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Wem gehört das Ost-Ampelmännchen?

AFP VOM 4.6.2005 | Nachrichten - Vor Gericht | 5338 Aufrufe
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Ampelmännchen, Ampel, DDR

- Streit um einträgliche Kultfigur landet vor Gericht

Ob als Duschvorleger, Lampe, Blumenvase oder Schlüsselanhänger - 15 Jahre nach der Einheit ist das ostdeutsche Ampelmännchen nicht nur eines der letzten Überbleibsel der DDR, sondern auch begehrtes Kultobjekt. Als grüner Geher oder roter Steher prangen der Ampelmann und seit einiger Zeit auch sein weibliches Pendant von dutzenden Souvenirs und haben sich damit als einträgliche Marke etabliert. Im Streit um die Markenrechte ist das Ampelmännchen nun zum Fall für die Justiz geworden. Zwei Unternehmen aus Berlin und Sachsen beanspruchen das Ost-Symbol gleichermaßen für sich. Mit dem Fall wird sich das Landgericht Leipzig am kommenden Dienstag befassen.

Geklagt hat die Berliner Ampelmann GmbH, die über das Internet und in drei Hauptstadt-Shops eine umfassende Ampelmann-Kollektion vertreibt. Seit 1997 hat die Design-Firma von Markus Heckhausen zahlreiche Markenrechte beim Patentamt angemeldet. Auch sein Gegenspieler, die Verkehrstechnik Roßberg aus Wildenfels bei Zwickau, hält zahlreiche Patentrechte am Ost-Männchen, die Heckhausen ein Dorn im Auge sind. Aus seiner Sicht sind die Rechte der Sachsen längst verfallen, weil diese die Marke allenfalls für Ampelanlagen, nicht aber für andere Produkte ernsthaft nutzen. Rückendeckung erhält der Kläger dabei vom "Vater des Ampelmännchens", Karl Peglau, höchstpersönlich. Als Verkehrspsychologe des Medizinischen Dienstes des Verkehrswesens der DDR hatte er 1961 den kleinen Mann mit Hut und Knubbelnase entworfen.

Joachim Roßberg, Chef der beklagten Firma aus Sachsen, pocht hingegen auf seine Markenrechte. Die Behauptungen der Gegenseite seien schlichtweg "falsch". Schon zu DDR-Zeiten war Roßberg Direktor der Zwickauer Firma, die als einzige Ampeln baute. Nach der Wende kaufte er den Betrieb von der Treuhand und baute sich mit den Ampelmännchen-Souvenirs ein weiteres Standbein auf. Der Ampelmännchen-Shop in Zwickau macht immerhin einen Jahresumsatz von 50.000 Euro. Neben den üblichen T-Shirts und Tassen vertreibt Roßberg auch "Ampelmännchen-Bier" und "Ampelmännchen-Schnaps". Inzwischen kreierte das Unternehmen auch noch eine Ampelfrau, die auf den Straßen von Zwickau, Dresden und Werdau bereits die Vorherrschaft des Männchens beendet hat und mit kurzem Rock und wehendem Zopf den Verkehr regelt.

Das Ampelmännchen hat bereits eine bewegte Geschichte hinter sich. Mit der Wiedervereinigung sollte es wie so viele DDR-Relikte abgewickelt werden. Anfang der 90er Jahre wurde damit begonnen, den Ost-Mann durch den dünnen, hutlosen West-Ampelmann zu ersetzen. Doch der Widerstand wuchs. Ein "Komitee zur Rettung der Ampelmännchen" machte sich für die Ost-Ampel stark. Nach seinem Umzug nach Berlin nahm sich auch der Tübinger Markus Heckhausen der Ost-Männchen an. Aus Originalteilen entstanden die ersten Ampelmann-Produkte: rote und grüne Leuchten. Von da an trat der ostdeutsche Ampelmann seinen Siegeszug als Kultfigur an - und durfte weiter munter Fußgänger dirigieren. Seit Januar dieses Jahres gibt es das Ost-Männchen nun auch an Kreuzungen im Westteil Berlins.

Auch sonst ist das Ampelsymbol omnipräsent: In trauter Eintracht mit dem westdeutschen Ampelmann ziert es sogar das Logo des von der Bundeszentrale für politische Bildung ausgeschriebenen Einheitspreises. Und bei der Landesverkehrswacht in Sachsen ist das "Ampelmännchen-Diplom", mit dem Kindergartenkinder für den Schulweg trainiert werden, schlicht der Renner.

Mit einem Urteil im Ampelmännchen-Streit wird am Dienstag noch nicht gerechnet. Doch egal wie der Markenstreit von den Leipziger Richtern entschieden wird: Für das Ampelmännchen ist dies auf jeden Fall eine gelungene PR-Aktion.

4. Juni 2005 - 05.56 Uhr

© AFP Agence France-Presse GmbH 2005


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