Rechte als Opfer (Geschädigter oder Verletzter) einer Straftat

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1. Strafverteidiger als Zeugenbeistand - Zeugenvernehmung

In nachfolgendem Artikel stellt Strafverteidiger Martin Kämpf aus München die verschiedenen Rechte des Opfers einer Straftat dar.

Der Artikel soll dem Opfer einer Straftat einen Überblick über dessen wichtigsten Rechte gegenüber dem Straftäter/ Schädiger geben, er ist nicht geeignet eine Beratung bei einem Strafverteidiger bzw. im Strafrecht als „Opferanwalt“ tätigen Rechtsanwalt zu ersetzen.

Martin Kämpf
seit 2006 bei
123recht.net
Rechtsanwalt
Fachanwalt für Strafrecht
Pettenkoferstraße 10a
80336 München
Tel: 089/22843355
Web: http://www.kanzlei-kaempf.net
E-Mail:
Jugendstrafrecht, Betäubungsmittelrecht, Strafrecht, Verkehrsstrafrecht
Preis: 95 €
Antwortet: ∅ 7 Std. Stunden

Häufig ist der Verletzte einer Straftat mit der für ihn unerfreulichen und unbekannten Situation überfordert.

Zum einen bewegt sich das Opfer der Straftat auf unbekanntem Gelände, zum anderen belasten den Geschädigten einer Straftat psychische und/ oder physische Verletzungen je nach Art und Schwere der Straftat. Eine zusätzliche Belastung ist das wiederholte Erleben der betroffenen Situation im Rahmen der Strafverfolgung, sei es als Zeuge im Ermittlungsverfahren/ Strafverfahren oder als Nebenkläger.

Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber den Opfern von Straftaten diverse Möglichkeiten an die Hand gegeben, um deren Rechte zu wahren.

Sowohl bei der Zeugenvernehmung im Ermittlungsverfahren durch die Polizei als auch bei der späteren Vernehmung des Opfers der Straftat als Zeuge im Strafverfahren durch Richter oder Staatsanwalt darf sich der Geschädigte einer Straftat durch einen Strafverteidiger bzw. im Strafrecht tätigen Rechtsanwalt begleiten lassen.

123recht.net Tipp:

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Über Ihren Rechtsanwalt können Sie auch Akteneinsicht in die Ermittlungsakte nehmen. Das Akteneinsichtsgesuch bedarf einer Begründung (anders bei Nebenklagedelikten - siehe Punkt 2.).

2. Opferanwalt als Nebenklägervertreter - Nebenklage

Weitergehende Rechte haben die Opfer bestimmter in der StPO (Strafprozessordnung) katalogisierter Delikte/ Verbrechen. Bei diesen Delikten/ Verbrechen darf der Geschädigte der Straftat sich der Anklage als Nebenkläger anschließen.

  1. Berechtigung zur Nebenklage

    Die betroffenen Delikte/ Verbrechen sind in § 395 StPO aufgezählt, es handelt sich hierbei insbesondere um Straftaten gegen

    • die sexuelle Selbstbestimmung (z.B. Vergewaltigung, sexueller Missbrauch)
    • die persönliche Ehre (z.B. Beleidigung, Verleumdung)
    • das Leben und die körperliche Unversehrtheit ( z.B. Körperverletzung, gefährliche Körperverletzung, Misshandlung von Schutzbefohlenen, schwere Körperverletzung)
    • die persönliche Freiheit (z.B. Menschenhandel, Menschenraub, Verschleppung, Freiheitsberaubung, erpresserischer Menschenraub, Geiselnahme)
    • das Leben des Nebenklägers selbst (z.B. versuchter Totschlag, versuchter Mord) oder das Leben eines nahen Angehörigen des Nebenklägers - Eltern, Kind, Geschwister oder Ehegatte - (z.B. Mord, Totschlag, fahrlässige Tötung, Körperverletzung mit Todesfolge)

  2. Rechte des Nebenklägers

    Dem Nebenkläger stehen neben dem bereits erwähnten Recht auf Akteneinsicht - im Falle einer „Nebenklage- Straftat“ ist nach § 395 StPO keine Darlegung des berechtigten Interesses (Begründung) nötig - verschiedene weitere Rechte im Strafverfahren zu:

    • Anwesenheitsrecht in der Hauptverhandlung, selbst wenn der Nebenkläger Zeuge ist
    • Beistand bzw. Vertretung durch einen Rechtsanwalt/ Strafverteidiger, diese Möglichkeit besteht bereits im Ermittlungsverfahren
    • Fragerecht in der Hauptverhandlung; der Nebenkläger oder dessen Strafverteidiger darf wie das Gericht, die Staatsanwaltschaft, der Angeklagte und dessen Strafverteidiger eigene Fragen stellen.
    • Beweisantragsrecht; der Nebenkläger kann einen eigenen Beweisantrag auf Vernehmung eines Zeugen oder Sachverständigen, Inaugenscheinnahme oder Verlesung einer Urkunde stellen
    • Beanstandungen von Anordnungen des Vorsitzenden und Fragen von Prozessbeteiligten
    • Abgabe von Erklärungen und eines Schussvortrages

  3. Kosten der Nebenklage

    Die notwendigen Auslagen des Nebenklägers - Kosten der Inanspruchnahme eines Strafverteidigers, Reisekosten u.a. - hat gemäß § 472 Absatz 1 Satz 1 StPO der Verurteilte zu tragen, wenn die Verurteilung wegen einer Tat erfolgte, die den Nebenkläger betraf.

    Es ist nicht erforderlich, dass der Angeklagte wegen des angeklagten, nebenklagefähigen Delikts verurteilt wird. Vielmehr ist ausreichend, wenn die Verurteilung auf Grund einer Tat erfolgte, welche den gleichen Tatkomplex betraf, aus dem auch die Berechtigung zur Nebenklage resultierte, und diese sich gegen den Nebenkläger richtete.

    Bei Freispruch oder Nichteröffnung des Hauptverfahrens hat der Nebenkläger seine Kosten selbst zu tragen. Dies gilt auch, wenn das Verfahren bereits vor Eröffnung des Hauptverfahrens durch die Staatsanwaltschaft eingestellt wird.

    Im Falle einer Einstellung des Verfahrens durch das Gericht gemäß §§ 153,154 ff StPO trägt der Nebenkläger seine Kosten ebenfalls selbst. Etwas anderes gilt lediglich im Falle einer Einstellung nach § 153 a StPO.

    Bitte beachten Sie, dass hinsichtlich aller genannten Varianten der Kostenentscheidung eine abweichende Billigkeitsentscheidung möglich ist. Im Übrigen kommt für Nebenkläger, welche besonders schutzwürdig im Sinne des § 397 a Absatz 1 StPO sind, die Möglichkeit der Prozesskostenhilfe in Betracht.

    Das bedeutet, dass in diesem Falle die Bestellung des Anwaltes/ Strafverteidigers auf Kosten des Staates erfolgt. Eine Überprüfung des Vorliegens der weiteren Voraussetzungen für die Gewährung der Prozesskostenhilfe entfällt bei diesen Delikten.

    Diese Möglichkeit der Prozesskostenhilfe des Nebenklägers im Strafverfahren besteht unter anderem bei verschiedenen Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung (z.B. Vergewaltigung, sexueller Missbrauch), gegen das Leben (z.B. versuchter Totschlag, versuchter Mord) oder das Leben eines nahen Angehörigen (z.B. Mord, Totschlag, fahrlässige Tötung, Körperverletzung mit Todesfolge) und unter bestimmten Voraussetzungen bei den verschiedenen Delikten des Menschenhandels.

3. Opferanwalt als Beistand im Adhäsionsverfahren (Schadensersatz/ Schmerzensgeld)

Das Adhäsionsverfahren dient dem Verletzten einer Straftat zur Durchsetzung seiner Rechte auf zivilrechtlichen Schadensersatz (z.B. Schmerzensgeld) gegen den Täter im Strafverfahren.

  1. Rechte des Antragstellers

    Dem Opfer einer Straftat stehen im Rahmen des Strafverfahrens während der Hauptverhandlung verschiedene Rechte zu:

    • Anwesenheitsrecht während der gesamten Hauptverhandlung; auch im Falle der späteren Zeugenvernehmung des durch die Straftat Verletzten/ Opfers der Straftat
    • Beweisantragsrecht; soweit die Beweismittel im Zusammenhang mit dem Adhäsionsantrag stehen
    • Fragerecht gegenüber dem Angeklagten, Zeugen und Sachverständigen
    • Schlussvortrag
  2. Kosten des Adhäsionsverfahren

    Die Kosten des Adhäsionsverfahren richten sich nach § 472 a StPO. Danach hat der Angeklagte bzw. Verurteilte bei vollem Erfolg des Adhäsionsantrags die hierdurch entstandenen besonderen Kosten und die notwendigen Auslagen des Antragsstellers, also des Verletzten der Straftat, zu tragen.

    Daneben ist auch die Gewährung von Prozesskostenhilfe möglich. Die Entscheidung über die Bewilligung von Prozesskostenhilfe richtet sich nach den Vorschriften der ZPO (Zivilprozessordnung). Voraussetzung ist unter anderem, dass das Opfer der Straftat über ein geringes Einkommen verfügt.

4. Täter-Opfer-Ausgleich (TOA)

Im Rahmen eines Täter-Opfer-Ausgleichs kann zwischen Täter und Opfer einer Straftat die Zahlung eines Schmerzensgeldes oder Schadensersatzes zur Wiedergutmachung der durch die Straftat entstandenen Schäden/ Verletzungen vereinbart werden.

5. Strafverteidiger als Privatklagevertreter - Privatklage

Im Falle so genannter Privatklagedelikte tritt der Verletzte oder andere Strafantragsberechtigte an die Stelle der Staatsanwaltschaft.

Die Delikte, welche zur Privatklage berechtigen, sind in § 374 I StPO abschließend aufgezählt. Es handelt sich hierbei um leichtere Vergehen, an deren Verfolgung der Staat ein geringeres Interesse hat, da die Allgemeinheit lediglich leicht tangiert ist.

Danach sind unter anderem die Opfer bzw. Verletzten eines/-r

  • Hausfriedensbruchs
  • Beleidigung
  • Verletzung des Briefgeheimnisses
  • Körperverletzung
  • Bedrohung
  • Bestechlichkeit oder Bestechung im geschäftlichen Verkehr
  • Sachbeschädigungen
  • Vollrausch, wenn die im Rausch begangene Tat ein in § 374 Absatz 1 Nr. 1 bis 6 StGB begangenes Vergehen ist
  • Straftat nach § 16 des 19 des UWG (Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb)

antragsberechtigt.

Tipp für das Opfer einer Straftat: Um eine optimale Wahrnehmung Ihrer Rechte im Strafverfahren zu gewährleisten, wird es sich regelmäßig dringend empfehlen, einen im Strafrecht tätigen Rechtsanwalt/ Strafverteidiger/ Opferanwalt mit Ihrer Vertretung zu beauftragen.

Dies ist insbesondere deshalb ratsam, weil der Laie zum einen mit der Förmlichkeit des Strafverfahrens überfordert sein.

Ihr Anwalt wird Ihnen auch Auskunft über die zu erwartenden Kosten geben können. In geeigneten Fällen stehen Ihnen diesbezüglich auch Opferverbände (z.B. „Weißer Ring“) sowie der Staat zur Seite.


Martin Kämpf
Rechtsanwalt

Fon 089/ 22843355
Fax 089/ 22843356

info@kanzlei-kaempf.net
Rechtsanwalt Kämpf - Strafverteidiger in München

Rechtsanwalt & Strafverteidiger Martin Kämpf
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