Meinungsfreiheit: Finden, Vergleichen, Schnäppchen machen - Grenzen negativer Arztbewertung im Internet

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Früher war der Einkauf im Web zumeist eine nüchterne Sache.

Das blieb jedoch nicht lange so, da alsbald Portale wie  eBay und Ciao.de  schnell begriffen haben, dass Kundenbewertungen sinnvoll scheinen.

Später wurden Portale geschaffen, in denen Bewertungen zu der Arbeit von Lehrern ( Spickmich ), Professoren ( MeinProf ) und auch zu Arbeitgebern abgegeben werden können. Es gibt zwischenzeitlich auch schon  Portale, die darauf ausgerichtet sind, Bewertungen zu Arzt-Praxen aufzunehmen:

Michael Kohberger
seit 2006 bei
123recht.net
Rechtsanwalt
Austr. 9 1/2
89407 Dillingen a. d. Donau
Tel: 09071/2658
Web: www.rechthilfreich.de
E-Mail:
Arbeitsrecht (Arbeiter und Angestellte), Mietrecht, Straßenverkehrsrecht, Strafrecht, Internet und Computerrecht

Noch mehr Möglichkeiten entstehen, wenn Kartendienste und Bewertungsportale zusammengeführt werden. Beispielsweise kann man sich zwischenzeitlich auf Google, meinestadt.de oder auf Qype Ausschnitte von Stadtplänen anzeigen lassen und kann zu sämtlichen Einrichtungen, die im betreffenden Stadtgebiet eine Rolle spielen, Bewertungen abgeben.

Seriöse Seiten werden für  von den Nutzern für Nutzer abgegebene Bewertungen in ihren AGB  meist  Regelungen treffen, dass

  •     Bewertungen der Wirklichkeit entsprechen;
  •     Bewertungen  sachlich und genau sind;
  •     negative Bewertungen zwar erlaubt sind, diese jedoch sachlich geäußert werden;
  •     keine abwertenden Tags genutzt werden und
  •     Gerüchte durch Hörensagen nicht unzulässig sind.

Zusammenfassung und Ausblick vom Anwalt

Durch die im  Internet eingeführten Bewertungssysteme wird zwar zu Recht eine Art Selbsthilfe der Verbraucher erzeugt. Oben genannte Kriterien sollten dabei von den Nutzern jedoch beachtet werden.

So hat das Landgericht Nürnberg-Fürth jüngst den Betreiber eines Bewertungsportals dazu verurteilt (Urteil vom 08.05.2012, Az. 11 O 2608/12), die Veröffentlichung einer negativen Bewertung eines Zahnarztes zu unterlassen.

Ein Nutzer hatte im besagten Fall die Bewertung seiner zahnärztlichen Implantat Behandlung anonym in ein Forum gepostet und darin zum Ausdruck gebracht, dass der Arzt ein fachlich inkompetenter Zahnarzt sei, der vorrangig eigene wirtschaftliche Interessen verfolge und hierbei das Interesse seiner Patienten an einer dem medizinischen Standard entsprechenden Behandlung außer Acht lasse.

Mit der Bewertung war der Zahnarzt  nicht einverstanden.

Nach der Entscheidung des  Landgerichts wäre der Betreiber des Bewertungsportals nach der "hinreichend konkreten Beanstandung " durch den betroffenen Zahnarzt verpflichtet gewesen, den Sachverhalt sorgfältiger zu prüfen.

Insbesondere hätte sich der Portalbetreiber nach Meinung der Nürnberger Richter von dem Negativ Bewerter einen Nachweis dafür vorlegen lassen müssen, dass die zahnärztliche Behandlung überhaupt stattgefunden hat.

Anwaltskanzlei Kohberger
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Leserkommentare
von Rechtsanwalt Michael Kohberger am 21.07.2012 18:22:44# 1
Sollte eigentlich heißen: "Seriöse Seiten werden für von den Nutzern für Nutzer abgegebene Bewertungen in ihren AGB meist Regelungen treffen, dass Gerüchte durch Hörensagen unzulässig sind." Ich bitte den Schreibfehler im Beitrag zu entschuldigen.
    
von PESATO am 26.07.2012 17:23:55# 2
Positive, Negative Bewertung! Ich kenne absolut keinen Arzt (obwohl ich Persönlich seit 2005 Chronisch Krank bin und bei über 10 Ärzten in Behandlung bin) oder Internet Betreiber der nur das wohl seines Patienten oder Kunden im Auge hat. Sondern es zählt nur noch der Profit im allgemeinen und nicht wie beim Arzt es sein sollte zum wohle des Patienten, den das war vielleicht einmal vor langer Zeit. Auch muss man sagen, wenn man mit seinen richtigen Namen irgend einen Arzt öffentlich und wahrheitsgemäß an den Pranger stellt, dann brauch ich wohl kaum zu einem anderen in der Region (im Umkreis von 30Km)zu gehen. So sieht es wahrheitsgemäß aus in Deutschland!!!!!
    
von CONDOR_X am 27.07.2012 23:37:39# 3
Die Meinung von PESATO vermag ich nicht so vollumfassend bestätigen. Ein Arzt, der eher nicht seriös arbeitet, muss sich allerdings vor Kritik fürchten, ein sorgfältig und korrekt arbeitender Arz hingegen nicht. Aus eigener zahnärztlicher Erfahrung kann ich zudem feststellen, dass zwar der beanstandeswerte Zahnarzt gar nicht mehr gut auf mich zu sprechen war, ebenso wie ich auf ihn. Aber deswegen und obwohl ich natürlich die Sacherhalte bei meinem eigenen Zahnarzt, der jenen als Urlaubsvertreter aufgelistet hatte, angesprochen habe, habe ich dadurch keiner negativere Behandlung erfahren. Ganz im Ggenteil. Und: bei Arzt- oder KH-Bewertungen im Besonderen neige ich durchaus dazu, dies unter meinem Realnamen zu tun, soviel Charakter sollte wohl sein.
    
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