Wikileaks-Mitbegründer Assange weltweit zur Fahndung ausgeschrieben
AFP VOM 1.12.2010 | Nachrichten - Allgemein | 2472 Aufrufe Mehr zum Thema:Wikileaks, Vergewaltigung
Obama ernennt Beauftragten zur Verhinderung weiterer Datenlecks
Nach der erneuten Veröffentlichung brisanter US-Dokumente gerät Wikileaks-Mitbegründer Julian Assange immer weiter unter Druck. Die internationale Polizeiorganisation Interpol setzte den Australier wegen der gegen ihn in Schweden erhobenen Vergewaltigungsvorwürfe auf die Fahndungsliste. US-Präsident Barack Obama ernannte am Mittwoch einen Beauftragten zur Verhinderung weiterer Datenlecks.
Interpol erließ eine sogenannte Red Notice für Assange. Damit wurden die 188 Mitgliedsstaaten von Interpol aufgefordert, Schweden bei der Suche nach Assange hinsichtlich seiner Festnahme und Auslieferung zu unterstützen. Es handelt sich dabei laut Interpol nicht um einen internationalen Haftbefehl.
Ein Gericht in Stockholm hatte kürzlich einen Haftbefehl gegen den 39-jährigen Australier wegen Vergewaltigung und sexueller Belästigung von zwei Frauen ausgestellt. Die schwedische Staatsanwaltschaft hatte ihren Antrag damit begründet, dass Assange zu den Vorwürfen befragt werden müsse.
Assanges britischer Anwalt, Mark Stephens, erklärte, sein Mandant sei offenbar Ziel einer politischen, nicht einer juristischen Verfolgung. Auch sei es "höchst ungewöhnlich", dass Interpol Assange wegen der gegen ihn erhobenen Vorwürfe zur Fahndung ausgeschrieben habe. Er werde daher prüfen, ob der Antrag mit den "neuesten, ziemlich kriegerischen US-Aussagen über die Absicht einer strafrechtlichen Verfolgung" von Asssange zusammenhänge.
Wo sich Assange derzeit aufhält, ist unklar. Am Dienstag gab er dem US-Magazin "Time" von einem unbekannten Ort ein Interview, in dem er US-Außenministerin Hillary Clinton zum Rücktritt aufforderte, falls sie US-Diplomaten im Ausland zur Spionage angestiftet habe.
Wikileaks hatte am Sonntag einen ersten Teil von insgesamt 250.000 vertraulichen Dokumenten des US-Außenministeriums veröffentlicht. US-Präsident Barack Obama beauftragte am Mittwoch den Vize-Direktor für Informationsweitergabe im nationalen Anti-Terror-Zentrum, Russell Travers, die notwendigen Reformen zu veranlassen, um ein erneutes Leck zu verhindern.
Der Sprecher des US-Außenministeriums, Philip Crowley, kritisierte, dass die Wikileaks-Enthüllungen Washington den Zugang zu Informanten erschweren würden. Das US-Außenministerium schränkte den Zugang der US-Streitkräfte zu internen diplomatischen Dokumenten ein. Der Austausch interner Unterlagen zwischen Ministerien und Behörden war nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 stark ausgeweitet worden, am Ende hatten hunderttausende Menschen Zugriff auf die Datenbank mit den Dokumenten.
Der unabhängige US-Senator Joe Liebermann erklärte, das US-Internetunternehmen Amazon habe ihm mitgeteilt, dass es Wikileaks keine Server-Kapazitäten mehr zur Verfügung stelle.
01.12.2010 - 22:31 Uhr
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Seiten in diesem Artikel: Seite 1: Wikileaks-Mitbegruender Assange weltweit zur Fahndung ausgeschriebenSeite 2: Haftbefehl gegen Wikileaks-Gruender bestaetigtSeite 3: Zeitung: Inkorrekter Haftbefehl verhinderte Festnahme von AssangeSeite 4: Anwalt von Assange sieht Interpol-Fahndung als politisch motiviert


