Wie stehen die Akten, Herr Staatsanwalt?

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Wie stehen die Akten, Herr Staatsanwalt?

Fox Mulder und Dana Scully haben als FBI-Agenten jede Menge Akten zu bewältigen, und die meiste Zeit rennen sie gegen eine Wand. Akten verschwinden, werden ihnen vorenthalten oder verleugnet. Beweise treten zu Tage und sind schon wieder weg, Sachverhalte verändern sich auf geheimnissvolle Weise, Helfer nähern sich als Freunde, stellen sich dann als Gegenspieler heraus. Ab und an tritt etwas aus den Akten zum Vorschein, aber nie genug, nur für ein kurzes Momentum scheint das ganze Ausmaß greifbar, doch dann rieselt es wieder wie Sand durch die Zehen, unerreichbar und so weit weg wie nie zuvor.

Die berühmt berüchtigten X-Akten liegen im verstaubten Keller des FBI-Gebäudes und geben Einblick in mysteriöse Ereignisse und ungeklärte Fälle, vor allem aber in weltweite Verschwörungen hoher Staatsmänner und anderer einflussreicher Personen gegen die restliche Bevölkerung der Erde. Mulders Kreuzzug lässt sich nicht ohne Weiteres und ohne Aufsehen stoppen, und so werfen die "Verschwörer" ihm ab und zu ein paar Brocken hin, mit denen er zwar etwas anfangen kann, die ihm zwar ein kleines Stück weiter in die dunklen Machenschaften der Mächtigen Einblick geben, Antworten formen, aber meist nur wieder neue und mehr Fragen entstehen lassen. Die wichtigen Details bleiben vorenthalten und auf immer verborgen.

Mulder wird nicht müde, auch nur die kleinsten Anhaltspunkte weiter zu verfolgen, den abwegigsten Verdacht zu beleuchten und die skurrilsten Gedanken zu hinterfragen. Mulder denkt quer; und vor allem glaubt er an seine Sache, an die Wichtigkeit seiner Arbeit, ihn treibt eine Kraft, ein innerer Drang nach Wahrheit. Auch Misserfolge und die Ausgrenzung von Kollegen, selbst der Unglauben der Öffentlichkeit, für die er kämpft, lassen ihn nicht zweifeln. Dunkelheiten wollen beleuchtet, Steine umgedreht und Lügen enttarnt werden. Mulder weiß, was er zu tun hat, und selbst die Gefahr des Todes schreckt ihn nicht. Agent Fox Mulder ist auf einer Mission.

Er ist ein Mensch mit der Überzeugung, dass er so wie jedermann sonst ein Recht auf die Wahrheit hat, ein Recht auf die ungeschönte Wahrheit, nicht nur auf vergammelte Reste, an denen selbst hungrige Wölfe zu würgen hätten. Mulder ist ein Verfechter des Rechtsstaats, obwohl oder vielleicht gerade weil die Leute, gegen die er agiert, diesen Rechtsstaat schon längst "zu den Akten" gelegt haben. Vorgesetzte und andere Personen, über und unter ihm in der Hierarchie stehend, dreschen nur noch Phrasen und wahren einen Schein. Das Volk ist dumm; und so glaubt es ihnen, es singt in der Predigt, nickt in der Andacht, folgt alten Mustern und ist gefangen in dem Kreis, der aus einer Lüge Wahrheit macht.

Die Knüppel zwischen Mulders Füßen werden größer und schmerzvoller, aber Mulder hat Zivilcourage, ohne Zivilist zu sein. Er steht zu seinem Wort und verfolgt unerbittlich seine Ziele, egal, was andere von ihm denken, egal, was da komme. Seine Karriere ist ihm nicht wichtig, weder ist er käuflich noch beeinflussbar. Mulder steht für all das, was heutzutage als Merkmal einer aussterbenden Spezies steht. Streben nach Wahrheit, bis zur Selbstaufgabe.

Agent Fox Mulder ist eine Fiktion.

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