Yukos will Käufer von Förderbetrieb in Europa und USA verklagen
AFP VOM 19.12.2004 | Nachrichten - International | 10054 Aufrufe Mehr zum Thema:Menatep, Yukos
- Weiter Unklarheit über Identität von Baikal-Finanzgruppe
Der Yukos-Mehrheitsaktionär Menatep will den neuen Besitzer der Produktionstochter Yuganskneftegas in Europa und den USA verklagen. Die Klagen würden eingereicht, sobald die Identität des Eigners feststehe, sagte ein Anwalt der Yukos-Aktionäre am Montag in London. Über die bei der Zwangsversteigerung erfolgreiche Baikal-Finanzgruppe herrschte weiter Unklarheit. Offenbar habe sich der staatlich kontrollierte Gasprom-Konzern aus Furcht vor den jurisitischen Konsequenzen "eines Dritten bedient", titelte "Iswestija". Bei einem Treffen von Kreml-Chef Wladimir Putin und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) stand die Auktion nicht offiziell auf der Tagesordnung.
Der staatlich kontrollierte Gasprom-Konzern habe sich mit der bislang völlig unbekannten Baikalfinansgroup "eines Dritten bedient, um Yuganskneftegas zu kaufen", schrieb "Iswestija". Damit schütze sich der Gasriese vor der US-Justiz, die vergangene Woche wegen des im US-Bundesstaat Texas laufenden Yukos-Konkursverfahrens einen Aufschub der Versteigerung verfügt hatte. Die russische "Gaseta" kommentierte, auch der Zorn der Yukos-Aktionäre, deren Konzern nun zerschlagen sei, solle auf eine fremde Strohfirma gelenkt werden.
Es sei gut möglich, dass sich Gasprom einer Strohfirma bedient habe, sagte der Menatep-Anwalt Sanford Saunders in London. Er kündigte mehrere Klagen in den USA, Großbritannien und weiteren westeuropäischen Ländern an. Baikal, eine Firma ohne Telefonnummer und mit Sitz in der nordwestlich von Moskau gelegenen Stadt Twer, war erst vor wenigen Tagen angemeldet worden. Sie erhielt bei der Auktion am Sonntag in Moskau überraschend für umgerechnet 7,03 Milliarden Euro den Zuschlag für gut drei Viertel der wichtigsten Yukos-Tochter. Spekulationen über Verbindungen zu Gasprom wies ein Sprecher des Gaskonzerns aber umgehend zurück.
Berichten zufolge könnte die Baikal-Gruppe auch in Verbindung mit der dem Kreml nahestehenden privaten Ölfirma Surgutneftegas stehen, die ihre Anteile später an Gasprom weiterverkaufen könnte. Dies wäre die "einfachste Methode" für den Gaskonzern, "juristisch einwandfrei" zum Yuganskneftegas-Eigner zu werden, zitierte das Wirtschaftsblatt "Wedomosti" einen Regierungsvertreter. Surgut sei der einzige Konzern in Russland, der genügend Bargeld für das Geschäft habe, sagte ein Gasprom-Manager dem Blatt.
Mit dem Erlös aus der Auktion wollten die Moskauer Behörden offiziell einen Teil der milliardenschweren Yukos-Steuerschuld eintreiben. Der Russland-Experte der Deutschen Gesellschaft für auswärtige Politik, Alexander Rahr, sprach von einer "Flurbereinigug der gesamten russischen Wirtschaft". Putin versuche jetzt, "den russischen Energiemarkt unter staatliche Kontrolle zu bringen". Hinter Baikal stecke vermutlich der Kreml. Energiepolitik stand beim 28. Treffen zwischen Putin und Schröder binnen vier Jahren in Hamburg zwar auf der Tagesordnung; ob auch Yukos angesprochen worden sei, könnten beide Politiker erst bei ihrer Pressekonferenz sagen, sagte ein Regierungssprecher in Berlin.
Der inhaftierte Yukos-Gründer Michail Chodorkowski warf der russischen Regierung vor, das "effizienteste Ölunternehmen" Russlands zerstört und sich ein "wunderbares Weihnachtsgeschenk genehmigt" zu haben. Chodorkowski war im Oktober vergangenen Jahres festgenommen worden. Er hält dem Kreml politische Beweggründe vor, da er vor der Präsidentenwahl oppositionelle Parteien finanziell unterstützt hatte. Moskau fordert von Yukos Steuernachzahlungen von umgerechnet 20,7 Milliarden Euro.
20. Dezember 2004 - 15.30 Uhr
Seiten in diesem Artikel: Seite 1: Unbekannte Firma ersteigert Yukos-TochterSeite 2: Yukos will Käufer von Förderbetrieb in Europa und USA verklagenSeite 3: Russische Presse sieht Gasprom hinter BaikalfinansgroupSeite 4: USA: Yukos-Zwangsversteigerung diskreditiert Finanzplatz Russland


