Prozess wegen Mordversuchs an Mohammed-Karikaturist
AFP VOM 19.1.2011 | Nachrichten - Allgemein | 729 Aufrufe Mehr zum Thema:Karikaturen
29-jähriger Somalier in Dänemark vor Gericht
Mehr als ein Jahr nach dem vereitelten Mordanschlag auf den dänischen Mohammed-Karikaturisten Kurt Westergaard hat in Dänemark der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter begonnen. Der 29-jährige Somalier muss sich seit heute wegen versuchten Mordes, Angriffs auf einen Polizisten sowie wegen eines versuchten Terrorakts verantworten. Er bestritt jede Mordabsicht und sagte, er habe Westergaard nur erschrecken wollen.
"Ich war frustriert und irritiert von seinen Kommentaren", sagte der Mann vor dem Gericht im westdänischen Aarhus auf Dänisch. "Ich wollte ihn erschrecken, aber nicht töten." Sich selbst beschrieb er als Muslim, der den Vorgaben des Islam folge, regelmäßig bete und in die Moschee gehe.
Der 29-Jährige muss sich zudem wegen illegalen Waffenbesitzes verantworten. Sollte er in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen werden, droht ihm lebenslange Haft. "Mein Mandant erkennt nur den Vorwurf des illegalen Waffenbesitzes und des Einbruchs an", sagte sein Anwalt Niels Strauss.
Der Angreifer war am 1. Januar 2010 mit einer Axt und einem Messer bewaffnet in Westergaards Haus in Aarhus eingedrungen. Westergaard konnte sich in Sicherheit bringen und die Polizei rufen. Als diese eintraf, warf der Eindringling seine Axt auf einen der Beamten und ging mit dem Messer auf die Polizisten los, die ihn mit Schüssen verletzten und überwältigten.
Westergaard war wegen einer Karikatur des Propheten Mohammed, die diesen mit einem Turban in Form einer Bombe zeigte, weltbekannt geworden. Die dänische Zeitung "Jyllands-Posten" hatte die Zeichnung 2005 veröffentlicht und damit einen Sturm der Entrüstung in der muslimischen Welt ausgelöst.
Westergaard selbst schilderte den Überfall am 1. Januar vergangenen Jahres gegenüber AFP so: "Er schlug die Haustür mit der Axt ein, zerschmetterte Fernseher und Computer im Wohnzimmer und schrie auf Dänisch, dass er mich töten werde, weil ich den muslimischen Propheten beleidigt habe." Er wolle den Angriff des Täters nicht entschuldigen, sagte Westergaard. "Aber ich möchte verstehen, weshalb er so weit gegangen ist. Vielleicht wurde er manipuliert."
Der Angeklagte selbst gab zu, eine Axt besessen zu haben, weil er einem Freund habe helfen wollen, einen Baum zu fällen. "Ich habe sie mit nach Aarhus genommen, weil ich so sauer auf Westergaard war und ihm die Tür einschlagen wollte, um ihn zu sprechen", sagte er. Der Mann soll nach Erkenntnissen des dänischen Geheimdienstes Verbindungen zur somalischen Shebab-Miliz und zu Vertretern von El Kaida in Ostafrika haben.
19.01.2011 - 15:01 Uhr
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