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Forum Erbrecht

Ausbezahlung von Geschwistern, da Haus von Vater schon zu Lebzeiten erhalten?

15.8.2006 3977 Aufrufe Thema abonnieren Zum Thema: Haus Vater Lebzeiten
 Von 
MCF
Status:
Frischling
(22 Beiträge, 0x hilfreich)
Ausbezahlung von Geschwistern, da Haus von Vater schon zu Lebzeiten erhalten?

Hallo Forum,

mal wieder brauche ich einen ersten Rat/Meinung wegen einer verzwickten Sache, ggf. hat ja jemand so was ähnliches schonmal erlebt:
Wie der Betreff schon skizziert, geht es um folgendes: Ich werde das renovierungsbedürftige Haus meines Vaters schon zu Lebzeiten erhalten. Mein Vater kann sich nicht darum kümmern, und meine beiden Geschwister sind ebenso finanz. nicht dazu in der Lage.
Nun möchten wir es so lösen, dass ich das Haus jetzt schon erhalte (Vater bekommt Wohnrecht auf Lebenszeit) und ich wiederum meine Geschwister dem Gegenteilwert entsrpechend ausbezahlen werde.

Soweit so gut, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob das von Seiten des Erbrechts so überhaupt lösbar ist?! NIcht das ich meinen Geschwistern was unterstellen möchte, aber wer weiß, ob in zehn oder fünfzehn Jahren, oder schon gleich dann wenn mein Vater verstorben ist, nicht doch noch irgendwelche Ansprüche geltend gemacht werden könnten. Von wegen Wertzuwachs usw?!
Ist das gesetzl. mgl. so etwas notariell zu fixieren, und gewissermaßen das Erbe so umzuverteilen. De Fakto erhalten meine Geschwister ja nichts von meinem Vater, sondern nur von mir.
Ferner: Was passiert wenn ich vorher sterbe und meine Frau erbt, wer zahlt dann meine Geschwister aus?

Danke für die Antworten im Voraus.

-- Editiert von MCF am 15.08.2006 12:05:29

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Nicht genau ihre Frage? Wir haben 310 weitere Fragen zum Thema
Haus Vater Lebzeiten


6 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(25073 Beiträge, 358x hilfreich)

Ja, es ist möglich, so etwas in einem notariellen Vertrag festzulegen.

Da die Notargebühren ohnehin eine Beratung umfassen, solltest Du dem Notar Deine Sorgen mitteilen und um entsprechende Berücksichtigung im Vertrag bitten.

Auch was passieren soll, wenn Du vorher stirbst, kann festgelegt werden.

Der Vertrag sollte dann von allen Beteiligten unterschrieben werden.

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#2
 Von 
Nachtschwaermer
Status:
Schüler
(324 Beiträge, 0x hilfreich)

Außerdem könnte man, um den Fragen, was das Haus bei der Übertragen wert gewesen ist, eine Wertermittlung machen lassen. Kostet zwar zusätzlich Geld, wäre aber eine Zahl, die ein Neutraler ermittelt, die dann die Basis für Ausgleichszahlungen ist.

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#3
 Von 
MCF
Status:
Frischling
(22 Beiträge, 0x hilfreich)

@hh: Danke für die Info.
Werde ich tun.
Eine Frage noch, die mir rein von der Logik her, sehr schwierig zu durchdringen zu sein scheint:
Mir wird das Haus überschrieben, aber es wird nicht geregelt, was passiert, wenn ich vorher sterbe und meine Frau von mir erbt.
Konkret gesagt: Gemäß Testament müsste ich zb meinen Geschwistern je 50000 EUR zahlen. Jetzt sterbe ich, meine Frau erbt das Haus, und meine Geschwister bekommen jetzt nichts?!

(Nicht das mich meine Frau noch um die Ecke bringt:-)
Spaß beiseite, wenn das nicht geregelt wäre, haben die dann noch einen Anspruch? Oder haben die dann Pech? Und was wäre, wenn deren Auszahlung nicht geregelt wäre oder der Wert des Hauses per Gutachter bestimmt wäre. Wann können die dann ihren Anspruch geltend machen, wenn ich vorher sterbe und mein Vater lebt noch, ab wann haben die denn einen Anspruch?


@Nachtschwärmer: Ebenfalls THanks

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#4
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(25073 Beiträge, 358x hilfreich)

Ohne gesonderte Regelung wird dieser Auszahlungsanspruch der Geschwister im Fall Deines Todes an Deine Erben (Deine Frau?)vererbt.

Die Wertbestimmung des Hauses per Gutachter hat übrigens auf die Höhe des Auszahlungsbetrages keinen Einfluss, wenn dieser vorher in einem notariellen Vertrag festgelegt wurde.

Wenn sich also alle Seiten ohne Gutachter auf einen Vertrag einigen können, dann ist dieser auch nicht erforderlich. Mit Gutachter haben aber wahrscheinlich alle ein besseres Gefühl.

Die Zahlung an die Geschwister sollte nicht per Testament festgelegt werden, sondern per Erbvertrag. Bei einer testamentarischen Festlegung könntest Du hingehen und das Erbe ausschlagen. Dann müsstest Du Deine Geschwister auch nicht auszahlen.

Der Zeitpunkt der Auszahlung wird in so einem Erbvertrag festgelegt. Er ist frei wählbar. Man kann auch eine sofortige Zahlung vereinbaren.

Ohne jegliche Auszahlungsregelung hätten die Geschwister innerhalb von 10 Jahren nach der Übertragung einen Pflichtteilergänzungsanspruch (1/2 des gesetzlichen Erbteils, also je 1/6 des Hauswertes zum Zeitpunkt der Übertragung). Der Anspruch besteht erst, wenn Dein Vater verstirbt.

Nach Ablauf von 10 Jahren besteht kein Anspruch mehr. Das Wohnrecht wird dabei noch gesondert behandelt.

Ein solches Vorgehen würde von Deinen Geschwistern aber zu Recht als sehr ungerecht empfunden. Daher würde ich dringend eine umfassende Regelung durch einen notariellen Übertragungs- und Erbvertrag empfehlen, die auch von Deinen Geschwistern mit unterschrieben wird.

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#5
 Von 
MCF
Status:
Frischling
(22 Beiträge, 0x hilfreich)

@hh

vielen herzlichen Dank dass du dir Zeit für so eine umfassende Antwort genommen hast.

Werde mich nun umfassend informieren und das in die Wege leiten.

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#6
 Von 
sika0304
Status:
Schlichter
(7932 Beiträge, 37x hilfreich)

Und wenn ein Wohnrecht für den Vater vereinbart wird, schmälert dass ja den Wert (für dich). Gleichzeitig solltet ihr dann auch festlegen, ob du oder dein Vater für Kosten (Grundsteuer, Renovierungen, Sanierungen usw) verantwortlich ist.

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