Vorsatz und Fahrlässigkeit

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Die Vorsatzformen

Es ist mittlerweile anerkannt, dass für die Strafbarkeit einer Handlung ein Eventualvorsatz beim Täter ausreicht. Dies gilt bei jedem Tatbestand, es sei denn, dieser verlangt ausdrücklich eine Absicht oder "wissentliches Handeln".

Eventualvorsatz: Der Täter nimmt den für möglich gehaltenen Erfolg (z.B. den Tod eines Menschen) billigend in Kauf. Dies auch dann, wenn dieser Erfolg für den Täter zwar unerwünscht ist, er sich dadurch aber nicht von der Durchführung seiner Handlung abhalten lässt. Frei nach dem Motto: OK, vielleicht stirbst du, aber dann soll es halt sein. Mir wäre lieber du stirbst nicht, aber ich schieße trotzdem. .

Der direkte Vorsatz liegt vor, wenn der Täter weiß oder es als sicher voraussieht, dass sein Handeln zur Verwirklichung des gesetzlichen Tatbestands (z.B. Tod eines Menschen) führt. Frei nach dem Motto: wenn ich schieße, dann bist du garantiert tot. Ob der Täter den Tod will oder nicht, ist hierbei für die Mehrheit der Juristen völlig unerheblich: wenn der Täter weiß oder als sicher voraussieht, dass sein Handeln zur Verwirklichung eines Strafgesetzes führt, aber trotzdem handelt, dann will er die Verwirklichung auch. Zack! Das Wollen wird hier also unwiderlegbar vermutet.

Die Absicht ist die stärkste Vorsatzform. Absicht ist der zielgerichtete Erfolgswille. Frei nach dem Motto: Ich will das du stirbst, also schieße ich. Das "Wollen" steht hierbei im Mittelpunkt. Dem Täter kommt es gerade darauf an, den Eintritt des Erfolgs (z.B. Tod eines Menschen) herbeizuführen.

Der direkte Vorsatz und die Absicht müssen aber extra im Strafgesetz verlangt werden, wenn der Täter diese Formen vorweisen soll. Steht im Gesetz nichts darüber, dann reicht es aus, wenn der Täter Eventualvorsatz hat. Der Straftatbestand des Totschlags z.B., § 212 StGB, erwähnt den Vorsatz mit keinem Wort: Wer einen Menschen tötet... wird als Totschläger mit Freiheitsstrafe... bestraft. Keine Absicht, kein wissentliches Handeln. Der Täter muss nur die Möglichkeit der Tötung sehen, diese billigen und seine Handlung dementsprechend fortführen. Kommt es dann tatsächlich zur Tötung, dann war diese vorsätzlich .
Und hier noch ein schön juristisch formulierter Satz zum Schluss:

Eventualvorsatz liegt dann vor, wenn der Täter sich auch durch die naheliegende Möglichkeit des Erfolgseintritts nicht von der Tatausführung abhalten lässt und sein Verhalten den Schluss rechtfertigt, dass er sich um des von ihm erstrebten Zieles willen mit dem Risiko der Verwirklichung des Tatbestands (z.B. Totschlag, § 212 StGB) abgefunden hat, also eher zur Hinnahme dieser Folge bereit war als zum Verzicht auf die Vornahme der Handlung.

Uff! Wenn das auch schon zur Bestrafung wegen Vorsatzes reicht, was soll dann Fahrlässigkeit sein?

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