Eulen im Bundesverfassungsgericht ausdrücklich erlaubt

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Verfassungsrichter als "iPad-Killer" - Das höchste Gericht Deutschlands erteilt dem Internet Hausverbot

Das Bundesverfassungsgericht präsentiert sich ausgesprochen modern und zukunftsweisend. Insbesondere nimmt es Rücksicht auf die aktuelle Arbeitsweise von Journalisten und Anwälten. Denn: Aus dem Sitzungssaal des Bundesverfassungsgerichts wurde das gesamte Internet verbannt. Geräte, mit denen man online gehen kann - iPads, Handys, Laptops - sind verboten.

Eine mutige, eine richtige, eine moderne Entscheidung. Das Bundesverfassungsgericht erklärt der ständigen Erreichbarkeit, der Suchtgefahr durch Facebook und Twitter, der penetranten Echtzeit-Berichterstattung und der ständigen Gefahr des Burn-out-Syndroms den Kampf. Es wurde auch Zeit, dass unsere höchsten Richter hier maßregelnd einschreiten und die körperliche Gesundheit von Verfahrensbeteiligten, Pressevertretern und Zuschauern als höchstes Gut ansehen.

Arne Schinkel
Von Arne Schinkel
Mitgründer von 123recht.net und Frag-einen-Anwalt.de. Schreibt über das Recht aus ungewohnter Perspektive: seiner. Beachtet die Symptome und bekämpft die Ursachen. Weniger Paragrafen, mehr Eigenverantwortung. "Was jeder einzelne tun kann? Sehr viel: Verantwortung übernehmen. Und im Fall von Unrecht entscheiden: Da mache ich nicht mit!"

Anwälte, die Beweise, Fotos, Texte, Urkunden und sonstige benötigte Unterlagen den Richtern auf iPads oder Laptops vorführen wollen, sind aber auch wirklich ein Grauen und repräsentieren nicht angemessen den Berufsstand der Anwaltschaft. Ein Rechtsanwalt soll doch bitte die 38 Verfahrensakten, jede ca. 10 Zentimeter dick, in den Gerichtssaal schleppen. Körperliche Ertüchtigung ist gut für alle, und wie sieht das denn aus, ein Anwalt ohne Aktenberge.

Auch Medienvertreter sollten wieder selbst schreiben, so mit Papier und so. In Deutschland läuft man sonst Gefahr, dass die schriftliche Form ausstirbt. Doch halt, technische Geräte dürfen von Medienvertretern dann benutzt werden, wenn die Möglichkeit, online zu gehen, nachhaltig deaktiviert ist. Die Verfassungsrichter werden als erfahrene "Digital Natives" hier höchstpersönlich jedes einzelne Gerät vor Verhandlungsbeginn überprüfen. Benutzt werden dürfen also entweder nur noch Schreibmaschinen, Stift und Papier, oder einer der Richter schraubt die Laptops und iPads auf und entfernt die Mobilkarten und den Chip für die WLAN-Funktion. Kein Problem. Endlich sind Sie da, die langersehnten "iPad-Killer".

Wie die Nachrichten jetzt an die Öffentlichkeit gelangen? Natürlich mit Eulen, Raben und Brieftauben. Im Gerichtssaal des Bunderverfassungsgerichts wurden dafür extra Landeplätze und Versorgungsstationen für die gefiederten Helfer angebracht. "Eine Eule für den Medienvertreter der FAZ" oder "der Beschwerdeführer beantragt, einen Raben nach Berlin zu senden", wird es ab jetzt durch den Saal hallen, und damit ist das Bundesverfassungsgericht weltweit beispiellos in seiner Modernität und Integration von Tieren in das alltägliche Leben. Respekt!

Anwälte, Medienvertreter und Zuschauer können sich so wieder auf das Wesentliche konzentrieren, was auch immer das nun sein mag. Die Seuchen Twitter, Facebook, Blogs und Echtzeit-Wettervorhersagen bleiben draußen. Und das ist doch toll.

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