Abgeltungsteuer: Reduzierter Erklärungsbedarf in der Anlage KAP"

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Steuerrecht Rubrik, Abgeltungsteuer, Steuererklärung, Günstigerprüfung, Altersentlastungsbetrag

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Vertiefende Informationen zur Anlage KAP" / BMF v. 07.10.2011 -- Informationen für Bürgerinnen und Bürger

1. Grundsatz

Seit Einführung der Abgeltungsteuer im Jahr 2009 ist die Abgabe der „Anlage KAP“ für viele Steuerpflichtige nicht mehr erforderlich .

Reinhard Schweizer
Rechtsanwalt
Muldestr. 19
51371 Leverkusen
Tel: 0214 / 2061697
E-Mail:
Erbrecht, Familienrecht, Gesellschaftsrecht, Steuerrecht, Verwaltungsrecht

Seit dem 01.01.2009 hat der Steuerabzug bei Kapitalerträgen abgeltende Wirkung, d. h., es besteht grundsätzlich keine Pflicht mehr, diese Erträge in der Steuererklärung anzugeben.

Die Besteuerung erfolgt mit einem einheitlichen Steuersatz von 25 % zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer .

Die Kapitalertragsteuer wird nur dann erhoben, wenn die Kapitaleinkünfte den Sparer-Pauschbetrag von 801,00 € für Ledige oder 1.602,00 € für Verheiratete übersteigen oder wenn keine Nichtveranlagungs-Bescheinigung vorgelegt wird.

2. Veranlagungswahlrecht und Günstigerprüfung

Für die Abgeltungsteuer gilt aber das so genannte Veranlagungswahlrecht .

Wer meint, dass die Veranlagung der Kapitaleinkünfte zu einer niedrigeren Steuerbelastung führt, kann eine Einbeziehung seiner Kapitaleinkünfte in den allgemeinen progressiven Einkommensteuertarif beantragen.

Die Höhe des allgemeinen Einkommensteuertarifes ist dabei nicht entscheidend, maßgebend ist allein, wie hoch die Steuerbelastung bei einer Einbeziehung der Kapitaleinkünfte im Vergleich zu einer Besteuerung mit dem Abgeltungsteuersatz ist.

Das Finanzamt prüft beide Alternativen und wendet die für den Steuerpflichtigen günstigere Variante an (sog. Günstigerprüfung ).

Für die weit überwiegende Zahl der Steuerpflichtigen dürfte sich die Ausübung des Veranlagungswahlrechts kaum lohnen, denn bereits ab einem zu versteuernden Einkommen von 15.721,00 € und 31.442,00 € bei zusammenveranlagten Ehegatten wird ein Grenzsteuersatz von 25 % erreicht.

Vereinfachtes Beispiel nach BMF (ohne Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer):

Eine steuerpflichtige Person erzielt (nach Abzug des Sparer-Pauschbetrags) 5.000,00 € Kapitalerträge und 15.000,00 € Einkünfte aus den übrigen Einkunftsarten. Würde eine Veranlagung mit einem zu versteuernden Einkommen (zvE) von 20.000,00 € durchgeführt, wären bei Anwendung des derzeit geltenden allgemeinen Einkommensteuertarifs 2.701,00 € Einkommensteuer zu zahlen; bei Anwendung des Tarifs auf 15.000,00 € fallen 1.410,00 € Steuer in der Veranlagung und 1.250,00 € Abgeltungsteuer, also zusammen 2.660,00 €, an. Die Abgeltungsteuer führt zu 41,00 € weniger Einkommensteuer.

Da der Steuerabzug außerhalb der Steuererklärung erfolgt, können Rentner keinen Altersentlastungsbetrag auf ihre Kapitaleinkünfte erhalten. Das Finanzgericht Düsseldorf hat diese ungünstige Neuregelung bestätigt (Urteil vom 13.10.2010, Az. 15 K 2712/10 E).

Tipp:

Es gibt trotzdem eine Möglichkeit, den Altersentlastungsbetrag zu erhalten. Wenn nämlich Steuerpflichtige ihre Kapitalerträge in der Anlage KAP zur Steuererklärung angeben und über die Zeile 4 eine Günstigerprüfung beantragen, muss das Finanzamt eine Vergleichsrechnung durchführen. Kommt es zu dem Ergebnis, dass die individuelle Besteuerung nach dem Grund- bzw. Splittingtarif einschließlich des Altersentlastungsbetrages niedriger ist als die abgeltende Besteuerung mit 25·% ohne Altersentlastungsbetrag, muss es den Entlastungsbetrag gewähren. Andernfalls bleibt es beim 25%igen Steuerabzug.

 Zu beachten ist außerdem, dass bei der Bemessung des Altersentlastungsbetrags Renteneinkünfte und Versorgungsbezüge außer Betracht bleiben .

3. Weitere Möglichkeiten

Sie haben aber auch noch weitere Möglichkeiten, die Angabe von Kapitaleinkünften in der Steuererklärung zu vermeiden, wenn Sie

  • den kontoführenden Kreditinstituten Freistellungsaufträge bis zum Höchstbetrag von insgesamt 801,00 €, bei zusammenveranlagten Ehegatten bis zu 1 602,00 €, erteilen um das Freistellungsvolumen erforderlichenfalls der Entwicklung der Kapitalerträge anpassen. Ein Antrag beim Finanzamt auf Überprüfung des Steuereinbehalts zur Berücksichtigung eines beim Steuerabzug nicht vollständig ausgeschöpften Sparer-Pauschbetrags wird dadurch entbehrlich .
  • als Mitglied einer kirchensteuerhebeberechtigten Religionsgemeinschaft bei den kontoführenden Kreditinstituten die Einbehaltung der Kirchensteuer beantragen. Soweit die Kapitalerträge dem Kirchensteuerabzug unterlegen haben, sind Angaben in der „Anlage KAP“ grundsätzlich nicht mehr erforderlich.

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