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Ex-Elf-Chef zu fünf Jahren Haft verurteilt

AFP VOM 11.11.2003 | Nachrichten - International | 4711 Aufrufe
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Elf, Leuna

Strafe auch für Dieter Holzer wegen Leuna-Affäre

Im Schmiergeld-Prozess um den französischen Ölkonzern Elf ist das Führungstrio um den einstigen Firmenchef Loïk Le Floch-Prigent am Mittwoch zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Ein Pariser Gericht sah es als erwiesen an, dass sich der 60-jährige Le Floch-Prigent Anfang der 90er Jahre der Veruntreuung von Firmenvermögen schuldig gemacht hatte. Er erhielt fünf Jahre Haft und soll zudem 375.000 Euro Strafe zahlen. Der einstige Elf-"Schattenmann" Alfred Sirven wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt; der Ex-Manager André Tarallo, der für die Verbindungen des Ölkonzerns nach Afrika zuständig war, erhielt eine vierjährige Haftstrafe.

In dem Pariser Mammutprozess ging es um insgesamt gut 300 Millionen Euro, die auf dubiose Weise aus den Kassen des einstigen Staatskonzerns verschwunden waren. Der 76-jährige Sirven soll überdies eine Million Euro Strafe zahlen, der gleichaltrige Tarallo soll zwei Millionen Euro Strafe zahlen. Tarallo war als einziger der drei Hauptangeklagten bislang auf freiem Fuß; Le Floch-Prigent und Sirven hatten dagegen bereits in einem ersten Prozess Haftstrafen erhalten.

Zwei weitere Ex-Manager erhielten vom Pariser Gericht jeweils drei Jahre Haft. Der frühere Direktor des Elf-Konzerns für Öl-Erkundungsbohrungen, Alain Guillon, sollte wie die drei Hauptangeklagten sofort nach der Urteilsverkündung ins Gefängnis geführt werden. Er hatte der Anklageschrift zufolge innerhalb weniger Monate umgerechnet gut 15 Millionen Euro aus der Konzernkasse für sich selbst beiseite geschafft. Der einstige Chef des Textilunternehmens Bidermann und enge Freund von Le Floch-Prigent, Maurice Bidermann, erhielt zwei Jahre seiner dreijährigen Strafe zur Bewährung ausgesetzt. Er soll eine Million Euro Strafe zahlen.

Bei dem nun abgeschlossenen Verfahren wurden auch mutmaßliche Schmiergeldzahlen beim Kauf der ostdeutschen Leuna-Raffinerie 1993 erstmals vor Gericht ausgebreitet. Insgesamt wurden 37 Angeklagte, unter ihnen der deutsche Geschäftsmann Dieter Holzer und dessen französischer Partner bei dem Leuna-Geschäft, der Ex-Spion Pierre Lethier, sowie zahllose Zeugen zu den Vorwürfen der Korruption und Veruntreuung befragt. Für Holzer hatte die Staatsanwaltschaft zwei Jahre Haft und eine Strafe von zwei Millionen Euro gefordert.

Für den an Milliarden-Subventionen gekoppelten Kauf der Leuna-Raffinerie und des ostdeutschen Minol-Tankstellennetzes hatten Holzer und Lethier 1993 umgerechnet 39 Millionen Euro kassiert. Vor Gericht hatten beide dies als branchenübliche Beraterhonorare bezeichnet und den Verdacht zurückgewiesen, mit dem Geld seien deutsche Parteienvertreter geschmiert worden. Holzer und Lethier konnten den Pariser Justizpalast zunächst als freie Leute verlassen: Die Haftbefehle gegen sie sollten erst vollstreckbar werden, wenn das Urteil nicht innerhalb der vorgeschrieben Frist angefochten und damit rechtskräftig wird.

12. November 2003 - 15.38 Uhr




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Seiten in diesem Artikel:
Seite 1: Ex-Elf-Chef zu fünf Jahren Haft verurteilt
Seite 2: Ex-Elf-Manager Tarallo kündigt Berufung gegen Haftstrafe an
Seite 3: Hintergrund: Urteil im deutsch-französischen Schmiergeld-Prozess

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