Von ersten Gerüchten bis zum Gang vor Gericht
AFP VOM 16.1.2007 | Nachrichten - Vor Gericht | 6876 Aufrufe Mehr zum Thema:Peter, Hartz
Mit dem Prozess gegen den ehemaligen VW-Personalvorstand Peter Hartz beginnt am Mittwoch das juristische Nachspiel der Affäre um Schmiergeldzahlungen und lustreisende Betriebsräte. Der 65-Jährige soll den damaligen Chef des Betriebsrates, Klaus Volkert, regelrecht gekauft haben. AFP gibt einen Überblick über die Entwicklungen der VW-Affäre.
2005:
30. Juni: Berichte über eine Korruptionsaffäre bei VW kommen auf. Skoda-Personalchef Helmuth Schuster soll entlassen worden sein, weil er Bestechungsgelder von Lieferanten gefordert hat. Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer sei gefeuert worden, weil er Lustreisen mit Prostituierten für den Betriebsrat organisiert habe. Konzernbetriebsratschef Klaus Volkert erklärt seinen Rücktritt, betreitet aber jegliche Verwicklung in die Affäre.
4. Juli: Medien berichten über ein Geflecht von weltweit operierenden Tarnfirmen, mit deren Hilfe Mitarbeiter Geschäfte mit dem Wolfsburger Konzern abwickelten. Darin soll neben Schuster auch Volkert verwickelt sein. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt.
5. Juli: Bernd Osterloh wird Volkerts Nachfolger.
8. Juli: Hartz bietet seinen Rücktritt an, offiziell geht er am 4. August in den Ruhestand.
25. Juli: Volkswagen stellt Strafantrag wegen möglicher Begünstigung von Betriebsräten.
19. August: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Volkert. Zwei Tage später verlässt der 62-Jährige den Konzern.
7. Oktober: Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Hartz wegen Untreue.
10. Oktober: Die Ermittler eröffnen ein Verfahren gegen den SPD-Landtagsabgeordneten und VW-Aufsichtsrat Günter Lenz.
11. November: Der Bericht der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG beziffert den Schaden durch die Affäre auf rund fünf Millionen Euro. Der bisherige Personalvorstand der Sportwagentochter Audi, Horst Neumann, wird Nachfolger von Hartz.
2006:
15. November: Die Staatsanwaltschaft Braunschweig klagt Hartz wegen Untreue und Bestechung von Betriebsräten an. Er soll alleine an Volkert fast zwei Millionen Euro außer der Reihe gezahlt und veranlasst haben, dass seine brasilianische Geliebte knapp 400.000 Euro ohne Gegenleistung erhielt.
21. November: Volkert wird überraschend verhaftet. Laut Staatsanwaltschaft soll er in einem Gespräch den Hauptbelastungszeugen Gebauer bedrängt haben, seine Aussage abzuschwächen, damit er nicht oder milder bestraft wird.
12. Dezember: Nach einem Geständnis wird der Haftbefehl gegen Volkert wegen Verdunkelungsgefahr aufgehoben.
2007:
17. Januar: Hartz muss sich vor dem Landgericht Braunschweig verantworten. Im Austausch gegen ein Geständnis erspart die Staatsanwaltschaft dem 65-Jährigen den Auftritt Prostituierter als Zeugen.
16. Januar 2007 - 13.37 Uhr
© AFP Agence France-Presse GmbH 2007
Seiten in diesem Artikel: Seite 1: Hartz gesteht und kann mit Bewährung rechnenSeite 2: Hartz kann in Untreueprozess mit Bewährungsstrafe rechnenSeite 3: Absprache erspart 65-Jährigem Beweisaufnahme zu BordellbesuchenSeite 4: Von ersten Gerüchten bis zum Gang vor GerichtSeite 5: Deal statt Knast für Hartz


