Wohnungsdurchsuchung

Mehr zum Thema:

Alles was Recht ist Rubrik, Durchsuchungsbefehl, Wohnungsdurchsuchung, Waffenbesitz

5 von 5 Sterne
Bewerten mit: 5 Sterne 4 Sterne 3 Sterne 2 Sterne 1 Stern
1

Von Joey

Da sitze ich vor einigen Monaten um 19.30 völlig fertig nach der Arbeitvor meiner wohlverdienten Pizza, als es an der Tür klingelt. Fünf Personenschauen mir da halb freundlich, halb grimmig entgegen und fragen mich nachmeinem Namen. Ich antworte wahrheitsgemäß. Auch die Frage, ob ich alleinesei, bejahe ich entsprechend. Man erzählt mir mit (wahrscheinlich)Rücksicht auf große Ohren hinter verschlossenen Türen, dass man mich gernegesprochen hätte, und hält mir einen Durchsuchungsbeschluss unter dieNase.

Ich bitte die Herren verständnislos, aber merkwürdigerweise ganz ruhig indie Wohnung. Ich setze mich wieder an meinen Platz, den ich eben innehatte, und bitte die Herren, doch auch Platz zu nehmen. Man verzichtet,bis auf den "Wortführer". Er setzt sich mir gegenüber und reicht mir denDurchsuchungsbeschluss zum Durchlesen. Ich beuge mich vor und werde voneinem Kollegen zügig, aber sanft wieder zurückgedrückt und festgehalten,während ein weiterer Kollege mein Besteck und die Pizza beseite räumt.

Hollywood in Ostwestfalen - ich musste schmunzeln, war ich doch froh, mitdem Messer überhaupt die Pizza gechnitten zu bekommen. Nun hatte ichjedenfalls Zeit, mir den Durchsuchungsbeschluss durchzulesen: Ich warangezeigt wegen unerlaubten Waffenbesitzes, man vermutete in meinerWohnung diverse Schusswaffen. Während mein Gegenüber die Personalienaufnahm, mir Rechte erklärte und diverse Fragen stellte, machten sich dieKollegen (bis auf einen, der war als Zeuge der Gemeinde vor Ort) an dieDurchsuchung meiner Wohnung.

Durch das Gespräch mit meinem Gegenüber war schnell zu erkennen, dass essich um sehr nette Herren handeln musste, die keinesfalls aus irgendeinerTV-Serienproduktion gehüpft waren. Und so war es auch mit den Kollegen.Die Frage nach einer illegalen politischen Organisationszugehörigkeitverneinte ich wahrheitsgemäß, worauf ein Kollege, der gerade mein Bürodurchforstete und wohl an einige Ordner gelangt war, die Treppeherunterrief "das glaube ich gerne, 9. Klasse, Politik ausreichend". Undalles lachte.

Meine beiden Kater liefen frei in der Wohnung umher, der schüchterne vonbeiden versteckte sich irgendwo, der andere hat Menschen gegenüber garkeinen Respekt und vor allem keine Angst. Ein Fauchen und Knurren aus demSchlafzimmer, ein "Autsch" und ein "der hier hat den Wesenstest aber auchnicht bestanden", und schon war wieder alles am Lachen.

Irgendwann mussten mein Gesprächspartner und ich das Wohnzimmer räumen, dadort gesucht werden sollte, und wir begaben uns ins Büro. Auf die nungestellte Frage, ob ich denn Schusswaffen besitzen würde, antwortete ichwahrheitsgemäß ebenfalls mit "ja", woraufhin direkt zwei Kollegen zurStelle waren. Der eine überprüfte meine Unterlagen die Waffen betreffend,der andere hielt mich im Auge, während mein Gegenüber sich die Waffennäher ansah. Mit einem grinsenden "da sieht man mal wieder, wer Geld hat"übergab er sie seinem Kollegen, der die Seriennummern prüfte und sievorerst wegsteckte.

Fragen häuften sich, wo Munition etc. aufbewahrt wird,ob es Ersatzmagazine gäbe etc., als von unten aus dem Büro eine Stimmehochrief "Chef, wir haben ein Depot gefunden". "Chef" begab sich nachunten, während die beiden Kollegen mich oben nicht mehr ganz so freundlichanschauten. Von unten kam lautes Gelächter...... man hatte die Couch andie Wand gestellt, und unter ihr befanden sich geschätzte 20 bis 30Feuerzeuge......... alle fein sorgfältig von den Katzen versteckt, und ichfahre immer an die Tanke und kaufe mir neue.

Ein paar Fragen wurden geklärt, Seriennummern der Waffen notiert, dieAnzahl der Munition gezählt und mir beides wieder übergeben. Danach mussteich die Katzen einfangen, denn............ ein Kollege wartete noch imAuto, mit zwei Schäferhunden. Total süße Kerlchen, natürlich wollte ichsie streicheln. Mit einem lauten "hey, nicht ablenken" wurde ichzurückgehalten, und viel freundlicher kam hinterher "das sind nämlichtotale Schmuser, nachher konzentrieren die sich nicht mehr auf dieArbeit".

Nachdem die Wohnung für drogen- und sprengstofffrei erklärt wurde, kamdann noch die Frage, wo meine beiden Motorräder geparkt seien. Ichbeschrieb den Weg zur Garage, und die Hunde machten sich auf zum nächstenJob. "Chef" wunderte sich darüber, warum man keinen Autoführerscheinbesitzen würde, und stattdessen auch im Winter Motorrad fährt, und das 60km zur Arbeit. Man unterhielt sich locker über Motorräder bis derDiensthundeführer wiederkam. Er meinte nur "alles in Ordnung" und "dieklaut Ihnen so schnell kein Mensch - ihr Schwiegervater hat da alles vollim Griff". Der kam wohl aus seiner Garage mit einer Rohrzange auf denPolizisten zu, als der meine Garage aufschließen wollte :)

Ein paar freundliche Worte wurden noch gewechselt, man entschuldigte sichfür die Störung und ließ mich allein im Chaos. Nicht so schlimm wie imFilm, aber aufräumen musste ich danach dann doch. Ein Lachen konnte ichmir nicht verkneifen, als ich einen Einmal-Handschuh auf dem Katzenkloliegen sah :)

War ich die ganze Zeit total ruhig, konnte ich danach noch nicht mal eineTasse Kaffee festhalten und musste erstmal meine Eltern anrufen.

Das Wochenende verging, der Montag kam und ich saß in einer Besprechung,als meine Assistentin uns störte. Sie bat mich heraus, was ich mit Hinweisauf die Besprechungsteilnehmer ablehnte. Sie zischte nur "Staatsschutz"und hielt mir die Tür auf. Ich begab mich zum Empfang, wo ein Herr inJeans und Flanellhemd lässig an einer Säule lehnte, die Hand auf derDienstwaffe abgestützt. Er fragte mich nach meinem Namen, stellte sich alsein Beamter des Staatsschutzes vor und wies sich aus. Unsere Empfangsdamewurde kreidebleich. Ich glaube, ich auch. Da klopfte er mir fastkumpelhaft auf die Schulter und meinte, dass sein Kollege, der "Schussel",nun im Urlaub wäre und ganz vergessen hätte, dass ich noch unterschreibenmüsse, dass man die Schusswaffen in meinem Besitz belassen hätte. Nach derUnterschrift verabschiedete er sich mit einem "danke, tschüssi,weitermachen" und war weg.

Unglaublich, aber wahr!!! Der Grund für die Anzeige? Würde zu langedauern, aber nennen wir es "Übereifrigkeit" eines Mitbürgers, ohne michauf die Legalität meiner Schusswaffen vorher einmal anzusprechen. DasVerfahren wurde dann wenige Zeit später eingestellt.

Hatte schon sehr viel Kontakt mit der Justiz und der Polizei, bin bishernicht vorbestraft und habe nur 11 Punkte in Flensburg :) Ausschließlichwegen zu schnellem Fahren. Aber ich muss sagen, es gibt keinen Augenblick,wo ich über die deutsche Jusitz meckern könnte. Den "Trachtenverein" findeich eigentlich ziemlich klasse;)

Schon mal eine witzige, haaresträubende oder kuriose Begegnung mit der Justiz oder Polizei gehabt?

Senden Sie uns Ihre kuriose Begegnung zu. 123recht.net veröffentlicht die besten Geschichten, damit alle etwas davon haben.