Wikileaks-Gründer Assange in Großbritannien verhaftet
AFP VOM 7.12.2010 | Nachrichten - Allgemein | 4815 Aufrufe Mehr zum Thema:Wikileaks, Vergewaltigung
Gericht prüft Auslieferung von Internetaktivist an Schweden
Nach wochenlangem Katz- und Mausspiel hat sich Wikileaks-Gründer Julian Assange in London der Polizei gestellt. Scotland Yard gab am Dienstag die Verhaftung des 39-jährigen Australiers bekannt, ein Londoner Gericht entschied am Nachmittag, dass er vorläufig inhaftiert bleibt. Es wurde ein langer Rechtsstreit um die Auslieferung Assanges nach Schweden erwartet, wo gegen ihn wegen des Verdachts der Vergewaltigung ermittelt wird.
Assange sei "gemäß einem europäischen Haftbefehl um 10.30 Uhr verhaftet worden", hieß es in der Mitteilung von Scotland Yard. Am Nachmittag entschied das City of Westminster Gericht, dass der Internetaktivist mindestens bis kommenden Dienstag in Haft bleibe. Eine Freilassung auf Kaution lehnte das Gericht ab - mehrere Unterstützer, darunter Filmemacher Ken Loach hatten angeboten, die Kaution zu zahlen. Die britische Justiz muss nun die Auslieferung Assanges nach Schweden prüfen. Die dortige Justiz ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts der Vergewaltigung, der Nötigung und der sexuellen Belästigung.
Nach Aussage von Assanges Anwalt Mark Stephens stellte sich sein Klient "aus freien Stücken" der Polizei, um seine Unschuld zu beweisen. Vor dem Gerichtsgebäude sagte Stephens, bei der Verhaftung sei es "sehr höflich" zugegangen. Am Montagabend hatte er der AFP gesagt, er bereite ein Treffen mit den Behörden vor. Diese hatten zuvor einen neuen Haftbefehl aus Stockholm erhalten, nachdem ein erster Haftbefehl wegen Unvollständigkeit nicht vollstreckt werden konnte.
Assange bestreitet die in Schweden gegen ihn erhobenen Vorwürfe und vermutet dahinter einen politisch motivierten Rachefeldzug. Wikileaks hatte nach der Veröffentlichung geheimer US-Dokumente zu den Konflikten im Irak und Afghanistan Ende November begonnen, auch 250.000 US-Diplomatendepeschen ins Netz zu stellen.
Nach Angaben eines Sprechers der britischen Behörde zur Bekämpfung organisierter Kriminalität SOCA könnte die Prüfung der Auslieferung "von mehreren Tagen bis mehrere Monate" dauern und bis vor das oberste Gericht getragen werden. Assanges Anwältin Jennifer Robinson sagte dem australischen Sender ABC, ihr Mandant werde gegen eine Auslieferung juristisch vorgehen, weil danach eine Überstellung an die USA drohe. Und eine Auslieferung an die USA sei eine "echte Bedrohung für einen fairen Prozess".
Verteidigungsminister Robert Gates begrüßte am Dienstag die Verhaftung Assanges. Bisher hat Washington jedoch noch keine Möglichkeit zu einem juristischen Vorgehen gegen ihn wegen der ins Netz gestellten Depeschen von US-Diplomaten gefunden. Wie ein Mitglied von Wikileaks am Dienstag sagte, wird die Veröffentlichung der US-Dokumente ungeachtet der Festnahme Assanges fortgesetzt.
Die Kreditkartenfirma Visa gab am Dienstag bekannt, dass sie alle Zahlungen an Wikileaks einstelle. Am Montag hatte bereits Mastercard ihre Beziehungen zu der Enthüllungsorganisation unterbrochen. Auch das Internet-Bezahlsystem Paypal sperrte Zahlungen an Wikileaks. In Deutschland muss die Organisation dagegen vorerst keine Einschränkungen fürchten. Offiziellen Angaben zufolge droht der Wau-Holland-Stiftung als weltweit größtem Geldgeber von Wikileaks nicht wie zuvor berichtet die Aberkennung ihres deutschen Steuerprivilegs.
07.12.2010 - 17:31 Uhr
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Seiten in diesem Artikel: Seite 1: Wikileaks-Gruender Assange in Großbritannien verhaftetSeite 2: Hacker wollen "Krieg" gegen Wikileaks-Gegner fortsetzenSeite 3: Hacker legen nach Mastercard auch Internetseite von Visa lahmSeite 4: Wikileaks-Unterstützer schlagen mit Hacker-Attacken zurückSeite 5: Kein Kontakt zwischen Schweden und USA wegen Assange-AuslieferungSeite 6: Wikileaks-Affäre: Australiens Außenminister beschuldigt USASeite 7: Keine Einschränkungen für deutsche Wikileaks-Unterstützer


