, dass Herr Althaus in entgegengesetzter Richtung auf die Piste von der verstorbenen Frau Beata Christandl fahren konnte. Hinsichtlich der Schadenersatzansprüche der Familie der Verstorbenen ist zu klären, welches Recht Anwendung findet. Österreichisches Recht (Tatortprinzip) oder womöglich US-amerikanisches. Sollte Herr Althaus zu Zahlungen verpflichtet werden, dürften diese durch eine private Haftpflichtversicherung abgesichert sein. Dass wiederum Herr Althaus seinerseits Schadenersatzansprüche geltend macht, glaube ich nicht.

RA Dr. Junge-Ilges
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