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Wie man Pyramiden baut
Seite 1 - del vom 12.01.2005

Wie man Pyramiden baut

Anwalt spielt Misshandlungen der Gefangenen in Abu Ghraib auf makabere Art und Weise herunter

Die Bilder gingen um die Welt: Gefangene Iraker im Gefängnis Abu Ghraib, von amerikanischen Soldaten misshandelt und gefoltert. Gefangene mussten nackt menschliche Pyramiden bilden, wurden sexuell erniedrigt, körperlich misshandelt und vieles mehr. Der Rechtsanwalt eines der angeklagten Soldaten setzte jetzt vor einem Militärgericht noch eins drauf.

Die Aufstellung menschlicher Pyramiden sei „keine Folter“, sondern ein Mittel, die Gefangenen „technisch“ unter Kontrolle zu bringen, sagte der Anwalt. Immerhin, auch Cheerleader würden ständig Pyramiden bilden, und das vor großem Publikum. Was also die ganze Aufregung solle?

Mit seiner nächsten Argumentation übertrifft der Anwalt sich sogar noch: Er bezeichnet es als normal, Gefangene an der Leine zu halten. In Einkaufszentren und Flughäfen der USA seien häufig Kinder zu sehen, die von ihren Eltern an der Leine geführt würden.

Mehr wurde von der Verteidigung des erschreckend eloquenten Anwaltes leider nicht überliefert. Gerne hätten wir gehört, wie er die verdrahteten Gefangenen verharmlost hätte, die mit Ku Klux Klan ähnlichen Masken auf Fässern stehen mussten und dabei dachten, bei falschen Bewegungen einen tödlichen Stromstoß zu bekommen. Was hätte er da wohl als Vergleich herangezogen? Pfahlsitzer in Freizeitparks? Tiere in Versuchslabors?

Was hätte er zu den Vorwürfen der sexuellen Erniedrigung gesagt? So sollen Gefangene gezwungen worden sein zu masturbieren, während andere mit geöffneten Mündern vor diesen knien mussten. Welche "normalen" Sexpraktiken einer bürgerlichen Familie wären hier von dem Anwalt herangezogen worden? Hätte er den Film "American Beauty" oder die Serie "American Housewifes" als Vorbild erwähnt?

Jeder hat das Recht auf einen Anwalt. Das ist klar und ein klassisches Prinzip in einem Rechtsstaat. Auch ein Soldat hat das Recht auf eine Verteidigung, selbst vor einem Militärgericht. Doch auch ein Verteidiger ist an Recht und Ordnung und an die Verfassung gebunden, auf die er geschworen hat. Dass er sich um Kopf und Kragen quasseln und bodenlose, menschenverachtende Vergleiche aufstellen soll, davon steht auch in der amerikanischen Verfassung nichts.



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Caroline Steurer, Frankfurt
beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Sportrecht, Arbeitsrecht, Vertragsrecht.
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