Zentrale des Energiekonzerns TNK-BP in Moskau durchsucht Seite 1 - AFP vom 19.03.2008
Zentrale des Energiekonzerns TNK-BP in Moskau durchsucht
Ermittler beschlagnahmen Dokumente
Die russische Polizei hat am Mittwoch den Sitz der britisch-russischen Energiefirma TNK-BP durchsucht. Die Ermittler beschlagnahmten dabei nach Angaben einer Sprecherin des Innenministeriums mehrere Dokumente. Das Material sei im Zusammenhang mit einer Untersuchung mitgenommenen worden, die den mit TNK-BP verbundenen Konzern Sidanko betreffe, sagte die Ministeriumssprecherin der Nachrichtenagentur AFP. Ende der 1990er Jahre hatte der britische BP-Konzern Anteile an Sidanko gekauft. In den vergangenen Monaten stieg der Druck auf TNK-BP in Russland, wo der Staat zunehmend den Öl- und Gassektor kontrolliert.
Der Konzern sei immer bereit, mit den russischen Behörden zu kooperieren, wenn es nötig sei, sagte eine TNK-BP-Sprecherin ohne die Untersuchungen bestätigen zu wollen. Den Beschäftigten von TNK-BP sei es zu Beginn der Aktion verboten worden, das im Zentrum Moskaus gelegenen Gebäude zu betreten oder zu verlassen, sagte ein Mitarbeiter des Konzerns der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Demnach durchsuchten die Polizisten die oberen Etagen des Firmensitzes. Nachdem die Durchsuchung bekannt wurde, fielen die Aktien des Konzerns an der russischen Börse um zehn Prozent.
TNK-BP wurde im Jahr 2003 von dem britischen Ölkonzern BP sowie einem russischen Konsortium gegründet, denen der Konzern jeweils zur Hälfte gehört. In den vergangenen Wochen dementierte der staatliche Energieriese Gazprom Meldungen, wonach eine Übernahme von TNK-BP-Anteilen bevorstehe. Im vergangenen Juni hatte BP nach monatelangem Druck der russischen Behörden Anteile an einem sibirischen Gasfeld an Gazprom verkauft. TNK-BP musste zudem Steuern in Höhe von einer Milliarde Dollar nachzahlen und war mehrmals das Ziel von Ermittlungen des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB.