Viel Lärm um Nichts

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Alles was Recht ist Rubrik, BtmG, Valium, Diazepam, Polizei

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Von thomasovic

Die Münchner Polizei nahm mich ohne triftigen Anlass zu einer Kontrolleauf die Wache mit.

Der ziemlich junge Polizist, der mich untersuchte, freute sich wie einHonigkuchenpferd (war anscheinend sein erster Fund), als er einenStreifen 10 mg. Diazepam Tabletten (rezeptpflichtig, aber nicht BtmG) ausmeiner hinteren Hosentasche zog.

Als er mir die Tabletten triumphierend entgegenhielt, schaute ich ihnentgeistert an und fragte ihn, was das jetzt wird. Er meinte dann, sichtlichüber seinen Mordsfund erfreut, dass er jetzt eine schöne BtmG-Anzeige gegenmich aufnehmen wird und das richtig Ärger gibt.

Er fing dann zu schreiben an, es kam dessen älterer Kollege undder schaute sich an, was der Azubi da gefunden hatte. Der meinte dann auchrecht schnell (fast genauso entgeistert wie ich), was er da jetztschreibt.

Als der sagte, dass er eine Anzeige schreibt wegen BtmG, verzog der ältereBeamte das Gesicht und meinte zu ihm in etwa: "Lass das doch bleiben, beidem Tablettenzeug kommt doch eh nix dabei raus!"

Naja, das war dem aber egal und er nahm die Anzeige trotzdem auf.

Nach ein paar Monaten bekam ich einen Strafbefehl wegen BtmG-Verstoß über700 EUR, gegen den ich natürlich sofort Einspruch mit entsprechenderBegründung einlegte, da es kein BtmG-Verstoß war und es auch im AmG keineStelle gab, mit der man mir eine strafbare Handlung hätte unterstellenkönnen.

Anstatt, dass sich die Münchner Justiz nun ihres Fehlers bewusst gewordenwäre, wurde auf meinen Einspruch hin auch noch eine Hauptverhandlungterminiert.

Auch vor Gericht zeigte man sich zuerst wenig beeindruckt von dervollkommen an den Haaren herbeigezogenen Anklage und meinem Hinweis, dasdie 10 mg. Diazepam Tabletten nicht wie behauptet unter das BtmG fallen,sondern nur Zubereitungen mit mehr als 10 mg. Diazepam pro abgeteilteEinheit.

Normal hätte spätestens jetzt das Gericht seinen Fehler erkennen und dasVerfahren einstellen müssen, um weitere Kosten und Zeit zu sparen - aber weitgefehlt.

Die Tabletten wurden dann noch für ein (vermutlich) Heidengeld von derAsservatenkammer geholt und beim LKA eingeschickt zur genauerenUntersuchung, ich möchte nicht wissen was alleine diese Untersuchung denSteuerzahler gekostet hat.

Letztendlich wurde das Verfahren eingestellt.

Ich finde es echt ungeheuerlich, dass wegen ein paar Valiumtabletten, diewahrscheinlich in jeder zweiten deutschen Hausapotheke offen herumliegen,so ein Verwaltungsapparat ins Rollen gebracht wurde.

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