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Fahrlässigkeit-aber welche

4.11.2009 905 Aufrufe Thema abonnieren
 Von 
lauter-heinerbach
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)
Fahrlässigkeit-aber welche

Hallo,
es geht um einen Unfall mit meinem privaten Fahrzeug auf einer Dienstfahrt. Nachdem ich mit meiner Haftpflicht den Schaden der Unfallgegnerin beglichen habe, fordert der AG von mir, einen Beitrag für die Selbstbeteiligung der Kasko-Versicherung zu bezahlen.
Diesen Betrag muss ich aber wenn überhaupt, nur dann bezahlen, wenn eine mittlere oder grobe Fahrlässigkeit vorliegt.
Meiner Meinung und nach allem was ich gelesen habe, besteht aber eine leichte Fahrlässigkeit, oder?:
Ich bin mit einer quängelnden, betreuten Jugendlichen auf eine Kreuzung zu gefahren, dort war rot, es standen bereits einige Autos davor. Es waren zwei Spuren in meine Richtung vorhanden. Da die rechte Schlange deutlich kürzer war, habe ich nach dem Blick in den Rückspiegel und Blinkersetzen die Spur gewechselt. Leider habe ich, wohl im toten Winkel, ein Pkw übersehen, welcher mir dann in den vorderen Kotflügel gefahren ist. Polizei wurde nicht gerufen, ich habe wie gesagt den Unfall über meine Haftpflicht genommen.
Blöd, wegen ohne Polizei, im Nachhinein.
Aber was nun? leichte Fahrlässigkeit? ich gebe zu bedenken, die Gefahrengeneigtheit der Tätigkeit, schließlich begiebt man sich als Arbeitnehmer in ein erhötes Risiko, nimmt man am motorisierten Strassenverkehr teil. Mit im Auto, verhaltensauffällige Jugendliche.
Das Übersehen des Fahrzeugs, trotz Blickes in den Rückspiegel und Blinken ist doch eine Verletzung der Sorgfalt die jedem passieren kann? leicht fahrlässig oder?
Ich würde mich sehr über Hilfe freuen. Ich bin nämlich wirklich nicht bereit den Schaden zu bezahlen, so als Dank mein eigenes AUto zur Verfügung gestellt zu haben...
Vielen Dank im Voraus.

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9 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
Die_Schulz
Status:
Praktikant
(945 Beiträge, 28x hilfreich)

Da man lt. StVO die Spur nur dann wechseln darf, wenn eine Gefährdung des restlichen Verkehrs *ausgeschlossen* ist und du außerdem den toten Winkel nicht durch Schulterblick (wie in jeder Fahrschule gelehrt) vermieden hast, dürfte es keine leichte Fahrlässigkeit mehr sein.

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#2
 Von 
guest-12311.10.2014 11:33:25
Status:
Senior
(6015 Beiträge, 185x hilfreich)

Mit dieser Argumentation würde es keine Unfälle aufgrund leichter Fahrlässigkeit geben. Ich kann bei einer solchen Unfallsituation keine grobe Fahrlässigkeit, sondern nur einen alltäglichen Fahrfehler und somit einfache Fahrlässigkeit erkennen.

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"Nachfragen bitte im Forum stellen. Entsprechende PNs werde ich ab sofort nicht mehr beantworten."

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#3
 Von 
lauter-heinerbach
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)

hallo nochmal,
erstmal danke für die Antwort.
Der Schulterblick wurde angewandt, dass habe ich wohl vergessen zu schreiben. Bloß saß die Unfallgegnerin in einem flachen Mazda-Cabrio, ich in einem Auto mit relativer hoher Schulterlinie, also Türen, d.h. sie war für mich in diesem Moment (Februar, schon dunkel, regennass, etc.) nicht zu sehen.
Bloß kann man doch derlei Dinge im Nachhinein sicher nicht mehr beweisen...bzw. bin ich denn verpflichtet dies zu beweisen?
Letzte Info noch: Wir sind sehr langsam gefahren, es passierte beim Heranrollen an eine Kreuzung, es waren weniger als 30 km/h. Falls dies noch von Relevanz sein sollte...
Es ist mir klar, dass ich in einem Forum die Frage nicht abschließend klären kann, aber vielleicht kann man ja eine Tendenz feststellen.
Danke nochmal..


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#4
 Von 
guest-12311.10.2014 11:33:25
Status:
Senior
(6015 Beiträge, 185x hilfreich)

quote:
bzw. bin ich denn verpflichtet dies zu beweisen?
Nein. Es ist vollkommen egal ob Du den Schulterblick gemacht hast oder nicht. Du hast sie übersehen und es kam zum Unfall. So lange Du nicht mit etwas anderem als Autofahren beschäftigt gewesen bist bleibt es bei einer einfachen Fahrlässigkeit.

Etwas anderes wäre es wenn Du etwas in einer Aktentasche oder dem Handschuhfach gesucht hättest oder sonstwie anderweitig als mit dem Autofahren beschäftigt gewesen wärest.

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"Nachfragen bitte im Forum stellen. Entsprechende PNs werde ich ab sofort nicht mehr beantworten."

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#5
 Von 
Klagdichreich
Status:
Bachelor
(3118 Beiträge, 27x hilfreich)

Ich kann Sie auch dahingehend beruhigen, dass es ein klassischer Fall von Fahrlässigkeit ist. (Bitte die Begriffe "leicht" und "mittel" im Zusammenhang mit Fahrlässigkeit aus dem Gedächtnis streichen - die gibt es nicht und verwirren nur.)

Allgemein wird Fahrlässigkeit im Straßenverkehr definiert mit: "Fahrlässig handelt, wer die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer acht lässt"

Grobe Fahrlässigkeit setzt allerdings voraus, dass die erforderliche Sorgfalt "in besonderem Maße" ausser Acht gelassen wird. Ein Beispiel wurde von Freudenfeuer genannt. Denkbar wären auch abgefahrene Reifen, stark überhöhte Geschw. oder Alkohol.

Ihr Unfall ist schlicht DER KLASSIKER für Fahrlässigkeit. Hier gibt es eigentlich nix zu diskutieren. Im Übrigens haben Sie eine starke Argumentationsgrundlage, wenn Sie sich auf Schadensbegleichung durch die Kaskoversicherung beziehen. Diese wäre bei Grober FL nämlich nicht zur Zahlung verpflichtet und würde das wohl auch nicht tun.



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"Niveau sieht nur von unten aus wie Arroganz."

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#6
 Von 
guest-12316.11.2009 09:23:59
Status:
Schüler
(260 Beiträge, 4x hilfreich)

--- editiert vom Admin

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#7
 Von 
lauter-heinerbach
Status:
Frischling
(3 Beiträge, 0x hilfreich)

vielen Dank.
jetzt habe ich verstanden, warum einerseits argumentiert wird leicht, mittel, schwer gibts nicht bzw. gibts. der unterschied ist der bereich des arbeitsrecht.
die arbeitsrechtlichen grundlagen sind mir bekannt, nur fehlten mir die informationen zu den verkehrsrechtlichen einschätzungen.
vielen dank für die hilfreichen antworten.
grüße


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#8
 Von 
Klagdichreich
Status:
Bachelor
(3118 Beiträge, 27x hilfreich)

Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich mal irre aber ich muss renner9 zustimmen. :)

Im Arbeitsrecht unterteilt die Rechtssprechung tatsächlich nach leichtester, mittlerer und grober FL.

Nachdem ich mich unter diesem neuen Aspekt noch einmal schlau gemacht habe, komme ich auch zu dem Schluß, dass mittlere FL vorliegt und eine Kostenteilung zwischen AG und Ihnen in Frage kommt. Möchte Ihr AG, dass Sie die komplette SB zahlen oder nur einen Teil?

Falls ersteres, so würde ich ihm vorhalten, dass "die objektive Gefährlichkeit der Arbeit (ihre "Gefahrgeneigtheit")" zu Ihren Gunsten berücksichtigt werden muss. Eine Teilnahme am Straßenverkehr besitzt m. E. solch ein Gefahrenpotenzial.

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"Niveau sieht nur von unten aus wie Arroganz."

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#9
 Von 
guest-12316.11.2009 09:23:59
Status:
Schüler
(260 Beiträge, 4x hilfreich)

--- editiert vom Admin

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