Weitere fragwürdige Datenschutz-Vorfälle bei der Telekom
AFP VOM 10.2.2010 | Nachrichten - Nachrichten | 775 Aufrufe Mehr zum Thema:Datenschutz, Telekom
Konzern veröffentlicht nach Spitzelaffäre Sonderbericht
Bei der Deutschen Telekom hat es in den vergangenen Jahren neben der Spitzelaffäre eine Reihe weiterer rechtlich oder ethisch bedenklicher Datenschutz-Vorfälle gegeben. Bei der Auswertung von Unterlagen tauchten insgesamt 84 als "kritisch" eingestufte Vorgänge auf, wie die Telekom in Bonn mitteilte. Der Konzern will der Staatsanwaltschaft gegebenenfalls Hinweise für deren Ermittlungen geben.
Bei den Vorfällen habe die frühere Konzernsicherheit der Telekom insbesondere Mitarbeiter und Geschäftspartner ausgeforscht, sagte Telekom-Datenschutzvorstand Manfred Balz. Neben Privatleben und persönlichem Umfeld wurde demnach teils auch die Finanzsituation der Betroffenen ausgeleuchtet. Auch Telefonverbindungen seien unter die Lupen genommen und Arbeitsplätze durchsucht worden.
Es handle sich jedoch um vereinzelte Vorgänge, die gemessen an Umfang und Systematik mit der im Frühjahr 2008 bekannt gewordenen Bespitzelungsaffäre im Konzern nicht vergleichbar seien, hob Balz hervor. Die Telekom hatte in den vergangenen Jahren systematisch Telefonverbindungsdaten von Aufsichtsräten des Konzerns und Journalisten ausgewertet, um Informationslecks im Konzern aufzudecken.
Bei den nun identifizierten Vorfällen gibt es laut Balz nur vereinzelt Überschneidungen zu der Bespitzelungsaffäre. Sie wurden demnach bei einer Untersuchung der Unternehmensberatung KPMG im Auftrag der Telekom zu Tage gefördert. Dafür wurden rund 100.000 Seiten an Unterlagen der Konzernsicherheit aus den vergangenen Jahren ausgewertet. Die Dokumente wurden im Zusammenhang mit der Affäre beschlagnahmt und der Telekom von der Staatsanwaltschaft nach einer Prüfung wieder zugänglich gemacht.
Ziel der neuen Untersuchung sei es gewesen, fragwürdige Vorfälle aufzuklären, bei denen die Staatsanwaltschaft bei ihren Ermittlungen keine Anhaltspunkte für Strafverfahren gesehen oder diese als verjährt bewertet habe, sagte Balz. Bei einzelnen Fällen, die der Telekom rechtlich bedenklich erschienen, wolle der Konzern aber den Ermittlern nochmals Hinweise für mögliche Ermittlungen geben.
Von den 84 als kritisch bewerteten Vorfällen ereigneten sich laut Balz gut drei Viertel in den Jahren 2001 bis 2005. Der Großteil davon entfalle auf Vorgänge in Deutschland, ein weiterer großer Teil auf Osteuropa, wo die Telekom Tochterunternehmen hat.
Mit der Veröffentlichung der Ergebnisse wolle die Telekom deutlich machen, dass sie mit der früheren "Unkultur des Misstrauens und mit einem überzogenen Sicherheitsverständnis" im Konzern brechen wolle, erklärte Balz.
10. Februar 2010 - 19.49 Uhr
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