Gericht kippt Millionenentschädigung an Tapie wegen Adidas-Verkaufs
AFP VOM 9.10.2006 | Nachrichten - Nachrichten | 1352 Aufrufe Mehr zum Thema:Tapie, Adidas
Pariser Kassationsgericht verweist Fall zurück an Vorinstanz
Der französische Geschäftsmann Bernard Tapie bekommt wegen des umstrittenen Verkaufs des Sportartikelherstellers Adidas bis auf weiteres keine millionenschwere Entschädigung des französischen Staates. Der Kassationsgerichtshof in Paris lehnte dies am Montag ab und verwies den Fall wegen Beurteilungsfehlern erneut an das Pariser Berufungsgericht. Dieses hatte Tapie im September vergangenen Jahres 135 Millionen Euro zugesprochen. Der Geschäftsmann hatte Adidas 1993 an die damalige Staatsbank Crédit Lyonnais (CL) verkauft, die den Sportartikelkonzern kurz danach mit sattem Profit an den Industriellen Robert-Louis Dreyfus weiterveräußerte. Tapie hatte der Bank vorgeworfen, ihn wissentlich übervorteilt zu haben.
Das Berufungsgericht hatte es als erwiesen angesehen, dass die Bank schon bei der Übernahme von Tapies Anteilen für 318 Millionen Euro wusste, dass sie die Firma zum doppelten Preis an Dreyfus weiterverkaufen konnte. Darüber hätten die Bankiers Tapie laut dem Berufungsgericht informieren müssen, der seit 1977 zu ihren Kunden zählte. Der Kassationsgerichtshof konnte dagegen nun "keinerlei Fehler" auf Seiten von Crédit Lyonnais erkennen.
Der schillernde Tapie war nach zahlreichen wirtschaftlichen Fehlschlägen 1994 von den Steuerbehörden unter Zwangsaufsicht gestellt worden. Weil er für den Fußballclub Olympique Marseille den Sieg in einem Erstliga-Spiel mit Schmiergeldern erkauft hatte, saß er gut fünf Monate im Pariser Santé-Gefängnis ein. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere war er 1992 unter Präsident François Mitterrand kurzfristig auch Minister für Städtebau.
9. Oktober 2006 - 15.57 Uhr
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