Erste Hilfe in Rechtsfragen seit 2000.
11.010 Ratgeber, 1.664.305 Forumsbeiträge, 153.248 Rechtsberatungen
415.133
Registrierte
Nutzer
Anwalt? Hier lang4 Anwälte online

Forum Erbrecht

Erbschaftspflichtteil bei Enkeln

13.2.2004 11662 Aufrufe Thema abonnieren
 Von 
Dirk.A
Status:
Frischling
(7 Beiträge, 0x hilfreich)
Erbschaftspflichtteil bei Enkeln

Die Oma meiner Frau ist verstorben und es gibt keine anderen Erben mehr außer 3 Enkel.
Die Schwester meiner Frau wurde als testamentarische Alleinerbin bedacht.
Wie hoch ist der Pflichtteil der beiden testamentarisch nicht bedachten Enkel bei einem fiktiven Erbe von 60000€?
Weiterhin wäre für die Durchsetzung des Pflichtteils ein Anwalt von Nöten.
Mit welchen Anwaltskosten ( Stundensatz u.ä.) ist zu rechnen, bzw. wie sieht es mit etwaigen Verfahrenskosten aus?
Des weiteren möchte ich noch erwähnen, dass meine Frau ihre Oma seit ca. 30 Jahren nicht mehr sah. Ist dies relevant für den Pflichtteil?

Fragen über Fragen...

...und über Antworten wäre ich sehr erfreut! Vielen Dank für's Lesen!

Dirk

Verstoß melden



8 Antworten
Sortierung:
#1
 Von 
JuYa
Status:
Schüler
(368 Beiträge, 1x hilfreich)

Hallo Dirk,

wie lange Deine Frau ihre Oma nicht gesehen hat, ist irrelevant. Und der Pflichtteil beträgt immer die Hälfte vom gesetzlichen Erbteil; in Deinem Fall sähe die Rechnung also so aus:

60.000 : 3 Enkel = 20.000/Enkel

20.000 : 2 = 10.000 Pflichtteil/Enkel

Deine Frau und der dritte Enkel Erben also je 10.000 Euro, die Alleinerbin 40.000 Euro.

Gruß

Julia

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#2
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(25145 Beiträge, 570x hilfreich)

Hallo Julia,

bitte Vorsicht bei Deiner Rechnung. Es kommt auf die genauen Verwandtschaftsverhältnisse an.

Wieviele Kinder hatte die Oma?

Die Enkel treten nämlich an die Stelle der Kinder. Wenn Deine Oma 2 Kinder hatte, von denen wiederum eines ein Kind und das andere 2 Kinder hat (insgesamt 3 Enkel), dann ist der gesetzliche Anteil für den Einzelenkel 1/2 und für die anderen beiden Enkel je 1/4.

Der Pflichtanteil ist jeweils die Hälfte des gesetzlichen Anteils.

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#3
 Von 
Dirk.A
Status:
Frischling
(7 Beiträge, 0x hilfreich)

Die Oma hatte zwei Söhne (beide verstorben); diese wiederum 1x1 Sohn und 2x1 Tochter.
(Eine der beiden Töchter ist die Alleinerbin.)
Die 3 Enkel sind die noch einzigen lebenden Abkömmlinge der Oma.
Also träfe dann der von "hh" geschriebene Beitrag zu, d.h. 7500€ Pflichtteil?
Doch hierzu direkt die nächste Frage:
Heißt Pflichtteil auch etwaige Pflichtschulden?Die Alleinerbin ist verpflichtet, den Pflichtteilberechtigten Auskunft über das gesamte "Erb"-Vermögen zu geben. Ist sie denn auch verpflichtet, etwaige Schulden anzugeben? Denn man steht schließlich - bei Annahme dieser "Altlasten" nicht nur mit dem Erbe, sondern auch mit seinem Privatvermögen gerade. (Die Alleinerbin sagt, es wären keine Schulden vorhanden. Doch was ist diese mündliche Aussage im Fall der Fälle wert?) Also besser eine schriftliche!? Nur, muss diese schriftliche Aussage der Schuldenfreiheit notariell beglaubigt sein?
Reicht DAS aus? Wie kann sich meine Frau vor dann doch noch auftauchenden Schulden schützen?

Vielen Dank für Euren bisherigen Antworten und auch vielen Dank für's Lesen!

Gruss...

Dirk

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#4
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(25145 Beiträge, 570x hilfreich)

Wenn sich hinterher herausstellt, dass die Oma Schulden hatte, dann kann man das Erbe immer noch ausschlagen.

Die Ausschlagungsfrist beginnt erst mit der Kenntnis der Schulden. Eine notarielle Beglaubigung ist nicht erforderlich.

Die Schwester der Alleinerbin bekommt 7.500€ als Pflichtteil. Der einzelne Enkel bekommt 15.000€ als Pflichtteil.

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#5
 Von 
JuYa
Status:
Schüler
(368 Beiträge, 1x hilfreich)

Sorry Dirk,

da war ich beim Lesen wohl etwas zu schnell... Zum Glück hat hh das Ganze aber noch richtig gestellt. Danke :)

Julia

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#6
 Von 
Dirk.A
Status:
Frischling
(7 Beiträge, 0x hilfreich)

Erst einmal vielen Dank für Eure Antworten!

Jedoch...
...da wäre noch etwas:

"hh" schrieb:
"Die Ausschlagungsfrist beginnt erst mit der Kenntnis der Schulden."

Nehmen wir einmal an, der Pflichtteil wurde ausgezahlt. Erst geraume Zeit später (nach Wochen oder sogar Monaten) wird etwas über doch noch vorhandene Schulden bekannt. Eine gewisse Summe des Pflichtteils wurde schon anderweitig verwendet. Kann ich, da ich ja jetzt erst von den Schulden erfuhr, doch noch die Erbschaft ausschlagen? (Ich nehme an, wenn ja, muss auch das bisher ausgegebene Geld zurückbezahlt werden.) Wie lange - nach Auszahlung des Pflichtteils - muss ich überhaupt noch die Geltendmachung von Schulden hinnehmen?

Vielen Dank für Eure Mühe und viele Grüße,

Dirk

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#7
 Von 
JuYa
Status:
Schüler
(368 Beiträge, 1x hilfreich)

Hallo Dirk,

so wie ich den § 1943 BGB verstehe, kann man nicht nachträglich ausschlagen, wenn man einmal das Erbe angetreten hat. Du hättest Dich vor Annahme des Erb-/Pflilchtteils vergewissern müssen, ob für Dich Ausschlagungsgründe vorliegen.

Was die Schulden angeht, so musst Du meines Wissens nach auch nur zu dem Anteil dafür haften, wie Du geerbt hast. Da bin ich mir allerdings nicht ganz sicher. (Gesamtrechtsnachfolge? Gesamtschuldnerische Haftung?)

Gruß

Julia

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

#8
 Von 
Dirk.A
Status:
Frischling
(7 Beiträge, 0x hilfreich)

Hallo Julia,

ich verstehe dies auch so,
deshalb möchten wir uns auch vor Annahme des Pflichtteils über etwaige Schulden informieren.
(Siehe auch meinen Beitrag vom 16.02. Ich zitiere:

...Die Alleinerbin ist verpflichtet, den Pflichtteilberechtigten Auskunft über das gesamte "Erb"-Vermögen zu geben. Ist sie denn auch verpflichtet, etwaige Schulden anzugeben? ...

...(Die Alleinerbin sagt, es wären keine Schulden vorhanden. Doch was ist diese mündliche Aussage im Fall der Fälle wert?)...)

Gilt die zugesagte mündliche Schuldenfreiheit? Oder sollte man sich dieses von der Alleinerbin schriftlich bestätigen lassen. (evt. beglaubigt?).

Was ist, wenn NACH Annahme (aufgrund der von der Alleinerbin zugesicherten Schuldenfreiheit) des Pflichtteils dann doch noch Schulden bekannt werden?

Unser Anliegen ist es, VORAB die Gewissheit zu haben/erhalten, KEINE Schulden als Pflichtteil mit zu übernehmen, um dann evt. auch noch mit dem Privatvermögen zu haften.


Vielen Dank und freundliche Grüße,

Dirk

0x Hilfreiche Antwort Verstoß melden

Erbe geworden, was jetzt?
Die Antworten findet ihr hier:


Erben

Ein Erbe übernimmt Rechte und Verpflichtungen - also etwa auch Schulden - des Verstorbenen. Wann ist man Erbe, was muss man im Falle einer Erbschaft tun und kann man ein Erbe auch ausschlagen? Kann man enterbt werden? Auf 123recht.net bekommen Sie umfassende Antworten durch Ratgeber oder Anwälte im Erbrecht. mehr

Grundprinzipien des Erbrechts - Von Ordnungen und Pflichtteilen

Wissen Sie schon, wem Ihre Ersparnisse später einmal zukommen sollen? Und wenn die Aufteilung Ihres Vermögens klar ist, wie halten Sie Ihren Willen wirksam fest? mehr

Erbe geworden – wie geht’s weiter?

(von M.C. Neubert) Wenn ein naher Angehöriger, womöglich noch unerwartet plötzlich, verstirbt, ist das meist ein schwerer Schicksalsschlag. Man hat dann schon genug damit zu tun, seine Trauer zu verarbeiten und eventuell die Beerdigung zu organisieren... mehr

Der Erbfall - Was muss ich tun?

Wenn ein Angehöriger stirbt: Die wichtigsten Fragen und Antworten zu Beerdigung, Testament, Erbschein und Nachlassgericht / Ein geliebter Mensch ist verstorben, doch neben der Trauer müssen viele Dinge geklärt werden. mehr