Erste Hilfe in Rechtsfragen seit 2000.
480.405
Registrierte
Nutzer

ALG2 Bedarfsgemeinschaft Erbschaft

 Von 
void1603
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)
ALG2 Bedarfsgemeinschaft Erbschaft

Hallo,

ich bin 23 Jahre alt und lebe mit meiner pflegebedürftigen Mutter (57 Jahre, Pflegestufe 1, Stufe 2 beantragt) in einer Bedarfsgemeinschaft.

Im Oktober ist leider meine Oma gestorben. Meine Mutter hat nun ein kleines Erbe von 5.000€ bekommen. Wie sieht es nun aus? Wird das Erbe komplett angerechnet? Meine Mutter bekommt kein ALG2, sie bekommt Erwerbsminderungsrente und Grundsicherung. Trotzdem läuft das ALG2 über Sie.

Auf dem Bescheid steht dann immer:
Antragsteller (meine Mutter): 0,00€
sonstige Angehörige: 561,50€

Selbst unser Anwalt konnte uns nicht vollständig aufklären und wollte das mit einem Kollegen besprechen.
Das Geld war eigentlich schon für meinen Führerschein eingeplant damit ich endlich eine flexible Arbeitsstelle finde und vom ALG2 loskomme. Und das alles ohne die Pflege meiner Mutter vernachlässigen zu müssen.

Ich hoffe dass sich hier jemand mit solchen Fällen auskennt und bedanke mich ganz herzlich im Voraus :)

-----------------
""

Verstoß melden

Wir
empfehlen

Hartz 4 Bescheid prüfen

Falsche Berechnung, kein Mehrbedarf, Sanktionen, zu wenig Hartz 4 - Wir überprüfen kostenfrei Ihren Hartz 4 / JobCenter Bescheid zum Arbeitslosengeld 2.

Jetzt loslegen

Nicht genau ihre Frage? Wir haben 444 weitere Fragen zum Thema
ALG2 Bedarfsgemeinschaft


5 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
AxelK
Status:
Gelehrter
(11251 Beiträge, 3449x hilfreich)

@void:

Das ist halt das Problem mit dem Konstrukt der Bedarfsgemeinschaft. Jegliches Einkommen, und dazu zählt auch die Erbschaft, wird auf den Bedarf der Gesamt-BG angerechnet.

Da der Betrag von 5.000,- € Euren monatlichen ALG II Bedarf übersteigt, erfolgt eine Aufteilung auf 6 Monate. Du wirst Demnach für 6 Monate kein ALG II erhalten. Danach sind dann 6 x 561,50 € = 3.369,50 € verbraucht.

Hinzu kommt, dass Du in der Zeit auch nicht über das Jobcenter krankenversichert bist, sondern Dich selber freiwillig weiter versichern und hierfür natürlich auch entsprechende Beiträge zahlen musst. Die Beiträge dürfte bei ca. 160,- € monatlich liegen.

Vor Ablauf dieser 6 Monate wirst Du dann einen neuen ALG II Antrag stellen müssen. Der noch von der Erbschaft vorhandene Restbetrag von rund 650,- € ist dann "Vermögen" und als solches vor der weiteren Anrechnung geschützt.

Gruß,

Axel

-----------------
"Ausführliche Infos zu ALG 2 auf meiner Website: http://www.axelkrueger.info"

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#2
 Von 
void1603
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)

Erstmal danke für die Antwort und Wow! Das klingt ja wie aus einem schlechten Film.

Es gibt in Deutschland selbst wenn die eigene Mutter stirbt für das erbende Kind das ungewollt in einer BG lebt keinen Cent "Freibetrag". Was wäre wenn ich ALG2 sofort abmelde, Januar zurückzahle und nächsten oder übernächsten Monat wieder beantrage? Zählt das Erbe dann als Vermögen für meine Mutter?

Das Problem ist das wir mit einem Teil des Erbe schon einen Kredit abgezahlt haben. Und der Restbetrag definitiv nicht für 6 Monate reicht. Soll ich mit meiner Mutter im Rollstuhl auf der Straße leben? Sie hatte 2 Schlaganfälle, rechte Körperhälfte ist komplett gelähmt, also JA sie ist wirklich krank.

-----------------
""

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#3
 Von 
AxelK
Status:
Gelehrter
(11251 Beiträge, 3449x hilfreich)

@void:

Grundsätzlich kannst Du Dich natürlich jederzeit freiwillig aus dem ALG II Bezug abmelden. Ebenso kannst Du jederzeit einen Neuantrag stellen.

Bei Neuantragstellung werden üblicherweise Kontoauszüge (mindestens) der letzten drei Monate verlangt, die auch vorgelegt werden müssen. Hierauf wird der Eingang der Erbschaft ersichtlich sein. Und dann wird man Dir - zu Recht - unterstellen, dass die Abmeldung aus dem Leistungsbezug allein zu dem Zweck erfolgt ist, die Anrechnung der Erbschaft zu umgehen. Das wird somit wohl nicht wirklich funktionieren.

quote:
Das Problem ist das wir mit einem Teil des Erbe schon einen Kredit abgezahlt haben. Und der Restbetrag definitiv nicht für 6 Monate reicht.

Das Problem ist nachvollziehbar, wird Dir aber nicht wirklich weiterhelfen. Ich sehe keine (legale) Möglichkeit, die Anrechnung zu umgehen.

Was vielleicht einen Versuch wert wäre:

Führe - im Beisein eines Beistandes - ein Gespräch mit dem zuständigen Leistungssachbearbeiter. Teile diesem die Erbschaft mit sowie auch, dass - aus Unwissenheit, das die Erbschaft angerechnet wird - Schulden getilgt worden sind und deshalb nur noch ein Betrag in Höhe von X Euro übrig ist.

Auch wenn das Jobcenter hier eigentlich keinen Ermessensspielraum hat, wird ja vielleicht auf die Leistungseinstellung verzichtet und das ganze wird über eine Rückforderung abgewickelt, wenn Du anbietest, das noch vorhandene Vermögen direkt ans Jobcenter zu zahlen und die restliche Rückforderung ratenweise zu tilgen.

Um es ganz deutlich zu sagen: Auf eine solche Vorgehensweise hast Du sicher keinen Anspruch. Aber, fragen kostet nichts.

Gruß,

Axel

-----------------
"Ausführliche Infos zu ALG 2 auf meiner Website: http://www.axelkrueger.info"

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#4
 Von 
void1603
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)

Vielen Dank für die Tipps AxelK,

meine zuständige Sachbearbeiterin ist bis morgen im Urlaub, habe mich deswegen heute an meinen Jugendvermittler gewandt. Als Antwort bekam ich: "Machen Sie mit dem Geld doch was Sie wollen, warum sollten Sie es nicht für Schuldentilgung / Führerschein nutzen. Es gibt doch für ALG2 Empfänger Freibeträge".

Danach ist mir beinahe der Kragen geplatzt. Das ist ja beinahe so wie wenn mir die Polizei nahelegt Auf dem Balkon Hanf anzubauen, ist doch ein netter Nebenverdienst.

Ich weiss dass die Arbeitsvermittlung des Jobcenters sich nicht um die Berechnung der Bezüge kümmert, aber sollte nicht trotzdem ein gewisses Grundwissen vorhanden sein?

Werde mich gleich morgen an meine Sachbearbeiterin wenden und deinen Vorschlag vorbringen. Damit dass ich keine Chancen mehr habe, mich durch einen Führerschein für den Arbeitsmarkt attraktiver zu gestalten, habe ich mich inzwischen abgefunden. Im Endeffekt schadet sich der Staat damit selbst mehr als mir.

Nochmal danke für deine ausführlichen Antworten.

-----------------
""

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#5
 Von 
AxelK
Status:
Gelehrter
(11251 Beiträge, 3449x hilfreich)

@Void:

quote:
"Machen Sie mit dem Geld doch was Sie wollen, warum sollten Sie es nicht für Schuldentilgung / Führerschein nutzen. Es gibt doch für ALG2 Empfänger Freibeträge".

Warst Du schlagfertig genug, ihn zu bitten, Dir diese Auskunft schriftlich zu geben? Wahrscheinlich eher nicht. Schade. Das hätte man durchaus für sich verwenden können, auch wenn die Arbeitsvermittler in aller Regel vom Leistungsrecht tatsächlich keine Ahnung haben. Traurig aber wahr, dass selbst einfachstes Grundwissen diesbezüglich oft fehlt.

quote:
Werde mich gleich morgen an meine Sachbearbeiterin wenden und deinen Vorschlag vorbringen.

Viel Erfolg.

Gruß,

Axel

-----------------
"Ausführliche Infos zu ALG 2 auf meiner Website: http://www.axelkrueger.info"

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

Jetzt Anwalt dazuholen.

Für 60€ beurteilt einer unserer Partneranwälte diese Sache.

Jannis Geike Denise Gutzeit Nicolas Reiser Felix Hoffmeyer Richard Claas
Ja, jetzt Anwalt dazuholen