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Inkasso nach anscheinender Einigung

3.1.2018 Thema abonnieren Zum Thema: Inkasso
 Von 
shAd09
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)
Inkasso nach anscheinender Einigung

Hallo,

folgendes hat sich ereignet. Aufgrund von eigenem Verschulden hat sich eine Zahlung in Höhe von ca. 100€ angesammelt (mit Inkassokosten ~230€ ) . Es wurde ein Inkasso-Unternehmen beauftragt die Summe einzutreiben.

Ich habe das ganze bis zum Vollstreckungsbescheid laufen lassen. Erst dann habe ich Kontakt zum Gläubiger aufgenommen und um einen Vergleich gebeten. Ich habe dann für mich die etwas seltsame Antwort erhalten:

Zitat:
vielen Dank für Ihre Nachricht. Nach Absprache mit meinem Vorgesetzten ist es uns nicht möglich, Ihnen ein Vergleichsangebot zuzuschicken. Wir würden Ihnen gerne anbieten, dass Sie uns 100€ überweisen und wir dann die Forderungen auf "bezahlt" setzen.

ich habe dann noch genauer nachgefragt:

Zitat:
würden Sie dann auch den Mahnbescheid stoppen, der gerade läuft? Also wären dann alle offenen Forderungen gegen mich erledigt?

Die 100€ wären möglich.

die Antwort war daraufhin:

Zitat:
hiermit bestätige ich Ihnen, dass sobald wir die Zahlung über 100 Euro erhalten haben. wir alle Inkasso Vorgänge stoppen werden.

ich habe dann nochmals nachgefragt:

Zitat:
Sind in den 100€ wirklich alle Kosten enthalten? D.h. sind dann alle Ansprüche Ihrerseits gegen mich erledigt?

Eine halbe Stunde später habe ich eine Rechnung über 100€ mit dem Infotext erhalten:

Zitat:
Sobald diese beglichen ist, werden wir alle weitere Inkasso Verfahren stoppen.

habe die 100€ dann überwiesen und bescheid gegeben und das hier erhalten:

Zitat:
wenn sie mir den Überweisungs-Beleg als Beweis zusenden können, würde ich den Vollstreckungsbescheid heute noch stornieren lassen.

habe dann (sofort, 5 Minuten später) ein Bild meines Kontoauszuges mit der Überweisung zugeschickt, mit der Frage ob sich jetzt alle Forderungen erledigt haben, und das hier als Antwort erhalten:

Zitat:
Ich kann Ihnen heute Abend schlecht weiterhelfen.

Wir werden uns Morgen, im Laufe des Tages mit Inkasso im Verbindung setzen.

daraufhin war ich wieder verwirrt und habe nochmal nachgefragt:

Zitat:
1. Alle Inkasso Vorgänge sind mit der Zahlung von 100€ erledigt
und
2. Wenn ich einen Nachweis erbringe (was ich nach einigen Minuten gemacht habe), dann wird der Vorgang noch an diesem Abend gestoppt.

die Überweisung sofort durchgeführt und den Nachweis erbracht.

Jetzt bin ich nach der letzten Antwort doch etwas verunsichert.

Wird der Vollstreckungsbescheid von Ihnen nun zurückgezogen? Oder muss ich selbigen widersprechen (als Begründung Ihre schriftliche Aussage über Erledigung, nach Zahlung von 100€ )?

daraufhin habe ich diese Antwort erhalten:

Zitat:
mein Vorgesetzten hat sich bereits mit Inkasso in Verbindung gesetzt.
Alle Forderungen werden fallen gelassen.

Jetzt 3 Wochen später, habe ich Post vom Inkassobüro erhalten, das noch die komplette Restsumme als Verzugsschäden einfordert.
Ich habe erneut direkt mit dem Gläubiger Kontakt aufgenommen, und auch den Mailverkehr vorgelegt. Aber der Gläubiger meint:

Zitat:
wie im Mailverlauf erkennbar , haben wir ihnen die Zusage gegeben den Gerichtlichen Weg mit Zahlung von 100€ ihrerseits einzustellen. So ist es auch geschehen. Davon unberührt sind die Kosten die bei unserem Inkassopartner angefallen sind und die sie auch direkt bei diesem zu zahlen haben.

Ich rate ihnen, sich direkt mit XXXXX-Inkasso in Verbindung zu setzen um die dort angefallenden Kosten zu besprechen.

Anscheinend ist der Vollstreckungsbescheid zurückgezogen und das Inkassobüro beginnt quasi von neuem. Ich wäre euch sehr dankbar wenn ihr die Situation einschätzen könntet.

Vielen Dank.

Viele Grüße


-- Editiert von shAd09 am 03.01.2018 13:35

-- Editiert von shAd09 am 03.01.2018 13:37

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Nicht genau ihre Frage? Wir haben 3539 weitere Fragen zum Thema
Inkasso


10 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Ex Inkassomitarbeiter
Status:
Praktikant
(880 Beiträge, 243x hilfreich)

Wer hat den MB/VB beantragt? Wohin hätte die Zahlung erfolgen müssen lt MB/VB?
Einen VB kann man nicht stornieren sondern der bleibt bis zur Zahlung bestehen und kann vollstreckt werden.
Wann wurde der VB zugestellt und welche Kosten werden berechnet?

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#2
 Von 
shAd09
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

MB/VB: vom Inkassobüro "in Auftrag von Gläubigername" . am 6.12 kam der VB. Auf dem VB sind genau diese ~230€ aufgeführt.

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#3
 Von 
Sir Berry
Status:
Master
(4164 Beiträge, 1073x hilfreich)

Schon Mitte des Textes, ohne die letzte Antwort des Gläubigers zu lesen, war klar, worauf das hinausläuft.

Du schuldest dem Gläubiger 100 € (die Hauptforderung). Er hat Dir erklärt, dass die Sache für ihn erledigt sei, sobald Du diese gezahlt hast.

Historie:
Nach Übernahme des Falls durch ein Inkasso-Unternehmen wechselte Dein Ansprechpartner.
Du hättest Dich sinnvollerweise an das InkassoU wenden sollen.
Dann wärst Du bei gleichlautender Zusage von denen und Zahlung aus der Sache endgültig raus.

Jetzt hast Du zwar die Hauptforderung beglichen, aber die Inkassokosten beim anderen Schuldner sind noch offen.
Und da es einen vermutlich nicht mehr angreifbaren Vollstreckungsbescheid gibt, hat das InkassoU jetzt alle Trümpfe in der Hand.
Aus Deiner Zahlung schließen die vermutlich, dass Du auch in der Lage bist zu zahlen.

Man kann keinen Vollstreckungsbescheid zurückziehen. Bei vollständiger Zahlung wird er ausgehändigt, bei Teilzahlung wird in Höhe des Zahlungsbetrages die Erledigung erklärt. Genau das ist wie du oben schreibst, passiert. Der Teilbetrag von 100 e aus dem Titel über gesammt 2xx € wird nicht mehr vollstreckt.


Ich würde daher davon ausgehen, dass über kurz oder lang der GV bei Dir vorstellig wird.
Dadurch werden weitere (Vollstreckungs-)Kosten generiert, die sich möglicherweise noch vermeiden lassen, wenn Du nun auch noch eine Vereinbarung mit dem Inkasso triffst.
Auf eine Summenreduzierung würde ich dabei allerdings nicht spekulieren.

Berry

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#4
 Von 
shAd09
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat (von Sir Berry):
Schon Mitte des Textes, ohne die letzte Antwort des Gläubigers zu lesen, war klar, worauf das hinausläuft.

Du schuldest dem Gläubiger 100 € (die Hauptforderung). Er hat Dir erklärt, dass die Sache für ihn erledigt sei, sobald Du diese gezahlt hast.

danke für deine ausführliche Antwort.

Wobei ich mich wirklich frage wieso der Gläubiger mir mehrfach mitteilen kann das alle "Inkasso-Vorgänge" gestoppt werden, sowie das "ALLE Forderungen" fallen gelassen werden.. Das entspricht dann ja nicht annähernd der Wahrheit.

Gut dann sollte ich den Rest noch bezahlen....

Finde hat aber sehr nen Geschmäckle... Komme mir bisschen verarscht vor. Nach dem Motto wir sagen ihm was er hören will, damit er irgendwas zahlt, und gleichzeitig bin ich noch beschäftigt und denke das der VB zurückgezogen wurde und lege auch keinen Widerspruch ein.

Zitat:

mein Vorgesetzten hat sich bereits mit Inkasso in Verbindung gesetzt.
Alle Forderungen werden fallen gelassen.


danke und viele Grüße



-- Editiert von shAd09 am 03.01.2018 15:13

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#5
 Von 
Ex Inkassomitarbeiter
Status:
Praktikant
(880 Beiträge, 243x hilfreich)

Wie verarscht muss sich der Gläubiger vorkommen wenn der Schuldner erst monatelang gar nicht zahlt und dann noch nicht einmal lesen kann.
Du hättest dich an den Gläubigervertreter wenden müssen. Für einen Einspruch gegen den VB ist es viel zu spät.
Insofern teile dem IB mit dass 100 euro am xx.xx.2017 bezahlt wurde und die Restzahlung am xx.xx.2018 erfolgt. Wenn du Pech hast ist der GV bereits und seine Kosten auch noch offen. Zur Info ... Eine Ratenzahlung zieht eine Einigungsgebühr nach sich und mit einem Zahlungsaufschub muss der Gläubiger nicht einverstanden sein.

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#6
 Von 
mepeisen
Status:
Legende
(18467 Beiträge, 12126x hilfreich)

Nun mal langsam.

Der Gläubiger ist und bleibt Herr des Verfahrens. Wenn er den Fall für erledigt erklärt, ist er erledigt. Es ist dann erst mal vollkommen egal, was das Inkasso will. Es hat sich gefälligst mit dem Gläubiger zu einigen und ansonsten ganz kleine Brötchen gegenüber dem Schuldner zu backen.

Zitat:
Wie verarscht muss sich der Gläubiger vorkommen wenn der Schuldner erst monatelang gar nicht zahlt und dann noch nicht einmal lesen kann.

Ist doch nicht das Problem des TE. Wenn der Gläubiger einer vergleichsweisen Einigung zustimmt, dann ist das so. Dann hat er sich auch daran zu halten. Niemand zwingt den Gläubiger, solch ein Angebot an den Schuldner heraus zu geben.

Von wann ist der VB? Sind die 14 Tage Frist schon abgelaufen?

-- Editiert von mepeisen am 03.01.2018 16:17

Signatur:Meine Beiträge stellen keine Rechtsberatung dar. Sicherheit gibts nur beim Anwalt.
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#7
 Von 
shAd09
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Zitat:

Von wann ist der VB? Sind die 14 Tage Frist schon abgelaufen?

-- Editiert von mepeisen am 03.01.2018 16:17

vom 6.12., da habe ich mich auch beim Gläubiger gemeldet. Nachdem mir mitgeteilt wurde das sich nach Zahlung alles erledigt, bin ich davon ausgegangen das dies auch der Fall sein wird.... daher keinen Widerspruch abgegeben.

-- Editiert von shAd09 am 03.01.2018 16:31

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#8
 Von 
mepeisen
Status:
Legende
(18467 Beiträge, 12126x hilfreich)

Dann wird's schwierig. Ich würde mal beim Inkasso schreiben, dass der Gläubiger alles mit Vergleich für erledigt erklärt hat und dass man nun den entwerteten Titel verlangt. Abwarten, wie das Inkasso reagiert.

Ich würde mich vor allem auf diese Nachricht stützen:

Zitat:
hiermit bestätige ich Ihnen, dass sobald wir die Zahlung über 100 Euro erhalten haben. wir alle Inkasso Vorgänge stoppen werden.

Das ist für mich eindeutig formuliert.
Dass es danach dann wieder relativiert wurde, ist deren Problem.

Signatur:Meine Beiträge stellen keine Rechtsberatung dar. Sicherheit gibts nur beim Anwalt.
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#9
 Von 
shAd09
Status:
Frischling
(5 Beiträge, 0x hilfreich)

Hallo,

zuerst: Ex Inkassomitarbeiter, ich finde deine Antworten wenig hilfreich, zudem ich die auch als unfreundlich empfinde. Man kann auch ohne die Moralkeule zu schwingen antworten. Zudem der Fall ja doch nicht so eindeutig gewesen ist, siehe restliche Antwort.

Danke an Mepeisen für die freundlichen und sachlich fundierten Antworten. Du hast mir wirklich weitergeholfen.

Ich habe es genau so gemacht wie von dir beschrieben (ohne Nachweis, habe nur die von dir angesprochene Aussage inkl Vollnamen und genauer Uhrzeit per Email an das InkassoBüro gesendet), und habe heute die Mitteilung der bedinungslosen Einstellung erhalten.

Zitat:

mit Ihrer Zahlung hat sich diese Angelegenheit erledigt. Wir übersenden Ihnen daher anliegend den entwerteten Titel

angefügt ist der Vollstreckungsbescheid. Habe auch nirgends darauf was von entwertet gefunden. Sieht genauso aus wie der original VB. Hat das so seine Richtigkeit, oder sollte ich beim AG nachhaken ob das wirklich eingestellt wurde?

VG

-- Editiert von shAd09 am 15.01.2018 17:39

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#10
 Von 
mepeisen
Status:
Legende
(18467 Beiträge, 12126x hilfreich)

Das Gericht hat damit nichts mehr zu tun. Das, was du bekommen hast, müsste die "vollstreckbare Ausfertigung" sein (sollte so draufstehen. Streich die einfach mit Kuli diagonal durch und schreibe "bezahlt" oder sowas drauf. Das hebst du dann inkl. dem Erledigt-Schreiben mindestens 30 Jahre auf, dann kann da nichts mehr passieren.

Wenn die ncohmal was fordern, müssten sie erklären, dass sie das Original verloren haben und bei gericht eine Zweitausfertigung beantragen. Du wirst dann gefragt und kannst einwenden "Hier habe ich das Original und Erledigt-Schreiben, der Gläubiger lügt."

Signatur:Meine Beiträge stellen keine Rechtsberatung dar. Sicherheit gibts nur beim Anwalt.
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