Papst Benedikt erwirkt Beschluss gegen Satiremagazin Titanic

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Das Satire-Magazin Titanic ist bekannt dafür, dass es sich immer wieder Ärger mit Mächtigen einhandelt. Diesmal haben sich die Macher sogar mit dem Papst persönlich angelegt.

Die Aufregung war groß: Die Aussage „Die undichte Stelle ist gefunden!“ wird auf dem Titel der Titanic mit einem Bild des Papstes illustriert, dessen Soutane im Schritt quittegelb verfärbt ist. Auf der Rückseite des Umschlags ist der Ärmste von hinten zu sehen und zwar mit einer braunen Verfärbung seines Gewandes in der Gesäßgegend und dem Statement „Noch eine undichte Stelle gefunden!“. Die Bischofskonferenz ist entsetzt und stellt fest: "Titelbild und Rückseite der aktuellen Titanic-Ausgabe sind rechtswidrig. Sie verletzen den Heiligen Vater in seinen Persönlichkeitsrechten. Titanic überschreitet jedes Maß an Zumutbarem."

Die Anwälte der katholischen Kirche haben schnell reagiert und das Titelbild noch vor der Auslieferung per einstweiliger Anordnung des Landgerichtes Hamburg verbieten lassen. Sollten die Herausgeber die Nummer des Blattes dennoch mit dem verbotenen Umschlag verkaufen, wird es wohl teuer werden: Bis zu 250.000 Euro Ordnungsgeld drohen dann.

Schützenhilfe vom Journalistenverband

Der Deutsche Journalistenverband hat die gerichtliche Anordnung als überzogen bezeichnet: „Auch der Papst muss sich Satire gefallen lassen", so der DJV-Bundesvorsitzende Michael Konken, der darüber hinaus feststellte, dass es durchaus legitim sei, den Heiligen Vater als Sinnbild für die „Vatileaks“-Affäre  zu verwenden.

Das Satiremagazin aus Frankfurt hat auf jeden Fall das monierte Titelbild gestoppt. Damit befolgte der Chefredakteur des Blattes, Leo Fischer, die einstweilige Anordnung. Möglicherweise will er die Nummer ohne das Titelbild ausliefern.

Unter die Leute gekommen ist das Bild aber dennoch. Es wurde bereits auf verschiedenen Websites wiedergegeben, von wo es mittlerweile aber wieder entfernt wurde. Findige Google-User können es mit der Bildersuche mit etwas Glück trotzdem bisher noch sichtbar machen, da es offenbar noch auf manchen Servern liegt: Wenn man sich die mit dem Bild in der Ergebnisliste verlinkte Google-Fundstellen-Seite anzeigen lässt und im rechten Frame auf „Bild in Vollgröße“ klickt, wird das Bild immer noch dargestellt, sofern es zwar aus der zugehörigen HTML-Seite, nicht jedoch vom Server entfernt wurde.

Auf dem Blog Infodocc wird nun berichtet, dass die Titanic Widerspruch gegen den Erlass der Verfügung eingelegt habe.

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