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Von den Amis lernen: Kippen adé
Seite 1 - del vom 29.04.2004

Von den Amis lernen: Kippen adé

An vielen kalifornischen Stränden darf nicht mehr geraucht werden

Der ruhige, blausilberne Ozean liegt wie eine dickflüssige Quecksilbermasse vor mir, nur alle paar Minuten erheben sich wie aus dem Nichts Wellen und brechen sauber über das vorgelagerte Riff. Die morgendliche Sonne streichelt mein Gesicht, und verträumt drücke ich meine Zehen in den Sand. Mit den Händen wühle ich geistesabwesend im weißen Strand, schaue hinaus auf das Meer. Doch etwas stört die Idylle: Die Unmengen an Kippenstummeln, die zwischen den Sandkörnern in regelmäßigen Abständen durch meine Finger rieseln.

Was das Rauchen angeht, bin ich eigentlich tolerant. Ich halte mich in rauchigen Bars und Clubs auf, und das Einatmen von passivem Rauch stört mich selten. Es ist mir auch völlig egal, wenn ein Raucher nach dem Essen oder zwischen den Gängen eine Zigarette anzündet und ich selbst noch mitten beim Speisen bin. Rauchverbote in Bars und Diskotheken finde ich albern, geschweige denn Verbote auf offener Straße. Ihr seid abhängig vom Tabak, wollt eure Lungen teeren: Macht doch, ich seid für euch selbst verantwortlich. Mein Gott, macht was ihr wollt.

Was mich jedoch schon immer auf die Palme gebracht hat sind Raucher, die ihre heiß gerauchten Stummel überall in die Natur schmeißen. Raucher, die ihre Kippen irgendwo ins Gelände feuern, in Gärten, auf die Skipiste, unter den Sessellift, in einen See, ins Meer oder auf den Strand. Das Terrain unter Skiliften sieht im Sommer, wenn der Schnee weg ist, aus wie der dreckige Boden einer Großraumdisko am nächsten Morgen. Strände fühlen sich mehr und mehr an wie der verpegte Aschenbecher eines kettenrauchenden Programmierers. An nur einem Tag sammelte man in einer Reinigungsaktion vor zwei Jahren an einem Strand in Kalifornien über 300.000 Zigarettenstummel auf. Lecker!

Das vor kurzem erlassene Rauchverbot an diversen kalifornischen Stränden ist daher auch die erste Einschränkung für Raucher, die ich wirklich gut finde, die mich wirklich interessiert. Man kann auch deutsche Nordseestrände nicht genießen, wenn überall Filter um einen herum zu sehen und zu fühlen sind. Ich kenne wenige Raucher, die ihre Kippen auf einem Berg, im Grünen oder am Strand in ein Taschentuch wickeln oder in einer mitgebrachten Dose verschwinden lassen, um diese dann später zu entsorgen. Die meisten Raucher scheren sich einen Dreck um ihren teerigen, unzerstörbaren Müll. Und wo der Appell an den gesunden Menschenverstand nichts nützt, müssen Verbote und Strafen her.

Amerikanische Raucher beklagen jetzt die Beschneidung ihrer letzten Freiheitsbastion: den Strand. Aber ich nehme mir auch nicht die Freiheit und werfe meine Fäkalien in Vorgärten. Nehmt eure Kippen mit oder Verbote hin. Auch hierzulande.



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Basener
Claudia Basener, Landsberg
beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit Sozialrecht, Familienrecht, Verkehrsrecht und hat Interessensschwerpunkte: Arbeitsrecht, Erbrecht.
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