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Zeugen relativieren Aussage zu Gewaltbereitschaft Motassadeqs

AFP VOM 4.12.2002 | Nachrichten - Aktuelle Prozesse | 23124 Aufrufe
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Motassadeq

Im Prozess gegen den mutmaßlichen Komplizen der Attentäter vom 11. September, Mounir El Motassadeq, haben mehrere Zeugen frühere Aussagen zur angeblichen Gewaltbereitschaft des Angeklagten zurückgenommen. Reinhard M., ein früherer Vermieter des Angeklagten, bezeichnete am Mittwoch vor dem Hanseatischen Oberlandesgericht seine Behauptung als überzogen, wonach Motassadeq "notfalls seine ganze Familie umbringen würde, wenn es sein Glaube erfordert". "Das stimmt so nicht", sagte M. zu seiner früheren Aussage bei der Polizei. Der Zeuge erklärte dies mit seiner damaligen Empörung über die mögliche Verstrickung Motassadeqs in die Anschläge. Er habe Motassadeq aber sehr wohl als "sehr unangenehmen", "aggressiv" und "fundamentalistisch angehaucht" wahrgenommen.

Auch ein früherer Kommilitone Motassadeqs, Yawo D., korrigierte vor Gericht seine frühere Aussage über Motassadeq. D. hatte der Polizei laut Protokoll von einer Auseinandersetzung mit dem Angeklagten und dem international gesuchten mutmaßlichen Komplizen Said Bahaji berichtet. Demnach sagte Bahaji dem Zeugen, er müsse Ungläubige zum Islam bekehren und sei notfalls "bereit, dafür Menschen zu töten". Dem Gericht zufolge hatte D. bei der Polizei angegeben, Motassadeq habe diese Ansicht "voll und ganz geteilt". Doch vor Gericht sprach der Zeuge von einem "Missverständnis" der Polizei. Demnach trat Motassadeq zwar auch für die Bekehrung von Nicht-Moslems ein, äußerte sich jedoch nicht zu der Gewaltfrage. Der Zeuge bestätigte allerdings vor Gericht seinen Eindruck, dass Motassadeq "von Anfang an ein besonders streng gläubiger Moslem" gewesen sei.

30. Oktober 2002 - 16.08 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2002



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