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Welche Möglichkeiten um Haus nach dem Ableben im Sinne des Eigentümers an Dritten zu übergeben

2.1.2017 Thema abonnieren Zum Thema: Haus
 Von 
Vedammi1953
Status:
Frischling
(11 Beiträge, 0x hilfreich)
Welche Möglichkeiten um Haus nach dem Ableben im Sinne des Eigentümers an Dritten zu übergeben

Guten Tag,

ich frage hier im Forum, weil mein Schwiegervater es gern so hätte, dass das Haus nach seinem Ableben sowie dem Ableben seiner Frau in seinem Sinne "weitergegeben" wird.

Es geht nur um das Haus, nicht um das eventuell zum Zeitpunkt des Todes noch bestehenden Vermögen.
Es ist ein großes Haus mit Garten und großen Nebengebäude.

Mann 79
Frau 73
Sohn 1 - nicht am Haus interessiert, nach seiner Aussage würde auch seinem Anteil an dem Haus ausschlagen. Findet die Idee gut, dass das Haus an Dritten mit ähnlichen Ansichten übergeht.
Sohn 2 - Lage unbekannt, aber wahrscheinlich daran interessiert, dass das Haus zum höchstmöglichen Marktwert verkauft wird.
Sohn 3 - Schwerbehindert, wird von KSV Sachsen betreut. Der KSV ist wahrscheinlich auch interessiert, dass das Haus zum höchstmöglichen Marktwert verkauft wird.
Tochter 1 (meine Freundin) - wohnt derzeit im Haus mit den Eltern, nicht am Haus interessiert, Findet die Idee gut, dass das Haus an Dritten mit ähnlichen Ansichten übergeht.

Mein Schwiegervater wünscht sich, dass das Haus für folgende oder ähnliche Projekte/Nutzung übergeben wird:
- ökologisches Projekt
- Mehrgenerationhaus
- Behindertenarbeit

Er wünscht sich aber auch, und das ist ja der Haken, bis zu seinem Tod im Haus bleiben zu können.

Nun meine Frage: wie könnte man was machen, dass das auch nach dem Ableben auch Bestand hat.
d.h. Sohn 2 oder KSV nicht kommen können, und sagen, das Haus war eigentlich Teil der Erbmasse, weil weniger als X Jahren vor dem Tod an Y übergeben wurde?
Wäre das mit einem Verkauf vor dem Tod gesichert? auch wenn der Verkauf "unter Wert" erfolgen würde?
Kann man eine Person, ein Verein oder eine Stiftung oder wer auch immer, die eigentlich nicht Erbe ist, damit beauftragen, nach dem Tod das Haus "im Sinne des Eigentümers" zu verkaufen/verwalten?
Die würde dann selber entscheiden, ohne dass die eigentlichen Erben entscheiden können, an wem und für welchen Preis das Haus verkauft wird, und die eigentlichen Erben würden erst danach, ihren Anteil an dem Verkaufserlös bekommen?

Wenn ich das Haus kaufen würde, "unter Wert", könnten Sohn 2 oder KSV sagen, dass es eigentlich Verschleierung von "Abzweigung eines Teil der Erbmasse" ist, weil ich ja mit einer Erbin zusammen bin?

Danke für Ihre Meinungen

Oder haben Sie andere Ideen, wie sich das regeln könnte.

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Haus


3 Antworten
Sortierung:

#2
 Von 
hh
Status:
Unbeschreiblich
(26732 Beiträge, 7702x hilfreich)

Zunächst einmal kann jeder zu Lebzeiten mit seinem Vermögen machen, was er möchte. Dazu gehört auch das Recht, Teile seines Vermögens oder das gesamte Vermögen zu verschenken oder unter Wert zu verkaufen. Und natürlich kann derjenige dafür auch Bedingungen festlegen, sich z.B. ein lebenslanges Wohnrecht vorbehalten.

Für den Erbfall kommt es dann darauf an, wie groß der Vermögensteil ist, der verschenkt wurde. Bei einem Verkauf unter Wert gilt die Differenz zum Verkehrswert als Schenkung. Wenn die Schenkung weniger wert ist als das Vermögen, was zum Zeitpunkt des Todes noch vorhanden ist, dann entstehen keine Ansprüche für die Erben aus der Schenkung.

Sollte die Schenkung mehr wert sein als das verbleibende Vermögen zum Zeitpunkt des Erbfalls, dann kommt es darauf an, wieviel Zeit zwischen Schenkung und Erbfall vergangen ist, um Ansprüche der Kinder wegen der Schenkung ermitteln zu können.

Eine ganz andere Frage ist, inwieweit der Schwiegervater denjenigen, dem er das Haus schenkt oder unter Wert verkauft rechtlich durchsetzbar dazu verpflichten kann, in seinem Sinne mit dem Haus zu verfahren. Das müsste mit einem Notar besprochen werden.

Am einfachsten wäre es jedoch, wenn der Schwiegervater ein Testament (123recht.net Tipp: Berliner Testament ) verfasst, in dem er festlegt, wer denn das Haus bekommen soll und das Haus nicht schon zu Lebzeiten verschenkt oder verkauft.

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#3
 Von 
TomRohwer
Status:
Lehrling
(1941 Beiträge, 1353x hilfreich)

Zitat (von Vedammi1953):

Nun meine Frage: wie könnte man was machen, dass das auch nach dem Ableben auch Bestand hat.
d.h. Sohn 2 oder KSV nicht kommen können, und sagen, das Haus war eigentlich Teil der Erbmasse, weil weniger als X Jahren vor dem Tod an Y übergeben wurde?

Das lässt sich nicht verhindern. Wenn das Haus innerhalb von 10 Jahren vor dem Tod des Eigentümers verschenkt wird, könnnen Pflichtteilsergänzungsansprüche für die Kinder und die Ehefrau entstehen. Ob Sohn 2 die dann geltend macht, kann nur Sohn 2 beantworten. Der Betreuer von Sohn 3 muss sie geltend machen, außerdem würde das Sozialamt verlangen daß sie geltend gemacht werden, wenn es zum Unterhalt von Sohn 3 beiträgt.
Zitat:
Wäre das mit einem Verkauf vor dem Tod gesichert?

Ja. Dann gehört eben das, was zum Todeszeitpunkt noch davon vorhanden ist, zur Erbmasse.
Zitat:
auch wenn der Verkauf "unter Wert" erfolgen würde?

Das würde dann u.U. als Schenkung gewertet werden. Davon abgesehen, daß auch das Finanzamt da nicht unbedingt mitspielt.
Zitat:
Kann man eine Person, ein Verein oder eine Stiftung oder wer auch immer, die eigentlich nicht Erbe ist, damit beauftragen, nach dem Tod das Haus "im Sinne des Eigentümers" zu verkaufen/verwalten?

Selbstverständlich. Es ändert aber nichts an den Erb- und Pflichtteilsansprüchen der Hinterbliebenen. Die kann man enterben, aber ihre Pflichtteilsansprüche kann man ihnen nicht nehmen.
Zitat:
Die würde dann selber entscheiden, ohne dass die eigentlichen Erben entscheiden können, an wem und für welchen Preis das Haus verkauft wird, und die eigentlichen Erben würden erst danach, ihren Anteil an dem Verkaufserlös bekommen?

Nein. Wenn das Haus vererbt wird, haben die Erben Anspruch auf den tatsächlichen Wert. Werden sie auf ihr Pflichtteil reduziert, hätten sie Ausgleichansprüche gegen den, der das Haus quasi geschenkt bekommt.
Zitat:

Wenn ich das Haus kaufen würde, "unter Wert", könnten Sohn 2 oder KSV sagen, dass es eigentlich Verschleierung von "Abzweigung eines Teil der Erbmasse" ist, weil ich ja mit einer Erbin zusammen bin?

Das wäre dann ggf. eine Schenkung, und die löst Pflichtteilsergänzungsansprüche aus, wenn der Erbfall binnen 10 Jahren nach der Schenkung eintritt. Diese Ansprüche schmelzen jedes Jahr um ein Zehntel ab.
Zitat:
Oder haben Sie andere Ideen, wie sich das regeln könnte.

Es gibt nur eine einzige Möglichkeit, das vernünftig und rechtssicher zu regeln.






Man geht zu einem Rechtsanwalt. Dem sagt man, wie man es am liebsten haben möchte, und der erklärt einem dann die Rechtslage und entwickelt Möglichkeiten für ein Testament, das in seiner Wirkung dem Wunsch am nächsten kommt.

Und klärt gleichzeitig über die unzähligen Fallstricke auf, die sich ergeben können.

-- Editiert von TomRohwer am 06.01.2017 11:16

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