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Arbeitgeber gewährt nur Urlaub wenn er das will

4.1.2012 Thema abonnieren Zum Thema: Urlaub Arbeitgeber
 Von 
Jenni258
Status:
Frischling
(21 Beiträge, 6x hilfreich)
Arbeitgeber gewährt nur Urlaub wenn er das will

Guten Morgen zusammen,

muss mich mal in einem Fall an euch wenden, der mich persönlich ziemlich aufregt.

Erstmal zu den Fakten:
Mein Freund arbeitet als Teilzeitkraft bei seinem Vater seit Februar 2010. Laut Arbeitsvertrag stehen ihm 24 Urlaubstage zur Verfügung. Der Vater ist selbstständiger Schreiner und die beiden bauen für ein regionales Möbelhaus Küchen auf.

Nun ist es so, dass wenn mein Freund gerne Urlaub hätte, der Vater direkt nein sagt und er den Urlaub für ihn nur dann legt, wenn er auch Urlaub hat. Die Mutter (macht den Papierkram usw.) kommt dann sofort mit dem Argument der Betriebsferien und mein Freund hätte einen "Hausvetrag".

Habe mich nun im Internet etwas belesen, und dort steht
a) das Betriebsferien nur 2/5 des Jahresurlaubs eines Angestellten einnehmen dürfen und
b) das nur in dringenden betrieblichen Situationen der Urlaub des Angestelleten abgelehnt werden darf.

Es gibt durchaus die Möglichkeit das einer von beiden Urlaub macht, denn dann könnte man von dem Möbelhaus eine Ersatzkraft erhalten. Diese kostet dann natürlich extra.

Es ist so, dass wir voraussichtlich anfang April Eltern werden und mein Freund dann gerne eine Woche Urlaub hätte um bei mir und dem Kind zu sein. Seine Eltern sind widerrum strikt dagegen, wegen oben genannten Gründen und außerdem wäre eine Geburt ja eh so schlecht zu planen.

Ich finde das alles etwas nunja...mag an meiner Position liegen, aber ich find das unmöglich.

Achso, im Arbeitsvertrag steht unter §6 Urlaub folgendes:
"Der Urlaubsanspruch beträgt 24 Arbeitstage im Kalenderjahr. Bei Ausscheiden in der zweiten Jahreshälfte wird der Urlaubsanspruch gezwölftelt, die Kürzung erfolgt allerdings nur insoweit als dadurch nicht der gesetzlich vorgeschriebene Mindesturlaub unterschritten wird. Die rechtliche Behandlung des Urlaubs richtet sich im Übrigen nach den gesetzlichen bestimmungen."

Freue mich auf eure Antworten!

MfG

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Urlaub Arbeitgeber


9 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
blaubär+
Status:
Senior-Partner
(6117 Beiträge, 2304x hilfreich)

Naja - das Problem besteht wohl eher in der Vater-Sohn-Beziehung. Wenn dein Freund wollte, könnte er natürlich vors Arbeitsgericht gehen - aber ob er das im Ernst will?
Andererseits könnte er freilich den Spieß familiärer Verwicklungen auch umdrehen und sich z.B. zur Geburt des Kindes einfach selbst beurlauben - ob ihn der Vater dann arbeitsrechtlich sanktionieren würde?? Und ob dein Freund die Courage aufbringt, sich gegen den Vater/die Eltern zu stellen (die Mutter darfst du m.E. in dem Spiel nicht unterschätzen)?
Die rechtlichen Fakten sind eigentlich klar - aber Recht und Recht-haben sind nicht alles.

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#2
 Von 
Stefan 5
Status:
Bachelor
(3904 Beiträge, 1130x hilfreich)

Warum sucht er sich keine andere Arbeit?

Dies sind doch keine Zustände, wenn der eigene Vater so schräg drauf ist. Da sind ja die meisten AG verständnisvoller.

Sie erkennen ja richtig, dass beim Urlaub die Wünsche des AN zu berücksichtigen sind.

Wollen Sie das gerichtlich klären lassen? Dem steht nichts im Wege.

M.E. sollte Ihr dem Vater sagen, dass er auf jeden Fall Urlaub will und er eine Vertretung suchen/nehmen soll. Ansonsten würde er das gerichtlich klären lassen und sich so schnell wie möglich eine neue Arbeitsstell suchen.

Wenn er aber sowieso sich nicht wehren wird (egal ob er im recht ist oder nicht) dann ist rechtlicher Rat überflüssig.

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#3
 Von 
Jenni258
Status:
Frischling
(21 Beiträge, 6x hilfreich)

Danke erstmal für die Meinungen.

Ja, das stimmt wohl...die ganze Situation ist etwas bescheuert.

Wieso sucht er sich keine neue Arbeit...das frage ich mich auch öfter. Aber es sind halt seine Eltern und ich nehme an, er fühlt sich denen gegenüber irgendwie so ein bisschen verpflichtet?! Also so sehe ich das jedenfalls, weil sonst würde das doch keiner mit sich machen lassen. Da wäre jeder billige Job besser als da, bei den Arbeitsbedingungen.

Was mich halt besonders stört:
Das ist einer von zwei Söhnen, der zum ersten mal Vater wird. Also werden die Eltern auch zum ersten Mal Großeltern und gönnen ihrem Sohn nicht mal eine Woche Urlaub mit seinem Kind?! Für uns wird das auch erstmal alles eine Umstellung und mein Freund sagt zu Recht, er will erstmal etwas Zeit mit dem Baby haben um sich auch an die ganze Situation zu gewöhnen.

Zu der Mutter. Die ist wirklich nicht zu unterschätzen. Sie kommt halt bei jeder Diskussion wegen dem Urlaub damit, dass die zwei zu entscheiden hätten, wann und in welcher Länge dieser genommen wird. Er hätte ja schließlich einen Arbeitsvertrag unterschrieben, wo das drinsteht. Aber ich sehe da keine Klausel die das irgendwie verbieten sollte. Ich habe auch heute erfahren, dass der Vater wohl schon mal eine Woche ganz allein gearbeitet hat, wo mein Freund Probleme mit dem Rücken hatte. Also scheint das ja so unmöglich gar nicht zu sein. Nur das der Vater dann halt mal alleine ran muss.

Ich prsönlich würde am liebsten sofort da mal auf den Tisch hauen und sagen was Sache ist und wenn die Mutter dann wieder anfangen sollte, von wegen Hausvertrag und der Chef entscheidet etc. würde ich das zugern mal bis vors Gericht laufen lassen. Einfach nur damit die mal merken, dass die mit ihrem Sohn nicht alles machen können, nur weil er gleichzeitig Angestellter ist.

Ich werde mal zusehen, dass ich meinen Freund dazu kriege, den Mund aufzumachen. Das kann alles nicht angehen.

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#4
 Von 
bear
Status:
Bachelor
(3176 Beiträge, 1028x hilfreich)

Das sieht irgendwie wie ein Machtkampf zwischen Schwiegertochter und Schwiegermutter aus um die Herrschaft über den Sohn, mit dem Vater als Machtmittel.

Vielleicht sollten die Damen das direkt miteinander ausmachen, statt Vater und Sohn aufeinander zu hetzen. Mit Arbeitsrecht hat das wenig zu tun, jedenfalls bis einer von beiden rechtliche Schritte unternimmt, wozu sie sich hoffentlich nicht breitquatschen lassen.

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"Wo ein Wille ist, ist auch ein Gebüsch."

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#5
 Von 
blaubär+
Status:
Senior-Partner
(6117 Beiträge, 2304x hilfreich)

also: dass du deinen freund änderst, halte ich für das unwahrscheinlichste. darüber zerbrechen beziehungen zu allermeist. aber damit verlagert sich das thema endgültig in den bereich familienberatung oder -therapie.

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#6
 Von 
altona01
Status:
Wissender
(15950 Beiträge, 6250x hilfreich)

"Seine Eltern sind widerrum strikt dagegen, wegen oben genannten Gründen und außerdem wäre eine Geburt ja eh so schlecht zu planen."

Dann wäre es ja in so einem Kleinbetrieb sinnvoll, wenn alle flexibel sind ;)
Was macht Schwiegervater eigentlich, wenn sein Sohn krank wird?

"Er hätte ja schließlich einen Arbeitsvertrag unterschrieben, wo das drinsteht."

Guter Ansatzpunkt: Nochmal ganz sachlich die Rechtslage erläutern. Die gesetzlich vorgesehene Freistellung, die nicht auf Kosten des Urlaubs geht, dazu gerechnet.

http://www.bwr-media.de/themen/personal/urlaubsanspruch/04960_bezahlte-freistellung-%E2%80%93-was-ihr-arbeitnehmer-2010-verlangen-kann.php

"Ich werde mal zusehen, dass ich meinen Freund dazu kriege, den Mund aufzumachen."
Sehr gute Idee! Wenn nicht, können Sie sich wohl die nächsten Jahre immer wieder damit rumschlagen...

Arbeitnehmer fallen aus, wenn Urlaub oder Krankheit oder sonstwas passiert. Das ist ein Problem, bei dem die Urteilslage der Arbeitsgerichte eigentlich immer gleich ist: Das ist allein das Problem des Arbeitgebers.


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#7
 Von 
Jenni258
Status:
Frischling
(21 Beiträge, 6x hilfreich)

quote:
Das sieht irgendwie wie ein Machtkampf zwischen Schwiegertochter und Schwiegermutter aus um die Herrschaft über den Sohn, mit dem Vater als Machtmittel.

Ganz und gar nicht. Ich verstehe mich eigentlich mit den Schwiegereltern super und habe mich bisher aus dem Thema komplett rausgehalten, aber ich bin mittlerweile einfach der Ansicht, dass das so wie es da momentan läuft nicht sein kann. Die Eltern wissen ganz genau, dass ihr Sohn sich um die selbstständigkeit sorgt und nicht will, dass da irgendwas den Bach runter geht. Die nutzen das aus. Der Vater denkt im übrigen ganz genau so wie die Mutter. Nur das die Mutter immer mit irgendwelchen Verträgen, Paragraphen oder ähnlichem kommt.

Krankheit? Gibts nicht!
Mein Freund hatte schon oft Bandscheibenvorfälle. Mitte 2011 hatte er wieder einen, weil er sich beim aufbauen einer Küche verhoben hat. Er lag auf der Couch und konnte sich gar nicht mehr bewegen und war wirklich kurz vorm heulen. Ich habe ihn dazu gedrängt ins Krankenhaus zu fahren und danach zum Orthopäden. Dieser stellte einen erneuten Bandscheibenvorfall fest. Da war er eine Woche krankgeschrieben. Das war für die Eltern schon unglaublich.
Die standen hier vor der Tür um zu gucken wie es ihm "wirklich" geht und haben dann noch versucht ihm Schuldgefühle zu machen von wegen "Ja das muss halt jetzt irgendwie klappen. Keine Ahnung wie, aber ist ja nicht dein Problem." Hat funktioniert. Nach der einen Woche ist er trotz Rückenschmerzen arbeiten gegangen.

Es geht dabei wirklich keinesfalls um irgendwelche Machtspielchen, aber ich, als normaler Arbeitnehmer in einem normalen Betrieb kenne sowas einfach nicht und finde es unmöglich, dass man seinen eigenen Sohn so behandelt.

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#8
 Von 
altona01
Status:
Wissender
(15950 Beiträge, 6250x hilfreich)

"Ich verstehe mich eigentlich mit den Schwiegereltern super und habe mich bisher aus dem Thema komplett rausgehalten, aber ich bin mittlerweile einfach der Ansicht, dass das so wie es da momentan läuft nicht sein kann."

Liest sich so, als ob Sie ab sofort "Familienharmonie" nicht mehr über Ihre eigenen Interessen und die Ihrer eigenen Familie stellen werden.
Das wird aber nicht so einfach akzeptiert werden. Vermute ich.

"Die Eltern wissen ganz genau, dass ihr Sohn sich um die selbstständigkeit sorgt und nicht will, dass da irgendwas den Bach runter geht. Die nutzen das aus."

Und, lässt sich Ihr Partner weiterhin ausnutzen?

Will denn Ihr Partner das auf Kosten seiner eigenen Familie verwirklichen, die Selbständigkeit?


"Nur das die Mutter immer mit irgendwelchen Verträgen, Paragraphen oder ähnlichem kommt."

Da kann man wirklich leicht gegenhalten. :devil:

Das Gesetz und die Rechtsprechung ist in Urlaubsfragen extrem arbeitnehmerfreundlich. Oma versteht DAS vielleicht, wenn der Sohn mal einfach einen Urlaubantrag einklagt per Gericht. Wäre ganz einfach möglich und kostet höchstens die Gerichtsgebühren.

Wenn zukünftige Großeltern nicht akzeptieren wollen, dass ihr Sohn sich um seinen Nachwuchs und die Mutter nach der Geburt kümmert, dann
scheint mir Ihre Aussage:
"Es geht dabei wirklich keinesfalls um irgendwelche Machtspielchen, aber ich, als normaler Arbeitnehmer in einem normalen Betrieb kenne sowas einfach nicht und finde es unmöglich, dass man seinen eigenen Sohn so behandelt." irgendwie nicht ganz zutreffend.

Es geht hier nicht um 14 Tage. Es geht um einige mehr Jahre.

Da scheint ja ein Angestelltenverhältnis mit geregelten Arbeitszeiten doch passender. Das könnte man auch als Argument in den Ring werfen.

-- Editiert hamburgerin01 am 04.01.2012 23:22

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#9
 Von 
bear
Status:
Bachelor
(3176 Beiträge, 1028x hilfreich)

"Ich verstehe mich eigentlich mit den Schwiegereltern super und habe mich bisher aus dem Thema komplett rausgehalten, aber ich bin mittlerweile einfach der Ansicht, dass das so wie es da momentan läuft nicht sein kann."

Ich nehme mal an, daß der Freund volljährig ist und sich selber um seine arbeitsrechtlichen Angelegenheit kümmern kann, also keinen Vormund braucht.

Was er dazu denkt bzw. vor allem unternimmt, gehört zum Arbeitsrecht. Welcher Ansicht seine Freundin ist und was sie der Mutter ihres Partners so alles zeigen will, eher nicht.

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"Wo ein Wille ist, ist auch ein Gebüsch."

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