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Ex-Guantanamo-Häftling in Frankreich erwägt Klage gegen USA

AFP VOM 26.5.2009 | Nachrichten - Nachrichten | 452 Aufrufe
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Guantanamo

Gebürtiger Algerier war über sieben Jahre in US-Lager inhaftiert

Der erste in Frankreich aufgenommene Guantanamo-Häftling ist noch nicht sicher, ob er die Vereinigten Staaten wegen seiner sieben Jahre dauernden Gefangenschaft verklagen wird. Diese Entscheidung werde er in Absprache mit seinen US-Anwälten treffen, sagte der aus Algerien stammende Lakhdar Boumediene der französischen Tageszeitung "Le Monde" vom Mittwoch. "Ich war nie islamistisch", betonte der 43-Jährige, der erst vor zehn Tagen aus dem berüchtigten Gefangenenlager der US-Armee auf Kuba entlassen worden war.

Frankreich hatte sich als erstes europäisches Land bereiterklärt, einen ehemaligen Häftling aus Guantanamo aufzunehmen, der weder die französische Staatsbürgerschaft besitzt noch einen Wohnsitz in Frankreich hat. Boumediene war im Herbst 2001 zusammen mit fünf anderen Algeriern als Terrorverdächtiger in Bosnien festgenommen worden, wo er nach eigenen Angaben für den Roten Halbmond gearbeitet hatte, das muslimische Gegenstück zum Roten Kreuz. Nach mehr als sieben Jahren Haft befand ein Richter des Obersten Gerichtshof der USA im November, dass er unschuldig ist.

Er habe seine Heimat im Jahr 1990 verlassen, weil die Arbeit in einer Zementfabrik seiner Gesundheit geschadet habe, sagte Boumediene. Von Algerien sei er zunächst in den Jemen gegangen, wo er sich an der Universität eingeschrieben und Kurse beim französischen Kulturinstitut belegt habe. Von dort sei er über einen zweijährigen Aufenthalt in Pakistan nach Albanien zum Roten Halbmond und schließlich nach Bosnien gelangt. Offenbar sei ihm der Aufenthalt in Pakistan zum Verhängnis geworden, sagte der gebürtige Algerier, dem die bosnische Staatsbürgerschaft nach der Festnahme aberkannt worden war.

Der ehemalige Häftling berichtete, im Februar 2003 habe ihn das US-Militär in Guantanamo 16 Tage und Nächte lang verhört, mit nur wenigen Stunden Unterbrechung. Seine "Kerkermeister" hätten Informationen "über die wohltätigen muslimischen Vereinigungen in Bosnien" von ihm gewollt. "Aber dazu wusste ich nichts." Weil er in den beiden letzten Jahren seiner Haft im Hungerstreik war, sei er zwangsernährt worden, sagte Boumediene. Morgens um sechs Uhr kamen die Wächter demnach in seine Zelle und brachten ihn in einen Raum, wo sie ihn mit gefesselten Händen und Füßen auf einen Stuhl setzten. Über einen Schlauch durch die Nase hätten die Aufseher ihm dann Nahrung zugeführt.

26. Mai 2009 - 16.44 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2009




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