Inhalt nach Themen
Frau am Steuer - 1/1
del vom 23.11.2005   11984 Aufrufe    Leserwertung: 0,0 (0 User)
Rubrik: Editorial - Kommentiert

Frau am Steuer

Wird Angela Merkel die politische Jutta Kleinschmidt?

Viele Männer haben Vorbehalte, wenn Frauen am Lenkrad eines Wagens sitzen. Vorurteile halten sich hartnäckig, auch wenn etliche Statistiken Frauen als bessere Autofahrer preisen. Männer stören diese Zahlenspiele anscheinend wenig. "Die können ja noch nicht einmal einparken", heißt es dann lapidar.




Nun sitzt eine Frau erstmals in der Geschichte am Steuer unseres Landes - Angela Merkel ist Bundeskanzlerin. Wird sie eine sichere Fahrerin sein, die den Wagen souverän durch deutsches und internationales Gelände lenkt?

Ausgestiegen - oder wohl eher abgesprungen aus der Fahrgastzelle - ist Gerd Schröder. Er war ein alles andere als passiver Fahrer. Mit den Sätzen "Ich will hier rein!" fuhr er ins Kanzleramt, umging rücksichtslos diverse Staus, Einbahnstraßen und Wegsperren.

Mehr zum Thema:
Angela   Merkel   Bundeskanzlerin   Bundeskanzler  

Einmal auf der Überholspur, ließ er sich nicht vom Weg abbringen und alle anderen Verkehrsteilnehmer deutlich wissen, wer das Sagen hat. Mit Lichthupe, Drängeln, Ausbremsen und französischem und russischen Geleitschutz blieb er unbeirrbar in der Spur. Langjährige Mitfahrer, die die Route in Frage stellten, wurden aus dem Auto geworfen. Alte Freunde, die auf Truppenübungsplätzen mit klobigen amerikanischen Fahrzeugen Polizei spielten, wurden links liegengelassen. Anhalter? Ein paar chinesische vielleicht.

Gleichzeitig war Gerhard aber auch ein vorausschauender Fahrer. Er erkannte unbegehbares Gelände und befuhr erstmals Straßen, die vorher als unbefahrbar galten. Wege, die keiner in seinem Navigationssystem hatte. Es hagelte Kritik aus den Teilen der Bevölkerung, an denen jetzt vorbeigerauscht wurde. Aber auch Lob, denn letztendlich waren Gerds Straßen die mit den größten Chancen auf einen Zieleinlauf. Zumindest irgendwann im Jahre 2010.

Nun also Angela Merkel. Wie wird Sie den Wagen manövrieren? Mit harter Hand, oder mit Fingerspitzengefühl? Wer wird auf der Strecke bleiben? Welche Änderungen in ihrer Kolonne wird es geben? Wird sie vor den amerikanischen Autofahrern weiter uneingeschränkt einen Kniefall machen? Kann sie die neu erschlossenen Routen des Vorgängers ausbauen? Braucht sie einen Abschleppwagen, oder wird sie die vermeintliche Männerwelt dominieren, so wie einst Jutta Kleinschmidt die Rallye Paris-Dakar?

Viele sagen der Neuen hinter dem Steuer ja bereits eine schnelle Reifenpanne oder einen vorzeitigen Fahrerwechsel voraus. Allerdings könnte hier wieder einmal eine Frau unterschätzt werden. Dann sehen ihre männlichen Kollegen nur noch ihren Hinterreifen und husten im zurückbleibenden Staub. Wer weiß, am Ende kann sie ihren Wagen vielleicht sogar galant einparken. Das zumindest konnte ihr Vorgänger definitiv nicht. Er stürzte sich urplötzlich aus dem fahrenden Auto und rannte anschließend weinend und mit breiter Brust hinter dem allein gelassenen Karren hinterher.

"I did it my way", spielte das Orchester bei Schröders Zapfenstreich. Angela Merkel does it her way. Soviel ist gewiss.

Leserwertung: 
0,0 (von 0)
 Thema bewerten!


Lesezeichen hinzufügen:
Seiten in diesem Artikel:
  • 1) Frau am Steuer