Von gestopften Sommerlöchern

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Meinung Rubrik, Schröder, Stoiber, Westerwelle, Kanzler

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Nein, nicht was Sie jetzt denken. Mit "Sommerloch" bezeichnet man gemeinhin die Flaute in der Berichterstattung während der Sommermonate, in denen Ferienzeit ist, alle Siesta machen und einfach Nichts, Nada, Niente, Nullinger passiert. Doch nicht so diesen Sommer. Erstens fällt diese Jahreszeit momentan aus wegen Regenüberangebots, das den Markt überschwemmt und vom Konsumenten nicht mehr bewältigt werden kann.- Überall fängt die deutsche Bevölkerung schon an, sich Archen zu zimmern. Zweitens passiert in diesen Monaten auch sonst eine Menge: Wir haben doch Wahlkampf. Alle vier Jahre wieder wird das Sommerloch gestopft mit Kabale und Liebe.

Wenn man die Politik an sich schon als dröges Laienschauspiel mit diversen Lachelementen bezeichnen muss, dann laufen Kasperle und Seppel in Wahlkampftagen zu Höchstformen auf, die selbst von Hollywood bei der Oskar-Verleihung nicht getoppt werden können. Großartig! So viel aufgeplusterte Trickelemente, Schmalz, Schönrednerei und sonstige Effekthascherei bietet nicht mal ein Film von Spielberg, wenn das Beispiel in Zeiten des Antisemitismus überhaupt erlaubt ist.

Großes Kino war natürlich das Trara der Opposition zum Zuwanderungsgesetz im Bundesrat. Hach, was für eine gespielte Entrüstung. Dann das Schmierenthater um die Telekom, bei der Stoiber zuerst Sommers Rücktritt gefordert hat, dann Schröder Dilletantismus vorwirft und sich letztendlich nicht eingemischt haben will. Das ist erschütternd. Vergessen wir nicht das Schaulaufen zum Finale der Fußball-Weltmeisterschaft, bei dem die Spitzen der deutschen Politik möglichst nahe in Rudis und Kahns Dunstkreis fotografiert werden wollten.

Und der Titelverteidiger? Was hat der nicht alles geschafft! Schröder hat ja die begnadete Gabe, sich einerseits zu loben, andererseits absolute Nullgespräche zu führen: Gespräche mit ohne Inhalt. Mit rhetorischem Deckungsfeuer und brillant angetäuschter Semantik erzählt dieser Spitzenpolitiker in drei Minuten doch tatsächlich und absolut überhaupt nichts. Nix, Nada, Null, Weniger als Gar Nichts. Als Gegenüber ist man dann entweder verunsichert oder man gibt der Weltwirtschaftskrise die Schuld. Oder man merkt es nicht mal. Das ist doch doll!

Aber zum Glück haben wir außer diesen beiden Spaßbremsen ja noch ein Ass im Ärmel. Westerwelle, der alte Komiker, das wär doch mal was. Wenn der die Krone aufgesetzt bekommt, wird ihm sein Grinsen allerdings ganz schnell wieder vergehen. Von 18-Prozent-Schildern am Schuh alleine wird die Staatskasse auch nicht voll. Bis dahin klagt Guido jedoch erstmal vor Gericht, um für das TV-Kanzlerduell zugelassen zu werden. Um Himmelswillen, liebe Richter, lasst den Typen mitspielen, sonst wird das Duell zwischen Schröder und Stoiber so langweilig wie die Krimiserie "Kommissar Rex": Olles Format ohne Inhalte, schlecht gespielt, und der eine Protagonist kann noch nicht mal richtig reden.

Wer sich für Schauspielerei nicht interessiert, dem lege ich die Tour de France ans Herz: Ein Haufen kranker Asthmatiker strampelt sich durch das schöne Frankreich: Die einen wollen möglichst weit nach vorne und gesehen werden, die anderen tragen für die Helden nur das Wasser. Ab und an kracht es auch, dann liegen sie am Boden und wundern sich, wie es so weit kommen konnte. In Windeseile zieht der restliche Haufen an einer traumhaften Landschaft vorbei, ohne Zeit und Muße, diese zu bewundern. Was für ein Spiegelbild der Gesellschaft.

Dann hatten wir diesen "Sommer" noch einen Fast-Atom-Krieg, weil Marokko sich zwei spanische Ziegen und ein paar Steine aneignen wollte. Spanien war wenig begeistert und ließ seine Brust anschwellen. Wie die Kinder beim Murmelspiel. Was regen sich die Spanier eigentlich so auf? Mallorca und die Kanaren haben sie sich von England doch auch einfach wegnehmen lassen. Auch die letzte Enklave, Ballermann 6, wird fallen wie dereinst der Limes zwischen England und Schottland.

Und wem das alles noch zu langweilig ist, der blickt halt über den großen Teich. Soll ja keiner sagen, dass unsere amerikanischen Freunde dieses Jahr Urlaub machen und einmal im Leben leise treten. Nix da! Eine klitzekleine Erpressung des Weltsicherheitsrates, und schon hocken die Menschenrechte zusammengefercht in einer dunklen Ecke, wo man sie nicht sieht. Nur gut, dass sich unsere solidarischen Freunde in der ganzen Welt für die Freiheit einsetzen. Sonst könnte man ganz schöne Angst vor der Zukunft haben.

Babyloniens blühende Gärten sind ganz schön groß geworden. Gleichzeitig ist es auch irgendwie egal. Die ganzen machtgeilen Egozentriker auf dieser Welt werden sich irgendwann ziemlich wundern. Nämlich dann, wenn ihr Karma gnadenlos zurück schlägt. What goes around comes around. Natürlich werde ich bei der nächsten Bundestagswahl trotzdem wählen gehen. Von den ganzen Minnepredigern werde ich wieder das kleinste Übel ankreuzen. Nur zu schade, dass dieses immer noch so verdammt groß ist.

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