Der angeblich innerhalb von wenigen Tagen entstandende dreistellige Millionenverlust beim Eigenhandel der WestLB ist offenbar nur ein "Betriebsunfall" in einer Kette von Manipulationen gewesen. Aktienhändler der WestLB stünden unter dem Verdacht, jahrelang die Schlusskurse von Vorzugsaktien manipuliert zu haben, berichtete die "Financial Times Deutschland". Händler hätten damit auf dem Papier hohe Gewinne im Eigenhandel der Bank erzielt und ihre Bonuszahlungen gesichert, schrieb die Zeitung unter Berufung auf mit den Vorfällen betrauten Bankern.
Nach Informationen der Zeitung waren neben VW-Papieren vor allem auch Metro- und BMW-Aktien von den Geschäften betroffen. Die damit erzielten Gewinne seien überwiegend Scheinerträge gewesen. Die durch die Geschäfte aufgebauten Positionen seien zum großen Teil noch vorhanden. Müssten sie aufgelöst werden, werde ein tatsächlicher Verlust des Zentralinstituts der Sparkassen in Nordrhein-Westfalen und Brandenburg sichtbar. Der Rückstellungsbetrag belaufe sich auf "geschätzte 300 Millionen Euro", zitierte die Zeitung einen Experten in der WestLB. Dies werde von der WestLB bestritten. "Es gibt heute keinen Rückstellungsbedarf", sagte Chefjurist Michael Berghaus.
Die Händler haben dem Bericht zufolge möglicherweise seit 2001 gegen Vorschriften der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) verstoßen. Auch befreundete Maklerhäuser hätten Vorzugsaktien gekauft, um einen regen Handel vorzutäuschen. Auch eine US-Bank soll behilflich gewesen sein.
Die WestLB hatte am Dienstag erklärt, nach bisherigen Untersuchungsergebnissen seien möglicherweise auch Dritte an den Vorgängen beteiligt gewesen, deren Tätigkeit "nicht unter die Aufklärungshoheit der WestLB fällt". Angaben über die Schadenshöhe durch die Vorgänge machte die Bank bisher nicht.
11. April 2007 - 08.52 Uhr
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