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Von menschlichen Raubtieren und verstorbenen Hunden
Seite 1 - del vom 21.04.2005

Von menschlichen Raubtieren und verstorbenen Hunden

Auch der König der Tiere lebt nicht ewig

Neulich erreichte uns eine denkenswerte E-Mail eines aufgebrachten Lesers. Warum denn in einem Urteil von einem "verstorbenen Hund" die Rede gewesen sei. Menschen würden "versterben", aber Tiere doch wohl nicht. Ob das eine moderne Marotte oder das Tier dem Menschen jetzt juristisch gleichgestellt sei?

Klare Antwort: Nein. Juristisch sind Tiere, zumindest was das Kaufrecht angeht, wie eine Sache zu behandeln. Das erstandene Rennpferd steht damit auf einer Stufe mit einem DVD-Player. "Lieber Verkäufer, mein Pferd ist kaputt, ich bitte um Nachbesserung." - "Da ist ein Schaden an dem Hund, ich verlange Minderung." - "Hier liegt erheblicher Sachschaden an diesem Hamster vor, bitte nehmen Sie die Kaufsache umgehend zurück."

Der Mensch sieht sich als Krönung der Schöpfung. Wer denn sonst, immerhin können Tiere keine MP3s erstellen, geschweige denn illegal im Internet herunterladen. Raubkopien, Geldkartenbetrug, Weltkriege, Datenmissbrauch - dazu sind die Tiere ja viel zu blöd. Sie stehen natürlich unter uns auf der illustren Leiter der Evolution.

Der Mensch hat Moral und Anstand. Er hat Grundsätze und Werte, die das Verhalten seiner Gesellschaft regulieren und als verbindlich akzeptiert werden. Menschlichkeit, Brüderlichkeit, das fehlt den Tieren ganz offensichtlich. Machen wir sie uns also untertan.

Die unwürdigen Untertanen laufen ihren Herrschern jetzt allerdings in Fragen von Moral den Rang ab. So haben Forscher jüngst festgestellt, dass der Mensch nicht die alleinige Bastion des Guten auf der Welt ist. Mitgefühl, Hilfsbereitschaft, Selbstlosigkeit, Fairness und vieles mehr sind auch oder gerade im Tierreich zu finden.

Vampirfledermäuse etwa überleben nur, weil sie sich selbstlos untereinander helfen und nach dem Prinzip Gegenseitigkeit leben. Sie teilen ihre Kost mit Artgenossen, die ihnen in ähnlicher Not etwas abgegeben haben. Auch ohne Verwandtschaftsverhältnisse.

Und der Mensch? Der lässt frühere Helfer gerne fallen wie heiße Kartoffeln. Eben noch Dankbarkeit und Freundschaft geheuchelt, in der nächsten Sekunde weiß man von nichts mehr. Beim Menschen ist sich jeder selbst der Nächste. Dazu wird geschleimt, betrogen und gelogen. Bei Tieren, Hand drauf, geht es ehrlich zu. Ehrliche Freundschaft und unmissverständliche Feindschaft. Bis in den Tod. Das, liebe Mitmenschen, ist Moral.

Nein, Menschen und Tiere stehen wahrlich nicht auf einer Stufe. Wir sind die grausamsten aller Tiere. Oder mit den Worten von Leonardo da Vinci: "Wahrlich ist der Mensch der König aller Tiere, denn seine Grausamkeit übertrifft die ihrige. Wir leben vom Tode anderer. Wir sind wandelnde Grabstätten!"

Aber in einem sind alle Lebewesen gleich - egal, ob Katze, Maus, Hund oder Mensch: Wir sind sterblich. Irgendwann, das ist gewiss, ereilt der Tod uns alle. Und deshalb können Tiere in Urteilsbegründungen ruhig auch mal "versterben".



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Daniela Fischer, Berlin
beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Internetrecht, Vertragsrecht, Strafrecht und hat Interessensschwerpunkte: Urheberrecht, Gewerblicher Rechtsschutz.
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