Rechtsrat bei sexuellem Missbrauch von Jugendlichen

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Strafrecht Rubrik, sexueller Missbrauch, Jugendliche, Schutz, Ausbeutung, Zwangslage, Opfer

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Der Schutz von Jugendlichen vor sexueller Ausbeutung und Ausnutzung einer Zwangslage des Opfers nach § 182 StGB

Einleitung

Der folgende Artikel richtet sich an Beschuldigte wie Opfer von sexuellem Missbrauch an Jugendlichen und soll hierzu leicht verständliche und vor allem aktuelle Informationen zur Gesetzeslage und Rechtsprechung geben.

Sexueller Missbrauch von Jugendlichen

Der Straftatbestand von § 182 StGB soll nicht wie beim Missbrauch von Kindern oder Missbrauch von Schutzbefohlenen jeglichen sexuellen Kontakt mit bestimmten Personen verbieten. Man geht davon aus, dass Jugendliche bzw. Personen dieser Altersgruppe grundsätzlich in der Lage sind, freiverantwortlich über ihr Sexualleben zu bestimmen. Hängt dies jedoch mit dem Ausnutzen einer Zwangslage zusammen, so soll die Norm entsprechenden Schutz bieten.

Der sexuelle Missbrauch von Jugendlichen (Personen zwischen 14 und 18 Jahre) spielt in der Praxis nur eine untergeordnete Rolle. Dies liegt letztlich daran, dass die Anzeigebereitschaft hierzu aufgrund der gemeinhin als durchweg sexuell erfahren geltenden Teenager zwischen 14 und 18 sehr gering ist. Auch das Strafverfolgungsinteresse von Öffentlichkeit und Justiz ist entsprechend schwach ausgeprägt. Des Weiteren bedarf es in den Fällen, dass ein über 21 Jahre alter Täter mit einem unter 16 Jahre alten Jugendlichen sexuell verkehrt eines Strafantrages, sodass die Strafverfolgungsbehörden nur auf entsprechenden Antrag tätig werden.

Strafbar ist,

1. wer eine Person unter achtzehn Jahren in einer Zwangslage ausnutzt und sexuelle Handlungen an ihr vornimmt oder an sich von ihr vornehmen lässt oder diese dazu bestimmt, sexuelle Handlungen an einem Dritten vorzunehmen oder von einem Dritten an sich vornehmen zu lassen.

2. wer als über 18-Jährige(r) eine Person unter achtzehn Jahren ein Entgelt für sexuelle Handlungen anbietet.

3. wer als über 21-Jährige(r), an einer Person unter sechzehn Jahren sexuelle Handlungen vornimmt oder an sich von ihr vornehmen lässt oder diese dazu bestimmt, sexuelle Handlungen an einem Dritten vorzunehmen oder von einem Dritten an sich vornehmen zu lassen und dabei die fehlende Fähigkeit des Opfers zur sexuellen Selbstbestimmung ausnutzt.

  1. Strafbar (mit Freiheitsstrafe bis 5 Jahren) macht sich, wer eine Zwangslage einer Person unter 18 Jahren für sexuelle Handlungen ausnutzt. Erforderlich sind bedrängende Umstände von gravierendem Gewicht, denen mit der Gefahr, dass sich der Jugendliche unter Berücksichtigung seines Alters, sexuellen Übergriffen nicht ohne Weiteres entziehen kann. Nicht ausreichend sind dagegen Überraschungssituationen als solche oder die Neugier auf sexuelle Erfahrungen in der Pubertätsphase.

Beispiele: Drogenabhängigkeit, Obdachlosigkeit, Angst vor der Gewalt des Täters, ferner jugendspezifische Zwangslagen wie die Notsituation von zu Hause fortgelaufener oder aus einem Heim entwichener Jugendlicher, aber auch das Nichtfinden eines Ausbildungsplatzes.

  1. Strafbar (mit Freiheitsstrafe bis 5 Jahren) macht sich auch, wer als über 18-Jährige(r) einer Person unter 18 Jahren ein Entgelt für sexuelle Handlungen anbietet. Das Erfordernis „gegen Entgelt“ umfasst allerdings jeden denkbaren Vermögensvorteil als Gegenleistung. Da es auf die Größe des Vermögensvorteils nicht ankommt, kann dafür auch eine Einladung zum Essen genügen. Immaterielle Vorteile sind aber ausgeschlossen (z.B. wie die Aufnahme in einen Verein). Neben der Zuwendung genügt auch schon die bloße Vereinbarung des Entgelts selbst, wenn der Täter das Versprechen des Entgelts nur zu Täuschung abgegeben hat. Die Gegenleistung muss aber ursächlich für den Sexualkontakt sein. Dabei ist es ausreichend, dass der Jugendliche durch die Aussicht auf das Entgelt zumindest mitmotiviert worden ist. An einem Entgelt fehlt es bei einem Geschenk im Rahmen einer Liebesbeziehung oder bei einer von der sexuellen Handlung völlig abgekoppelten Vermögenszuwendung, die nur der Aufrechterhaltung des persönlichen Kontakts zu dem Jugendlichen dient. Geht die Initiative vom Jugendlichen aus, ist dies hingegen unerheblich.

Beispiele: Sex gegen Geschenke, Geld, Drogen, Reisen etc.

  1. Strafbar (Freiheitsstrafe bis zu 3 Jahren) macht sich ferner, wer Personen unter 16 Jahren, unter Ausnutzung der fehlenden Fähigkeit des Opfers zur sexuellen Selbstbestimmung, missbraucht. Der Täter, der an dem Opfer entweder selbst sexuelle Handlungen vornimmt oder es zu Sexualkontakten mit Dritten bestimmt, muss im Gegensatz zu den anderen Vorschriften über 21 Jahre alt sein (der Dritte dagegen nicht). Das Fehlen der Selbstbestimmungsfähigkeit muss aber in jedem Einzelfall vom Gericht festgestellt werden. Geschützt sind nur Personen unter 16 Jahren, denen z. Zt. der Tat die Fähigkeit zur sexuellen Selbstbestimmung fehlt.

    Sexuelle Selbstbestimmungsfähigkeit bedeutet nichts anderes als die Fähigkeit, Bedeutung und Tragweite eines sexuellen Geschehens zu erfassen und demgemäß die entsprechende Verhaltensentscheidung zu treffen. Die Kriterien für das Fehlen der sexuellen Selbstbestimmungsfähigkeit sind eng zu bestimmen. Daher sollen Sexualkontakte mit Jugendlichen grundsätzlich nur dann strafbar sein, wenn ihre Entscheidungsfreiheit durch Zwang oder materielle Verlockungen beeinträchtigt wird. Die sexuelle Selbstbestimmungsfähigkeit fehlt bei Jugendlichen deshalb erst dann, wenn sie in ihrer intellektuellen oder ihrer Persönlichkeitsentwicklung zurückgeblieben sind. Dadurch besteht gegenüber dem Standard ihrer Altersgruppe ein bedeutender Mangel an Urteilsvermögen oder erhebliche Willensschwäche.

    Maßgeblich kommt es demzufolge auf die Beziehung zwischen dem Täter und dem minderjährigen Opfer, vor allem auf die soziale Rolle des Täters, ein Machtungleichgewicht und die konkreten Umstände der Interaktion an. Neben einem beträchtlichen Altersunterschied soll die Überordnung im sozialen Umfeld „in der Regel“ dafür sprechen, dass das vierzehn- oder fünfzehnjährige Opfer „im Verhältnis zu dieser Person nicht selbstbestimmt agieren konnte. Allerdings wird der sexuelle Missbrauch eines über 21-Jährigen gegenüber einer unter 16 Jährigen in der Regel nur auf Antrag verfolgt, also gerade nicht von Amtswegen.

Vorsatz durch den Täter

Auch beim sexuellen Missbrauch Jugendlicher muss der Täter Vorsatz in Bezug auf das Schutzalter und die sexuelle Handlung haben, das heißt wissentlich und willentlich handeln, zumindest aber sein Handeln billigend in Kauf nehmen. Ferner muss der Täter die psychische Situation des Opfers kennen und es zumindest für möglich halten, die Bereitschaft zu sexuellen Handlungen beruht auf dem Fehlen der sexuellen Selbstbestimmungsfähigkeit.

Strafe für sexuellem Missbrauch von Jugendlichen

Wichtige Strafzumessungsgesichtspunkte sind das Gewicht der sexuellen Handlung und die Folgen des sexuellen Missbrauchs für das jugendliche Opfer. Weiterhin fällt strafschärfend ins Gewicht, wenn der Täter intensiv auf das Opfer eingewirkt oder die Zwangslage sogar selbst geschaffen hat. Darüber hinaus besteht auch die Möglichkeit, von der Strafe gänzlich abzusehen.

Voraussetzung dafür ist, dass das Unrecht der Tat gering ist. Von Strafe kann abgesehen werden, wenn die sexuelle Handlung nur wenig über der Erheblichkeitsschwelle liegt, weil dann das Erfolgsunrecht der Tat gering ist. Geht die Initiative vom Jugendlichen aus, so soll ein Absehen von Strafe nur in Betracht kommen, wenn sich das Alter des Opfers in unmittelbarer Nähe der Schutzaltersgrenze befindet. Ferner soll sich dies auch im Verhalten des Opfers niederschlagen. Dagegen spielt es keine Rolle, dass das Opfer bereits der Prostitution nachgeht, das Gesetz gerade nicht mehr auf seine Unbescholtenheit abstellt. Keinen Gesichtspunkt stellt schließlich die „Echtheit“ der Liebesbeziehung zwischen Täter und Opfer dar, da bei solchen Sexualkontakten bereits die jeweilige Missbrauchsalternative entfällt. Sofern eine derartige Liebesbeziehung ernsthaft in Betracht kommt, scheidet nach dem Grundsatz „in dubio pro reo“ schon der Tatbestand aus.

Weitere aufbereitete Informationen zu den einzelnen Opfergruppen Kinder, Schutzbefohlene und allgemeine Hinweise finden Sie unter den folgenden Links:

Rechtsrat bei sexuellem Missbrauch von Kindern nach § 176 StGB

Rechtsrat bei sexuellem Missbrauch von Schutzbefohlenen

Allgemeiner Rechtsrat bei sexuellem Missbrauch von Kindern, Jugendlichen und Schutzbefohlenen

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