Konkurrenz belebt das Geschäft – auch unter Ärzten

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- Krankenkassen gehen neue Wege in der Patientenversorgung -

Für viele niedergelassene Ärzte sind Medizinische Versorgungszentren immer noch ein rotes Tuch. Es gilt, die ambulante Versorgung vor zusätzlicher Konkurrenz durch Krankenhäuser und finanzstarke Gesellschaften abzuschirmen. Selbstverständlich nur zum Wohle des Patienten. Schnell werden Szenarien von Großeinrichtungen heraufbeschworen, bei denen der Patient nur noch ein anonymer Behandlungsfall ist, der von unterschiedlichen Ärzten versorgt wird.

Medizinische Versorgungszentren sind seit 2004 zugelassen. Ihnen müssen mindestens zwei Ärzte unterschiedlicher Fachrichtungen angehören. Derzeit gibt es in Deutschland ca. 670 solcher Zentren.

Jetzt machen die Krankenkassen den niedergelassenen Ärzten zusätzliche Konkurrenz. Die Kassen können direkt Verträge mit einzelnen Leistungserbringern schließen und so unmittelbar auf die Versorgungsstrukturen in einer Region einwirken. In einem Modellprojekt hat die Techniker Krankenkasse im Rahmen der Gründung des Medizinischen Versorgungszentrums AtrioMed in Köln hiervon gebrauch gemacht. Das MVZ steht zwar den Versicherten aller Kassen offen, jedoch genießen die Versicherten der Techniker Krankenkasse besondere Privilegien: Sie erhalten innerhalb von fünf Werktagen einen Termin und müssen nur mit kurzen Wartezeiten rechnen. Im Wartezimmer stehen ihnen Snacks und Getränke zur Verfügung. Dauerhaftes Ziel ist es, möglichst viele Patienten der Techniker Krankenkasse in diesem MVZ zu behandeln.

In Zukunft werden weitere Krankenkassen dieses Modell umsetzten. Die Krankenkassen profitieren gleich doppelt: Sie können durch zusätzliche Leistungen und Annehmlichkeiten bestehende Mitglieder binden sowie neue Mitglieder werben. Gleichzeitig bieten sich ihnen Potentiale, um Kosten zu sparen. Ein größeres MVZ wird so schnell zum Aushängeschild der Krankenkasse innerhalb einer Stadt.

Einsparpotentiale liegen vor allem in der Möglichkeit einer elektronischen Patientenakte auf die alle Ärzte des MVZs Zugriff haben. Der jeweilige Behandler ist über die bisherige Krankengeschichte und die durchgeführten Untersuchungen genauestens informiert. Unnötige Kosten durch Doppeluntersuchungen werden so vermieden. Hiervon profitiert auch der Patient. Seine Behandlungszeit im MVZ wird verkürzt und er findet unter einem Dach alle Ärzte, die er für die Behandlung seiner Erkrankung benötigt.

Die Ansprüche des Patienten an seine Behandlung sind in der Vergangenheit stark gestiegen. Der Patient möchte die bestmögliche medizinische Versorgung erhalten und dabei auf Annehmlichkeiten nicht verzichten. Hierzu gehören banal anmutende Dinge wie eine ansprechende Umgebung, zentrale Lage und Parkmöglichkeiten aber natürlich auch eine geringe Wartezeit und kompetente Ärzte, die ihn behandeln.

Wie in allen Bereichen des wirtschaftlichen Lebens wird sich auch im medizinischen Sektor zeigen, dass Konkurrenz das Geschäft belebt. Auch die niedergelassenen Ärzte werden nicht umhin kommen, sich dieser Konkurrenz mit innovativen Konzepten entgegenzustellen. Bloßes Wehklagen wird nicht reichen.

Rechtsanwalt Torben Hoffmann
Arzt- und Medizinrecht

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