Die nordfranzösische Justiz hat einen Frauenarzt mit internationalem Haftbefehl gesucht und in Abwesenheit zu zwei Jahren Haft verurteilt - dabei lebte er ganz in der Nähe. Wie am Freitag aus Justizkreisen bekannt wurde, war der auch als Sexologe tätige französisch-libanesische Mediziner wegen sexueller Übergriffe auf eine Patientin verdächtigt worden. Angesichts der seit 2003 laufenden Ermittlungen verließ er seine Praxis in Boulogne-sur-Mer und floh in den Libanon. Am 24. Mai wurde er in Abwesenheit verurteilt. Dabei vertrat ihn nicht einmal ein Anwalt.
Am Donnerstag habe ihn der Anwalt des Frauenarztes aber aufgesucht und gesagt, sein Mandant wolle die Haftstrafe antreten, sagte der Staatsanwalt von Boulogne, Gérald Lesigne. Der Arzt war demnach im Sommer 2006 aus dem Libanon geflohen, als dort die Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah-Miliz begannen. Er stand in Frankreich mit Namen und Adresse im Telefonbuch - allerdings nicht in Boulogne, sondern im 50 Kilometer entfernten Saint-Omer. "Wenn wir gewusst hätten, dass er wieder da ist, wären wir anders vorgegangen", versicherte Lesigne.
1. Juni 2007 - 14.53 Uhr
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