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Wer sich die Suppe einbrockt, muss sie auch auslöffeln
Seite 1 - del vom 21.04.2004

Wer sich die Suppe einbrockt, muss sie auch auslöffeln

Selbstverantwortung ist laut Duden die Verantwortung für eigenes Handeln. Auf derselben Dudenseite, nur etwas weiter links, findet sich bezeichnenderweise auch das Wort Selbstkritik, das mit dem Eingestehen eigener Fehler zu tun hat. Verantwortung für eigenes Handeln übernehmen in unserer Gesellschaft die wenigsten Menschen, und insoweit fehlt es auch allzu oft an Selbstkritik. Fehler machen immer die anderen, und sie sollen auch dafür gerade stehen. An die eigene Nase fassen ist so selten wie Nutella im Kühlschrank.

Wer seine Verantwortung für eigene Fehler auf Dritte abwälzen will, beißt sich aber zumindest in Deutschland in den meisten Fällen die Zähne aus. Hiesige Richter weisen entsprechende Schadenersatzklagen munter ab, im Gegensatz zu den Gepflogenheiten amerikanischer Kollegen, die gerne Unsummen erstatten. Jüngstes Beispiel in Deutschland ist die abgewiesene Klage einer Lakritz-Liebhaberin, die den Hersteller Haribo für ihre Herz-Rhythmus-Störungen verantwortlich machen wollte. Die Frau naschte täglich 400 Gramm der Süßware - das sind in einem Monat 12 Kilo.

Wurde die Frau mit einer Pistole bedroht, wurde sie erpresst oder ihr das Lakritz gewaltsam eingeführt? Mitnichten, ihr Gehirn suggerierte jeden Tag völlig eigenverantwortlich: Lakritztüte aufmachen und Inhalt aufessen!
Selbst Schuld. Denn jeder Bürger muss wissen, dass zu viele Süßigkeiten der Gesundheit schaden können. Und nicht nur zu viele Süßigkeiten: "Zuviel" kann immer Schaden anrichten, egal von was.

Das bekam auch ein deutscher Richter zu spüren, der in seinem Leben Unmengen an Süßwaren und Cola vertilgt hatte. Bei dem Versuch, einen Süßwarenhersteller für seine Diabetis haftbar zu machen, geriet er aber glücklicherweise an einen Kollegen, der sich im Schadenersatzrecht besser auskannte und ihm die Leviten las.
Auch Raucher, die behaupten, sie hätten über die schädliche Wirkung von Tabak nichts gewusst, werden vor deutschen Gerichten gnadenlos abgekanzelt.

Zu Recht. Denn zu viel Schutz des Verbauchers beschneidet das Denkvermögen. Eine Gesellschaft, die das Bild des ewig dummen Verbauchers hochhält, der selbst nicht denken kann und bei jedem Schritt in der weiten Welt geschützt werden muss, ist zu bemitleiden. Wenn die Gewohnheit, immer andere für seine Dummheiten verantwortlich zu machen, von der Rechtsordnung wohlwollend unterstützt würde, dann züchtete diese Gesellschaft unmündige Zombies heran.

Es reicht schon, dass viele es immer wieder von sich aus versuchen, anderen den schwarzen Peter zuzuschieben. Das muss nicht auch noch von Gerichten genährt werden.
Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen, fällt schwer. Hinterher ist man ja bekanntlich immer schlauer. Schön wäre es aber auch, aus diesen Fehlern zu lernen. Das Gegenteil allerdings ist der Fall, wenn die Einsicht fehlt, dass es eigene Fehler waren. Denn es fällt so leicht zu sagen: Es waren die anderen.



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beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Strafrecht, Miet und Pachtrecht, Datenschutzrecht.
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