Das Hanseatische Oberlandesgericht will den mutmaßlichen Terroristen Ramzi Binalshibh offenbar als Zeugen im kommende Woche beginnenden ersten deutschen Prozess um die Terroranschläge vom 11. September vorladen. Die Hamburger Richter hätten für das Verfahren gegen den angeklagten Marokkaner Mounir El Motassadeq bereits ein entsprechendes Rechtshilfeersuchen an die USA gestellt, berichtet das "Hamburger Abendblatt" (Mittwochsausgabe). Binalshibh war Mitte September in Pakistan festgenommen und an die US-Behörden ausgeleifert worden.
Die Bundesanwaltschaft wirft El Motassadeq Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und Beihilfe zum Mord in mindestens 3116 Fällen vor. Er soll "Statthalter" der Todespiloten in Hamburg und "bis zuletzt in die Attentatsvorbereitungen eingebunden" gewesen sein.
El Motassadeqs Anwalt Hartmut Jacobi kündigte unterdessen an, dass sein Mandant vor Gericht eine Aussage machen werde. Der 28-Jährige wolle die in der Anklage erhobenen Vorwürfe vor Gericht abstreiten und die Richter von seiner Unschuld überzeugen. "Er bestreitet, dass er von den Attentatsplänen wusste", sagte Jacobi am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP. Nach Angaben des Verteidigers sitzt El Motassadeq inzwischen in einem Hamburger Gefängnis in Einzelhaft. Der Prozess soll am 22. Oktober unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen beginnen.
15. Oktober 2002 - 18.41 Uhr
© AFP Agence France-Presse GmbH 2002
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