Erste Hilfe in Rechtsfragen seit 2000.
499.704
Registrierte
Nutzer

Behandlungskosten nach unverschuldetem Unfall

9.10.2017 Thema abonnieren Zum Thema: Unfall
 Von 
Saechsin40
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)
Behandlungskosten nach unverschuldetem Unfall

Hallo.

Ich bin mir im Moment nicht sicher, ob ich das passende Forum gewählt habe. Deshalb möchte ich erst einmal den Sachverhalt erläutern.
Im September diesen Jahres lief ein 5jähriges Kind auf einer viel befahrenen Straße meines Wohnortes plötzlich vom Fußweg vor mein Auto. Trotz sofortiger Gefahrenbremsung erfasste ich das Mädchen. Zum Glück erlitt sie dabei nur eine kleine Schürfwunde am Knie sowie eine Prellung im Hüftbereich. Das Mädchen war ohne Begleitung von Erziehungsberechtigten oder einer anderen erwachsenen Person unterwegs, sondern lediglich mit einem weiteren 8jährigen Mädchen. Die 5jährige wurde zur Beobachtung für 24 Stunden ins Krankenhaus gebracht. Es wurden zum Glück keine weiteren Verletzungen festgestellt, so dass sie am nächsten Tag das Krankenhaus auch wieder verlassen konnte.
Nunmehr wird gegen mich wegen fahrlässiger Körperverletzung ermittelt. Nach Aussage der Polizei ist jedoch davon auszugehen, dass das Verfahren gegen mich eingestellt wird. Mir wurde jedoch gesagt, dass es möglich und wahrscheinlich ist, dass sich die Krankenkasse des verletzten Mädchens die Behandlungskosten bei meiner Kfz-Haftpflichtversicherung wiederholen wird, was demzufolge wohl bedeutet, dass ich im nächsten Jahr hochgestuft werde.
Ist dies richtig, da der Unfall sich ja offensichtlich deshalb ereignen konnte, da die Eltern des verletzten Kindes ihre Aufsichtspflicht verletzt haben und dies auch weiterhin tun, da sich das Mädchen auch jetzt noch ohne Aufsicht im öffentlichen Straßenverkehr bewegt.

LG Ines

-- Editiert von Saechsin40 am 09.10.2017 18:02

-- Editiert von Moderator am 15.10.2017 14:37

-- Thema wurde verschoben am 15.10.2017 14:37

Verstoß melden

Wir
empfehlen

Unfallschaden kostenlos geltend machen

Erfahrene Anwälte regulieren komplett kostenfrei für Sie Ihren Unfallschaden mit der gegnerischen Versicherung.

Jetzt loslegen

Nicht genau ihre Frage? Wir haben 347 weitere Fragen zum Thema
Unfall


10 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(25832 Beiträge, 10667x hilfreich)

Es geht nicht um die Verletzung der Aufsichtspflicht, es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass immer jemand bei Kindern sein und sie beaufsichtigen muss.

Das Ermittlungsverfahren ist routinemäßig eingeleitet worden und wird routinemäßig eingestellt werden. Natürlich versucht die Krankenkasse die Kosten beim "Verursacher" wieder rein zu holen. Dies heisst aber nicht, dass das erfolgreich sein muss. Setz dich mit Deiner Versicherung in Verbindung, und kläre ab, ob Du schon jetzt eine Stellungnahme abgeben solltest. Und dann sieht man weiter.

wirdwerden

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#2
 Von 
Saechsin40
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)

Ok, vielen Dank. Dann werde ich da mal anfangen.

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#3
 Von 
drkabo
Status:
Unparteiischer
(9429 Beiträge, 6908x hilfreich)


Es ist aber durchaus wahrscheinlich, dass Ihre KfZ-Haftpflicht zumindest einen Teil der Behandlungskosten übernehmen wird. Denn es kommt eine Mit-Haftung aufgrund der sogenannten Gefährdungshaftung in Betracht.

Stark vereinfacht: Das Kind war zu Fuß. Sie sind mit dem Auto gefahren. Wären Sie auch zu Fuß gegangen, hätte es den Unfall nicht gegeben (oder er wäre wesentlich milder ausgegangen). Die Tatsache, dass Sie ein Auto benutzt haben, hat also dazu beigetragen, den Schaden zu erhöhen. Deshalb wird Ihre KfZ-Haftpflicht möglicherweise auch zur Schadensregulierung beitragen müssen.

Signatur:Für alle meine Beiträge gilt §675(2) BGB.
0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#4
 Von 
Saechsin40
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)

Ich habe mal ein bisschen gegoogelt und dabei auch Ausnahmen zur Gefährdungshaftung gefunden.

"Die Ersatzpflicht (Gefährdungshaftung) ist ausgeschlossen, wenn ein Unfall durch höhere Gewalt verursacht worden ist. Der Unfall muss dabei in der Regel durch ein außergewöhnliches und nicht abwendbares Ereignis - ohne Fahrzeugfehler - verursacht worden sein. Als unabwendbar gilt ein Ereignis insbesondere dann, wenn es auf das Verhalten des Verletzten oder einer Dritten Person oder eines Tieres zurückzuführen ist und der Führer des Kraffahrzeugs die nach den Umständen gebotene Sorgfalt beachtet hat."

Eingeschränkt wird das ganze dann aber wohl wahrscheinlich dadurch, weil es ein Kind war. Oder?

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#5
 Von 
wirdwerden
Status:
Unbeschreiblich
(25832 Beiträge, 10667x hilfreich)

Ja, trotzdem, man kann es nicht abschätzen. Das hängt vom Einzelfall ab. Ausgangspunkt der ganzen Sache ist doch die Überlegung gewesen, dass ein Auto für sich schon ein gefährliches Ding ist, so dass allein das in den Verkehr bringen automatisch eine gewisse Verantwortung zur Folge hat. Das sieht man heute nicht mehr ganz so eng. Aber, die Versicherungen haben da Erfahrung, glaub es mir mal. Da das Kind nur ganz kurz im Krankenhaus war, kann unter Berücksichtigung der Mitverantwortlichkeit auch sein, dass Du nur einen Mini-Betrag zahlen musst, dann wäre es wahrscheinlich günstiger, das privat zu zahlen. Sprich einfach mal mit der Versicherung.

wirdwerden

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#6
 Von 
Kalanndok
Status:
Schüler
(268 Beiträge, 67x hilfreich)

Meines Wissens nach ist es doch so, dass die Versicherung VERPFLICHTET(!) ist ungerechtfertigte Forderungen abzuwehren. Das bedeutet für mich, dass sie nur dann leisten dürfen, wenn die Forderung des Kindes auf Erstattung der Behandlungskosten tatsächlich berechtigt ist. Und das ist sicherlich nichts, was der Sachbearbeiter bei der Versicherung entscheidet sondern üblicherweise ein Richter in einem Zivilverfahren.

Dort wird es dann wohl auf die Frage herauslaufen, ob der Fahrzeugführer (in diesem Einzelfall) damit rechnen musste, dass ein Kind plötzlich auf die Straße springt und damit auch letztendlich die gefahrene Geschwindigkeit eine große Relevanz haben. Das kann auch bedeuten, dass obwohl in der 30er-Zone zwar 30 erlaubt sind, dies trotzdem als für diese konkrete Situation zu schnell eingeschätzt wird und damit wäre die Gefährdung über die Betriebsgefahr gegeben.

Selbstverständlich darf die Versicherung zahlen an wen sie will, aber wenn es darum geht den eigenen Kunden hochzustufen, dann muss die Zahlung auch gerechtfertigt gewesen sein.

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#7
 Von 
drkabo
Status:
Unparteiischer
(9429 Beiträge, 6908x hilfreich)

Zitat:
Und das ist sicherlich nichts, was der Sachbearbeiter bei der Versicherung entscheidet sondern üblicherweise ein Richter in einem Zivilverfahren.

Das ist Ihre Wunschvorstellung.
Wenn die eigene Versicherung meint, zahlen zu wollen, dann kann man das als Versicherungsnehmer das nicht verhindern.
Ein Versicherungsnehmer kann der eigenen Versicherung nicht verbieten zu zahlen - auch dann nicht, wenn das zur Hochstufung des Versicherungsnehmers führt und auch nicht per Zivilverfahren.

Signatur:Für alle meine Beiträge gilt §675(2) BGB.
0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#8
 Von 
reckoner
Status:
Richter
(8163 Beiträge, 3194x hilfreich)

Hallo,

Zitat:
Meines Wissens nach ist es doch so, dass die Versicherung VERPFLICHTET(!) ist ungerechtfertigte Forderungen abzuwehren.
Nein, ist sie nicht. Eher im Gegenteil, die Versicherung kann völlig alleine regulieren wenn sie möchte.

Zitat:
Dort wird es dann wohl auf die Frage herauslaufen, ob der Fahrzeugführer (in diesem Einzelfall) damit rechnen musste, dass ein Kind plötzlich auf die Straße springt und damit auch letztendlich die gefahrene Geschwindigkeit eine große Relevanz haben.
Tja, damit muss man immer rechnen, daher auch die Regel "Fuß vom Gas" sobald man Kinder sieht.

Zitat:
Selbstverständlich darf die Versicherung zahlen an wen sie will, aber wenn es darum geht den eigenen Kunden hochzustufen, dann muss die Zahlung auch gerechtfertigt gewesen sein.
Wenn die Zahlung nachweislich* ungerechtfertigt war, dann kann man sicher gegen eine Hochstufung gerichtlich vorgehen. Solche Fälle sind aber eigentlich undenkbar, weil es für die Versicherung keinen Sinn macht unnütz zu zahlen.

*der Nachweis ist das große Problem, denn die Betriebsgefahr zieht praktisch immer, daher kommen wohl nur Fälle in Betracht, wo es den Unfall gar nicht gab (ausgedacht, anderes Fahrzeug etc.)

Stefan

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#9
 Von 
Sir Berry
Status:
Junior-Partner
(5191 Beiträge, 1779x hilfreich)

Zitat (von drkabo):
Das ist Ihre Wunschvorstellung.
Wenn die eigene Versicherung meint, zahlen zu wollen, dann kann man das als Versicherungsnehmer das nicht verhindern.
Ein Versicherungsnehmer kann der eigenen Versicherung nicht verbieten zu zahlen - auch dann nicht, wenn das zur Hochstufung des Versicherungsnehmers führt und auch nicht per Zivilverfahren.

Nicht unbedingt, es gibt das sogenannte Regulierungsverbot, welches aber in diesem Fall durch die AGB des Versicherers abbedungen ist. Hier wäre es also in der Tat nutzlos ein Regulierungsverbot auszusprechen.

Daher ist mein Hinweis nur allgemeiner Natur.

Berry

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#10
 Von 
Lazyboy
Status:
Praktikant
(819 Beiträge, 359x hilfreich)

Zitat (von Saechsin40):
Ich habe mal ein bisschen gegoogelt

Wenn man schon so fit in Sachen Haftungsrecht ist, geb ich mal den Tip den Begriff "Teilungsabkommen" zu recherchieren.
Dann stellt sich das ganze Problem nicht mehr

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

Jetzt Anwalt dazuholen.

Für 60€ beurteilt einer unserer Partneranwälte diese Sache.

Jannis Geike Denise Gutzeit Nicolas Reiser Felix Hoffmeyer
  • Antwort vom Anwalt
  • Innerhalb 24 Stunden
  • Nicht zufrieden? Geld zurück!
  • Top Bewertungen
Ja, jetzt Anwalt dazuholen